Als die Stimmen der Gegner lauter wurden, kam der Hinweis, sich doch erst Zahlen für eine Förderung des Projekts auf den Tisch legen zu lassen, bevor man dem Hochzeitsmuseum erneut negativ gegenüber steht. Dieter Ludwig als früherer Beauftragter der Bürgerinitiative, die die geplante Einrichtung mit einem Bürgerentscheid zu Fall gebracht hatte, stellte am Ende fest: "Wenn ihr es schafft, eine 90-prozentige Förderung zu bekommen, werde ich ruhig sein."

Laut Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) ist es das erklärte Ziel des Entwicklungskonzepts, das Ortszentrum zu stärken und die Lebensqualität zu steigern. Dabei sollen auch die denkmalgeschützten Gebäude Marktplatz 10 und 12 revitalisiert werden.
"Deshalb steigt auch der Staat mit einer hohen Förderung ein, um im Zentrum neue Impulse zu setzen, die auch Synergieeffekte auslösen", betonte der Bürgermeister, der in Bezug auf den Tourismus von einer sehr kritischen Situation sprach. Deshalb müsse die Gemeinde hier mit einer Höchstförderung investieren.

Nach der Vorstellung der Planung für einen Anbau an das Feuerwehrgerätehaus und das Ärztehaus (Kosten: rund 230 000 Euro) ging es um die Schaffung eines Kultursaales, die laut Architekt Hans-Hermann Drenske in mehrfacher Hinsicht untersucht wurde. Ein Neubau im Baugebiet "Tischeräcker" würde Gesamtkosten von 1,1 Millionen Euro verursachen. Weitaus kostenaufwendiger sei eine Lösung im "Huber-tushof", weil es sich hier zum Teil um eine marode Bausubstanz handelt. Um dort ein Museumszentrum mit Kultursaal zu schaffen, so Drenske, seien 3,8 Millionen Euro notwendig, wobei der Erwerb des Grundstücks noch nicht berücksichtigt sei. Der Architekt: "Das ist eine Lösung, die nicht im Ortskern liegt und nicht ganz optimal ist." Zu diesem Ergebnis sei auch die Landesstelle für nicht staatliche Museen gekommen, die die Stärkung des Ortszentrums für weitaus wichtiger halte und deswegen nicht bereit sei, am "Hubertushof" eine Höchstförderung zu gewähren.
Für die beiden Anwesen Marktplatz 10 und 12, die bereits im Besitz der Gemeinde sind, nannte Drenske Gesamtkosten von 4,3 Millionen Euro, die aber mit der Höchstförderung von rund 90 Prozent bedacht werden könnten.
Bürgermeister Anselstetter rückte in diesem Zusammenhang den Begriff "Hochzeitsmuseum" zurecht, denn es könnte damit ein modernes, multimediales Museum geschaffen werden, eine modernes Hochzeitskulturzentrum. Die Bausumme erschrecke zwar auf den ersten Blick, doch die Gebäude stellten die Idealform für Wirsberg und den Ortskern dar. Ein stufenloser Zugang zur Kirche wäre natürlich auch eine riesige Erleichterung für gehbehin-derte Gottesdienstbesucher.

Anselstetter schweben bei dieser Lösung auch mögliche Sponsoren vor, das A und O sei jedoch die Installierung eines eigenen Fördervereins.

Die geschäftsleitende Beamtin der Verwaltung, Andrea Müller, zeigte die derzeitige Rechtslage auf, die nach Ablauf der Bindungsfrist für den Bürgerentscheid vorliegt. Der Gemeinderat könne nun wieder frei entscheiden. Bislang habe die Marktgemeinde in das Projekt und die Studien rund 150 000 Euro investiert.

"So dumm kann man nicht sein"Nach Auffassung von Steuerberater Gerald Weinrich darf der mögliche Mehrwert eines Museumszentrums nicht nur in finanzieller Hinsicht gesehen werden. Es gehe auch um eine Verbesserung der Lebensqualität der Bürger. Grundsätzlich stellte Weinrich fest: "Sie werden nie ein Optimum erreichen, aber sie müssen besser sein als die Anderen. Sie müssen sich abheben, und in Wirsberg wird es Zeit, dass wieder etwas passiert."
Der Steuerberater wurde zum Schluss seiner Ausführungen deutlich: "So dumm kann man gar nicht sein, dass man diese Investition bei einer solchen Förderung nicht machen würde. Die Maßnahme sollte schleunigst in Angriff genommen werden, um Wirsberg wieder in die richtige Position zu setzen."

Dieter Ludwig wies darauf hin, dass beim Bürgerentscheid über 60 Prozent der Wähler gegen ein Hochzeitsmuseum waren: "Über die 60 Prozent wird mir zu wenig geredet." Die Planstudien hielt er für so "verrannt", dass man sie nicht verfolgen sollte. 60 Prozent der Bevölkerung seien wichtiger als 90 Prozent Zuschuss. An die Adresse des Bürgermeisters sagte er: "Du steuerst Wirsberg in einen Konfliktkurs, der im Crash endet."

Gemeinderätin Sabine Leuschner (FW) brach eine Lanze für den Bürgermeister: "Wir entscheiden Schritt für Schritt. Erst wenn alle Zahlen auf dem Tisch sind, werden wir Hopp oder Topp sagen."
Peter Gail verstand nicht, dass das Hochzeitsmuseum wieder so massiv nach vorne getrieben wird. Ihm sei eine Lärmschutzwand an der B 303 viel wichtiger.

Gemeinderat Gilbert Ringsdorf (SPD) vermisste Alternativvorschläge von den Gegnern der musealen Einrichtung. "Wir werden nicht mitgenommen", kritisierte Katja Bärtel.

Stellvertretender Bürgermeister Karl Heinz Opel (FW) forderte, auf das Konzept zu reagieren: "Wenn man nur alte Grimassen auflegt, dann Gute Nacht Wirsberg!"