Weil er seine Verlobte gleich mehrfach brutal vermöbelt hatte, muss ein 43-jähriger Mann aus Kulmbach für ein Jahr ins Gefängnis. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Das bedeutet, dass der alkoholkranke Angeklagte eine mindestens eineinhalb Jahre dauernde Therapie gegen seine Sucht machen muss.

Der gravierendste Vorfall hatte sich am frühen Abend des 3. Januar 2020 vor dem Edeka-Markt am Goldenen Feld ereignet. Dort hatten sich der Angeklagte, seine Verlobte und einige Kumpels getroffen und miteinander Bier und Schnaps konsumiert. Irgendwann gab ein Wort das andere, die Situation eskalierte - und unter dem Vorwand der Eifersucht schlug der Angeklagte die 37-jährige Frau unvermittelt nieder. Der Beweisaufnahme zufolge schubste er sie zu Boden und schlug auf sie ein. Ob er dabei, wie ursprünglich angeklagt, auch auf sie eingetreten und dabei ihren Kopf getroffen hatte, konnte nicht mehr nachgewiesen werden.

Alkohol und Drogen

Er habe kaum noch Erinnerungen an das Geschehen, sagte der Angeklagte und verwies auf seinen vorausgegangenen stundenlangen Alkoholkonsum. Tatsächlich stellten die Beamten eine Blutalkoholkonzentration von über 1,6 Promille fest. Auch von Drogen war die Rede. Allerdings will der Mann im Vorfeld auch immer wieder von der Verlobten geschlagen worden sein. "Da habe ich halt auch mal zugelangt und mich gewehrt", sagte er. Sicher war er sich aber, dass er nicht gegen den Kopf der Frau getreten habe.

Die Verlobte, also das Opfer der Gewaltausbrüche, machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie beantragt, dass die Strafanträge wieder zurückgenommen werden sollen, was so allerdings gar nicht möglich ist.

Eine zweite Auseinandersetzung mit der Verlobten listete die Vertreterin der Staatanwaltschaft für Mitte Juni auf. Tatort war damals der Grünzug zwischen Stadthalle und Schwedensteg. Hier hatte der Angeklagte der Frau zwei Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so dass sie erhebliche Schmerzen erlitt. "Zuerst hat sie ihm eine geklatscht", erinnerte sich ein Spaziergänger, der gerade seinen Hund ausführte. "Anfangs habe ich gedacht, das ist Spaß, aber dann ist der Angeklagte völlig ausgetickt", berichtete der Mann, der sofort die Polizei verständigte.

Hausverbot missachtet

In weiteren Anklagepunkten muss sich der 43-Jährige außerdem wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs verantworten. Er hatte sich immer wieder im Gebäude des Kulmbacher Bahnhofs aufgehalten, obwohl er dort Hausverbot hatte. Das räumte er ein, einmal wollte er nur Tabak kaufen, ein anderes Mal musste er auf die Einkäufe seiner Verlobten aufpassen.

Laut Anklage hatte sich der Mann zuvor regelmäßig mit einer Gruppe Gleichgesinnter am Bahnhof getroffen, um Alkohol zu konsumieren.

Eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gefordert. Verteidiger Ralph Pittroff sah dagegen neun Monate als ausreichend an. Sowohl Anklage als auch Verteidigung sprachen sich für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt aus, da andernfalls weitere erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten seien.

In Fußfesseln vorgeführt

Richterin Sieglinde Tettmann urteilte auf ein Jahr Gefängnis wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, vorsätzlicher Körperverletzung und wegen Hausfriedensbruchs in drei Fällen. Nachdem die Tritte gegen den Kopf nicht nachgewiesen werden konnten, spielte der ursprünglich angeklagte Vorwurf der vollendeten gefährlichen Körperverletzung keine Rolle mehr. Die Richterin ging von einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit aufgrund des Alkohols, aber auch aufgrund der emotionalen Ausnahmesituation des Beschuldigten aus.

"Solange die Alkoholabhängigkeit besteht, wird es weitere Straftaten geben", sagte Tettmann. Deshalb könne sie keine positive Sozialprognose stellen und deshalb komme auch keine Bewährungsstrafe in Betracht.

Wenn die ebenfalls angeordnete Unterbringung in einer Entziehungsanstalt erfolgreich sein soll, müsse der Angeklagte aber auch bereit sein, aus dem Milieu aussteigen. Der Weg ins Gefängnis ist für den 32-Jöährigen nicht weit. Wegen anderer Straftaten sitzt er bereits im Knast. Zum Prozess wurde er in Fußfesseln vorgeführt.