Der Umgang mit dem Tod war früher in Kulmbach mehr oder weniger klar geregelt, wie wir in unseren letzten beiden Folgen berichtet haben. Heute schließen wir die kleine Exkursion über den Tod ab.

War früher der Moment gekommen, den Verstorbenen aus dem Haus zu tragen, so geschah das mit den Füßen voran, damit er keinen Blick zurückwerfen konnte. Gleichzeitig sollte ihm so die Wiederkehr als Geist verleidet werden. Der Sarg sollte unter der Haustüre dreimal abgesetzt werden, wobei die Worte: "Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" gesprochen wurden. Nachdem die Leiche das Haus verlassen hatte und die Haustüre sofort verschlossen worden war, wurde das Haus gereinigt.

Was den Umgang mit dem Andenken an den Verstorbenen anging, gab es allerlei Regeln zu beachten. So störte man den Toten, wenn man zu viel von ihm sprach oder zu viel an ihn dachte. Redete man doch von ihm, sollte man "Gott hab ihn selig" dranhängen. Redete man Böses über den Toten, raubte man ihm die Ruhe und es stand zu befürchten, dass er sich rächen würde.

"An schön Gruß vom Bauern"

Das Amt des Leichenbitters besorgte die Totenfrau, sie informierte über das Ableben und den Zeitpunkt der Beerdigung. Mit einem Korb am Arm und/oder auf dem Rücken ging sie von Ort zu Ort und von Haus zu Haus.

Verstarb die Frau des Bauern, so galt der Spruch: "An schön Gruß vom Bauern und er lässt extra zu der Leich bitten. Sie sollen seines Glaubens morgen um 10 Uhr der seligen Bäuerin das Gleit geben." Zum Dank dafür bekam die Frau etwas in den Korb: Schwarzbrot, Mehl, Fleisch, Wurst, Eier - was halt gerade zur Hand war.

Kein schlechtes Geschäft

Das Leichenbitten war kein schlechtes Geschäft, besonders bei der Beerdigung eines Großbauern. In einigen fränkischen Dörfern besteht die Sitte des Leichenbittens auch heute noch. Die Beerdigung fand im alten Franken gewöhnlich vormittags um 10 Uhr statt.

Lag das Trauerhaus in einer Ortschaft ohne Kirche und Friedhof, mussten die Leichen mit einem Leiterwagen abgeholt und ins nächste Pfarrdorf zur Beisetzung gefahren werden. Die Angehörigen, Nachbarn und Freunde folgten dem Sarg bis zum Friedhof. Wenn möglich, kam ein Pfarrer, der den Verstorbenen aussegnete und der Trauergesellschaft vorausging.

In größeren Ortschaften gab es eine Aussegnungshalle. Entweder in dieser oder in der Kirche wurde der Sarg aufgestellt, um bei der zweiten Aufbahrung eine weitere Möglichkeit zu bieten, sich von dem aus dem Leben geschiedenen zu verabschieden. Der Sarg wurde dabei so gestellt, dass der Kopf zum Priester oder zum Kreuz und die Füße zur Gemeinde gewandt waren.

Rosmarin im Knopfloch

Auch für die Teilnehmer gab es Regeln. So durften Leute, die zu einer Beerdigung gingen, nicht gegrüßt werden und auch selbst nicht grüßen. Auf dem Weg zum Grab sollte weder gesprochen, noch kondoliert werden. Die Trauernden trugen in den ländlichen, katholischen Gegenden im Knopfloch der linken Rockseite ein Sträußchen aus Rosmarin, auch ein buntes Tüchlein, beides wie am Hochzeitstage, denn es wurde eine "Himmelsbraut" oder ein "Himmelsbräutigam" heimgeführt.

Am Grab vollzog der Geistliche oder der Trauerredner die Bestattung. Beim Absenken des Sarges nahmen die anwesenden Herren ihre Kopfbedeckung ab, Friedhofbesucher unterbrachen ihre Tätigkeit. Die Trauernden sollten sich am Zuschütten des Grabes beteiligen.

Heute steht ein Behältnis mit Erde bereit. Die Trauernden nehmen mit den Worten "Möge dir die Erde leicht sein" mit einem kleinen Schäufelchen ein wenig davon und werfen sie in das Grab. Dreimal erfolgen die Worte: "Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staub". Auch mitgebrachte Blumen werden, vom Papier befreit, als letzter Gruß ins Grab geworfen.

Das Kondolieren am Grab kann manchmal überfordern. Stellen sich die Angehörigen mit Abstand zum Grab, so sollte man dies respektieren. Nach der Kulmbacher Heimatforscherin Elise Gleichmann sollten Tränen am offenen Grab vermieden werden, jede Träne brenne die arme Seele im Fegefeuer, hieß es. Bei Grabstellen von Ehepaaren liegt die Ehefrau links, der Ehemann rechts.

Leichenschmaus für Freunde

Zum anschließenden Leichenschmaus oder Trauerkaffee wurden Angehörige und Freunde eingeladen. Hier gab es ein einfaches Essen oder Kaffee mit Kuchen. Während des Essens unterhielt man sich über das Leben des Verstorbenen und rühmte seine guten Eigenschaften. Einem Toten sagte man nichts Schlechtes nach. In alten Erzählungen fand das Mahl am Grab statt.

Auch die Trauerzeit hatte gewisse "Richtlinien". So konnte sie bis zu einem Jahr bei einem nahen Angehörigen dauern. Die Trauerfarbe war schwarz.

So schwer der Verlust eines Mannes war, so wichtig war eine männliche Kraft als Unterstützung. Die Führung des Haushalts und die Erziehung der Kinder verlangte nach einer Frau. Demnach pflegte man nach dem Verlust eines Ehegatten möglichst bald wieder zu heiraten. Man musste wieder zu einem normalen Alltag finden und weiter wirtschaften. Elise Gleichmann sagte: "Wer länger als a Johr trauert, trauert widder wos her." Viele Rituale und Traditionen sind nicht durch die Kirche entstanden, sondern durch Brauchtum und Aberglauben. Einiges ist bis heute überliefert. So manches spukt dabei noch in den Köpfen ...