Eigentlich hätte die Verhandlung wegen räuberischer Erpressung drei Tage dauern sollen, doch schon nach knapp zwei Stunden war Schluss. Grund dafür war, dass der angeklagte 40-jährige Metzger ohne festen Wohnsitz mehrere Überfälle auf Spielotheken unter anderem in Bayreuth alkohol- und drogenbedingt im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit oder gar der Schuldunfähigkeit begangen haben könnte.
Dafür sprachen nach Ansicht des Gerichts jedenfalls die Einlassungen des Mannes. Das Gericht hielt deshalb die Einholung eines forensischen Sachverständigengutachtens für erforderlich. Bis dahin wird einige Zeit ins Land gehen, so dass die Verhandlung kurzerhand ausgesetzt wurde.

Auf schiefe Bahn geraten


Nach der Trennung von seiner Frau war der 40-Jährige bereits vor einigen Jahren auf die schiefe Bahn geraten, fiel durch Kleinkriminalität und Drogengeschichten auf und wurde zuletzt vorzeitig aus der Justizvollzugsanstalt Amberg entlassen. Vorzeitig deshalb, weil er eine Drogentherapie machen sollte. Der Mann fasste aber nicht mehr Fuß, flog aus der Therapie und bestritt seinen Lebensunterhalt fortan durch kleinere Diebstähle.
Ein knappes Jahr später kam es dann zu der Überfallserie auf Spielotheken in Bamberg und Bayreuth, die Gegenstand der Anklage waren und die der Mann vor Gericht auch einräumte. In zwei Fällen erbeutete er dabei laut Staatsanwaltschaft jeweils über 1000 Euro Bargeld, in einem Fall bedrohte er die Mitarbeiterin einer Spielothek in Bayreuth mit einem Messer. "Dieser Fall ist der schwergewichtigste, weil eine Waffe im Spiel war", erläuterte der Vorsitzende Richter Michael Eckstein.

Geld für Drogen


Weiterhin erschwerend hinzu kam der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte im Umfeld der Kneipe "Kanapee" in der Maxstraße. Dort war der Mann auf der Toilette eingeschlafen, erst am nächsten Tag wurde er von einer Beschäftigten entdeckt, die sofort die Polizei verständigte. Wegen eines Haftbefehls aus einer anderen Sache wollten die Beamten den Mann festnehmen, doch der wehrte sich heftig, schlug auf einen Polizisten ein und verletzte den Mann dermaßen, dass er drei Tage lang dienstunfähig war.
"Ich bin kein aggressiver Mensch", sagte der Angeklagte zum Auftakt der Hauptverhandlung. Er habe nur nicht gewusst, wohin, und außerdem Geld zum Essen und für seinen Drogenkonsum benötigt. "Drogen waren immer im Spiel", so der 40-Jährige.

Kuriose Körperverletzung


Neben den Überfällen musste sich der Mann auch wegen einer kuriosen Körperverletzung verantworten. In den Räumen eines Dart-Pubs in der Kulmbacher Straße hatte er weit nach Mitternacht sein T-Shirt ausgezogen und wollte den Anwesenden seine Tätowierungen erläutern. Nachdem die Runde aber nichts davon wissen wollte und ihn die Bedienung aufforderte, sein T-Shirt wieder anzuziehen, versuchte er, die Frau zunächst zu küssen, und biss sie anschließend in die Wange und in die Oberlippe. Weil die Sache offensichtlich doch harmloser war, als sie zunächst aussah, stellte das Gericht diesen Punkt kurzerhand ein. Allerdings soll der Angeklagte auch bei diesem Vorfall nach eigenen Angaben "total besoffen" gewesen sein.
Nachdem das Gericht die Verhandlung nun ausgesetzt und einen Chefarzt des Bezirkskrankenhauses mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt hat, wird ein neuer Termin für den Prozess von Amts wegen bestimmt.