Zwar ist der Angeklagte bislang strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Aber was er nun auf dem Kerbholz hatte, erschien dem Gericht denn doch zu viel, um ihm eine Bewährungsfrist zuzugestehen.

Dem jungen Mann wurde vorgeworfen, in 88 Fällen mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unerlaubt Handel getrieben und in weiteren zwei Fällen unerlaubt Betäubungsmittel erworben und Betäubungsmittel unerlaubt besessen zu haben. Am Ende der Verhandlung waren es zwar nur noch 45 Fälle, die in die Entscheidung einbezogen wurden - aber auch das war noch zu viel, um die Strafkammer unter dem Vorsitz von Michael Eckstein milde zu stimmen.

Staatsanwalt Michael Hoffmann warf dem Angeklagten , der keine abgeschlossene Berufsausbildung besitzt und sich zuletzt mit 400-Euro-Jobs über Wasser hielt, vor, mit Betäubungsmitteln, insbesondere Haschisch in größeren Mengen gehandelt zu haben. Von September 2009 bis April dieses Jahres kaufte der Angeschuldigte im Abstand von durchschnittlich zwei Wochen jeweils 200 Gramm Haschisch, um diese Drogen gewinnbringend weiter zu veräußern. Die insgesamt erworbene Menge wurde auf 17,6 Kilogramm Haschisch geschätzt. Dabei dabei bezahlte er je Gramm 6,50 Euro.

Die Drogen veräußerte er zwischen Juli 2011 und Dezember 2012 zu einem Preis von 9,50 Euro je Gramm. Der Angeklagte erwarb aber auch zum Eigenkonsum in zwei Fällen jeweils zwei Gramm Haschisch, und bei seiner Festnahme am 6. August dieses Jahres fand die Polizei in seiner Wohnung ein Butterflymesser, drei Cannabispflanzen sowie 1,9 Gramm Haschisch und 3,8 Gramm Marihuana für den Eigengebrauch. Insgesamt soll der Mann mit seinen verbotenen Geschäften 75.515 Euro verdient haben.

Vorsitzender Richter Michael Eckstein würdigte zunächst die Anwesenheit der Eltern des Angeklagten: "Ich finde es sehr gut, dass die Eltern auch bei einem erwachsenen Kind dabei sind. Das ist nicht immer so und sie nehmen eine schwere Belastung auf sich." Eckstein verwies darauf, dass der Angeklagte am 6. August 2013 festgenommen worden war. Der Haftbefehl wurde wenig später außer Vollzug gesetzt, weil keine Fluchtgefahr bestand.

Bevor Richter Eckstein in die Vernehmung einstieg, gab Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall eine Erklärung für seinen Mandanten ab. Danach räume dieser die Vorwürfe ein, doch die ermittelten Mengen an illegalen Betäubungsmitteln seien deutlich niedriger. Man verständigte sich darauf, dass die Haschisch Mengen in den Jahren 2011, 2012 und 2013 insgesamt bei 8,7 Kilogramm lagen, dabei wurden 150 Gramm für den Eigengebrauch in Abzug gebracht. Die "Hoch-Zeit" seines eigenen Drogenkonsums lag bei 60 Gramm im Jahr.

Der Angeklagte erklärte auch, dass er im April dieses Jahres einen Schlussstrich unter den Drogenhandel ziehen wollte: "Ich wollte mit dem Kapitel abschließen und ich habe auch nicht regelmäßig konsumiert." Die Vernehmung zweier Zeugen aus der Kulmbacher Drogenszene sorgte für keine weitere Aufklärung, zumal die beiden Brüder von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machten. Der erste Zeug ist zwar wegen Drogenhandels bereits zu einer Haftstrafe verurteilt worden, hat aber gegen das Urteil Revision eingelegt.

Ein weiterer Zeuge, ein ermittelnder Kriminalbeamter, gab zu verstehen, dass der Angeklagte bereits bei der Wohnungsdurchsuchung den Drogenhandel einräumte und sich kooperativ zeigte. In diesem Zusammenhang richtete Staatsanwalt Michael Hoffmann ein deutliches Warnsignal an die Kulmbacher Drogenszene: "Die paar, die wir noch nicht erwischt haben, sollten sich warm anziehen."

Richter Michael Eckstein verlas noch das Gutachten des Landgerichtsarztes Klaus Klante, der zum Ergebnis kam, dass bei dem Angeklagten weder eine Suchterkrankung noch Störungen vorliegen. Danach sei er in der Lage gewesen, das Unrecht seines Handelns zu erkennen und sein Konsumverhalten zu steuern.

Richter Eckstein nahm sich sehr viel Zeit, um in die Vita des Angeklagten zu schauen. So berichtete der Kulmbacher, dass er sehr behütet aufgewachsen ist, dann aber den Abschluss auf einer Privaten Wirtschaftsschule ebenso abbrach wie eine Ausbildung zum Maschinenbauer.

Staatsanwalt Michael Hoffmann würdigte in seinem Plädoyer vor allem das frühzeitige und auch hochwertige Geständnis des Angeklagten. Strafverschärfend sei aber die große Handels-menge von 8,5 Kilogramm und die geordnete Belieferung zwischen den Beziehern von Haschisch und den Abnehmern. Während Staatsanwalt Hoffmann eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten forderte, plädierte Verteidiger Alexander Schmidtgall auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die durchaus zur Bewährung ausgesetzt werden könne: "Mein Mandant hat einen ganzen Schnitt gewagt und Angaben gemacht. Er hat sich bereits vorher entschieden, Schluss zu machen."

In seinem letzten Wort bedauerte der Angeklagte seine Straftaten: "Es tut mir leid, was ich meinen Eltern angetan habe. Ich will mein Leben neu beginnen." Die Reue freilich kam zu spät: "Eine Bewährungsstrafe wäre illusorisch gewesen", so Richter Eckstein. "Ich kann Ihnen nur massiv raten, in der Haft die Möglichkeit zu nutzen, die Mittlere Reife nachzuholen."