Kinder und Jugendliche sitzen zu viel am Computer, klagen die Eltern oft, und meistens rollen Erwachsene nur mit den Augen, wenn sie vom Spiel "Fortnite" hören. Denn das Spiel, das es schon seit 2017 gibt und auf nahezu allen Plattformen läuft, hat 350 Millionen registrierte Spieler. Wer einmal angefangen hat zu zocken, der findet kein Ende. Immer neue Modi verführen zum Verharren am Computer.

Viel Action und Bewegung

Zum Ferienauftakt luden das Jugendzentrum "Alte Spinnerei" und der Ökumenische Kinderhort Kinder und Jugendliche ein, genau dieses Fortnite zu spielen. Nicht am Computer, sondern in "real life". "Wir spielen mit ganz viel Action und Bewegung. Wie schulen die sozialen Kompetenzen - und überall gibt es Schiedsrichter", erklärte der Leiter des Ökumenischen Kinderhortes Andreas Wittmann. Die Initiative kam bei der Jugend gut an.

Fortnite ist ein Shooter-Spiel. Es geht darum, dass die Spieler auf einer Insel landen und solange kämpfen, bis nur noch sie selbst oder ihr Team übrig sind. Genau diese Regel galt auch für die Real-life-Version. Die Teams wurden ausgelost. Gespielt wurde immer zu zweit. Jedes Teammitglied wurde mit einer Gürteltasche zum Umhängen ausgestattet. Und an dieser Tasche waren drei Wäscheklammern festgeclipt. Die Wäscheklammern waren die Leben, mit denen jeder Spieler ausgestattet war.

"Hack Zack Towers"

Das gesamte Areal rund um Pestalozzischule und Hort war in vier Zonen unterteilt: Der Schulhof der Pestalozzischule - der asphaltierte Teil - war das "Big Nix". Der Spielbereich, auf dem die Klettertürme standen, hieß "Hack Zack Towers" - in Anlehnung an die Hackschnitzel. Der Bereich neben dem Hort, auf dem der Sandkasten war, nannte sich "Sweaty Sands" und der vierte Bereich befand sich zwischen "Sweaty Sands" und Pausenhof: der "Peace-‚n‘-So-Place". Doch wie kann Fortnite funktionieren, wenn die Mitspieler zwar mit drei Leben, aber nicht mit Waffen ausgestattet sind?

Schon im Vorfeld hatten die Initiatoren sogenannte Lootboxen, also Kisten, in denen sich Waffen, Munition und weitere Leben befanden, auf dem gesamten Gelände versteckt. Und verschossene Munition konnte einfach wieder aufgesammelt werden, um nachzuladen. Es galt, schnell zu sein. Denn nur dann konnte man Waffen finden und sich verteidigen. Als Waffen wurden die bekannten Nerf-Guns, also kleine Plastikwaffen, die mit Blaster-Munition abgeschossen werden, verwendet.

Aus nächster Nähe angeschossen

Die Munition ist so soft, dass nichts passieren kann. "Naja - hier ist meine Schussverletzung. Ich bin verwundet", zeigte Fabian Hugel (15) einen Abdruck auf seinem Bauch, lachte aber über den roten Punkt. Fabian Hugel war aus nächster Nähe abgeschossen worden.

Nach nur wenigen Minuten war das Spiel für Cheyenne-Chiara Hohlweg (11) schon aus. "Ich hatte echt Pech, weil ich einfach keine Waffen gefunden habe. Ich war wehrlos und habe dann schnell meine drei Leben verloren", erklärt sie. Doch auch die älteren Spieler verloren schnell die Puste. "Ich bin zu schnell gerannt und hatte einfach keine Luft mehr", klagt Tatjana Leuschner (18) mit hochrotem Kopf.

Im Verlauf des Spiels engten die Verantwortlichen die Spielzone immer weiter ein, ähnlich wie im echten Spiel, wo ein "schwarzes Loch" die Zocker überraschte und weltweit für Furore sorgte. Plötzlich waren die "Sweaty Sands" weg, dann die "Hack Zack Towers" und schließlich auch das offene "Big Nix", auf dem es einfach keine Verstecke gab. Schließlich fand der Endkampf statt. Und Lara Gandyra (11) machte das Rennen. "Ich habe das schon ein paar Mal gespielt. Aber ich bin gar nicht gut", zeigte sich die wendige Sportlerin im Adidas-Outfit unzufrieden. Sie suchte Deckung hinter einem Baum und zeigte auch zum Schluss noch exzellente Reaktionsgeschwindigkeit. Ein Treffer, noch einer. Schon hatte ihr Gegner auch die letzte Klammer weg. Auch unter Druck bewahrte Lara einen kühlen Kopf und besiegte alle - bis zur nächsten Runde.