"Wir sind nicht überall die Besten, aber wir können mit Fug und Recht sagen, dass wir in der Jugendarbeit vorne dran sind", sagte denn auch Landrat Klaus Peter Söllner.

Der Bericht des Kreisjugendamtes zeigte aber auch, dass die gesamtgesellschaftliche Situation zunehmend schwieriger wird. Nach den Worten des Landrats genießt Prävention weiter höchste Bedeutung. Das gute Netzwerk wisse der Landkreis besonders zu schätzen.


Anstieg bei stationärer Hilfe


Der Leiter des Jugendamtes, Klaus Schröder, stellte fest, dass das zurückliegende Jahr zu einem merklichen Anstieg von Fällen der stationären Hilfe und somit zu einem krisenhaften Anstieg der Jugendhilfekosten geführt hat: "Diese Entwicklung hat einen bedenklichen Hintergrund. Die Fälle, die beim Jugendamt ankommen und Beratung, Unterstützung und immer wieder auch die Herausnahme eines Kindes aus der elterlichen Obhut erforderlich machen, können im Einzelfall die verschiedensten Ursachen haben."

Hier verwies Schröder auf schädigende Einflüsse, misslungene Erziehungsversuche, Vernachlässigung, Überforderung, Krankheit, Straffälligkeit, schulisches Versagen, persönliche Krise, Missbrauch und Misshandlung.


Was sind die Ursachen?


Die Liste der Dinge, die Familien belasten und scheitern lassen, ließe sich nach den Worten des Jugendamtsleiters noch weiter fortsetzen: "Die Kinder- und Jugendhilfe kann und muss sich natürlich fragen, welche gesellschaftlichen Kräfte hier wirken und welche Ursachen für derartige Entwicklungen verantwortlich zu machen sind."

Ungeachtet dessen müsse der Schutz eines jeden Kindes oder Jugendlichen sichergestellt werden. "Dass derartige Fälle immer häufiger auftreten, erfüllt alle Handelnden mit großer Sorge", meinte Schröder.


Unbegleitete Minderjährige aus den Krisengebieten


Das vergangene Jahr habe einen weiteren Begriff in den Fokus der Kinder- und Jugendhilfe gerückt, nämlich den der unbegleiteten Minderjährigen. Aus den Krisengebieten der Welt sind 2014 rund 3000 Kinder und Jugendliche ohne Begleitung nach Bayern eingereist. Die Kinder- und Jugendhilfe war hier gezwungen, sich den daraus resultierenden Aufgaben zu stellen. "Welche weitere Entwicklung das nehmen wird, bleibt abzuwarten. Letztlich ist das eine neue Baustelle, die wie alle anderen Tätigkeitsfelder verantwortungsvoll und zuverlässig zu bearbeiten ist." Dankbar sei man den Rummelsberger Diensten mit Sitz in Fassoldshof, die diesen Personenkreis aufnehme. Zu der Problematik nahm auch Dienststellenleiter Fritz Glock ausführlich Stellung.

Neue Aufgabenfelder, gesetzliche Veränderungen, gesellschaftliche Entwicklungen und auch Änderungen in der Rechtsprechung stellen die Jugendämter ständig vor neuen Herausforderungen. Klaus Schröder: "Und hierbei sollte nie vergessen werden, dass im Gegensatz zu anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung ein Versagen oder eine Fehlentscheidung in der Kinder- und Jugendhilfe weitaus gravierendere Folgen für einen jungen Menschen haben kann." Dies stelle besonders hohe Ansprüche an das professionelle und verantwortliche Handeln der Fachkräfte im Jugendamt."


Thurnau der Höhepunkt


Melanie Dippold berichtete über die Arbeit des Kreisjugendrings, der im vergangenen Jahr bei nicht weniger als 109 Einsätzen ein umfangreiches Programm anbot. Es wurden rund 1400 Ferienpässe verkauft, zu den Angeboten kamen 1350 Teilnehmer. Was Dippold bedauerte, war die Verbindlichkeit von Kindern wie Eltern bei den vereinbarten Terminen. Der Renner im Ferienpass war nicht etwa eine Fahrt zum FC Bayern , sondern die Veranstaltung in Thurnau "Der Landrat und das Schlossgespenst!"

Stefan Lehner erinnert daran, dass das Kinder- und Jugendkulturzentrum "Alte Spinnerei" sein 15-jähriges Bestehen feiern konnte. Mit Lisa Sesselmann verfüge man seit Mai über eine pädagogische Mitarbeiterin, die erheblich zur Entlastung der Mitarbeiter beitrage.


30 ehrenamtliche Helfer im Jugendzentrum

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nsgesamt stehen der Einrichtung 30 ehrenamtliche Kräfte zur Verfügung, deshalb sei man auch in der Lage, den Jugendlichen ein gutes Angebot zu unterbreiten. Sehr intensiv werde der Indoorspielplatz genutzt, und seit September seien wieder viele neue Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren zum Jugendzentrum gestoßen.
Die Auslastung bezeichnete Stefan Lehner als insgesamt "sehr hoch". Der Leiter abschließend: "Es ist schwer zu bemessen, was die Arbeit bei uns bewirkt. Es hat sich auf jeden Fall sehr viel getan, die Jugendarbeit ist ein wichtiger Bestandteil für Stadt und Landkreis."

Jugendsprecher Frank Wilzok nahm die Gelegenheit wahr, allen Kräften in der Jugendarbeit zu danken: "Die Verzahnung unter den einzelnen Einrichtungen ist einmalig, man nimmt uns mit ins Boot."