Die Vorstellung des Hochzeitsprojekts mit Museum, Kultursaal und Kulturscheune stand im Mittelpunkt der Bürgerversammlung am Dienstagabend im Landgasthof Hereth. "Der pünktliche Beginn ist wichtig, weil jede Minute kostbar ist", sagte Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD), der auf einen breiten Konsens mit dem jetzigen Vorgehen des Gemeinderats vertrauen kann - vor allem vor dem Hintergrund, dass die Schaffung eines Kultursaales in Wirsberg für dringend notwendig gehalten wird.

Anselstetter verwies zunächst auf einen Termin mit Pfarrer Peter Brünnhäußer bei der Regierung von Oberfranken. Dort sei abgeklärt worden, wie der Vorplatz der Kirche so gestaltet werden könnte, dass ein barrierefreier Zugang möglich ist. Dabei habe man aufgezeigt, dass mit dem Projekt "Hochzeitsmuseum" eine Umsetzung möglich wäre. Die Regierung habe jetzt auch die Federführung für das Projekt übernommen.
"Sie hat uns am 23. April mitgeteilt, dass sie großes Interesse an der Umsetzung hat", berichtete der Bürgermeister.


Städtebauförderung hilft

Demnach wären drei Schritte notwendig. An erster Stelle stehe die Entwicklung eines neuen Museumskonzepts, weil jetzt auch ein neues Haus und einen Kultursaal hinzukommen. Dieses neue Konzept müsse an eine wissenschaftliche Kraft vergeben werden, aber die Städtebauförderung finanziere und fördert das Konzept. Auch die Landesstelle für Nichtstaatliche Museen habe eine finanzielle Förderung nur dafür zugesagt."

Zweitens müsse sich die Marktgemeinde mit einem Vergabeverfahren für Planungsvorschläge befassen, also ein Auswahlverfahren für ein Architekturbüro, das aber zu hundert Prozent förderfähig sei. Hermann Anselstetter: "Also nicht mit, sondern zu hundert Prozent förderfähig. Alle Kosten werden bezuschusst."

Als dritten Schritt nannte er eine baufachliche Machbarkeitsstudie, die parallel zum Museumskonzept erarbeitet werden müsse. Für das neue Konzept stelle die Landesstelle für Nichtstaatliche Museen aber klare Forderungen auf. So seien eine Bewertung und eine Umfeldanalyse durchzuführen, wobei es auch darum gehe, welche Kooperationspartner es in der Genussregion und in der Gemeinde für dieses Projekt gibt.

Außerdem machte der Bürgermeister deutlich, dass mit dem Konzept eine völlig neue Museumspädagogik kommt und ein zukunftsorientiertes Sammlungskonzept mit überregionaler und nationaler Ausrichtung erstellt wird. Hinzu kämen die Kosten und letztlich auch die Finanzierung des laufenden Betriebs. Anselstetter: "Man fordert von uns vorher reinen Tisch. Das ist auch richtig so, und da haben wir stramm zu arbeiten, um das Ganze über die Bühne zu bringen."


Platz für Sonderausstellungen

Architekt Hans-Hermann Drenske zeigte auf, wie ein barrierefreier Zugang zum Kirchvorplatz möglich ist. Die beiden gemeindeeigenen Gebäude Marktplatz 10 und 12 würden durch einem Gang miteinander verbunden. Im angebauten Kultursaal wäre in der Galerie auch Platz für Sonderausstellungen. In der Verlängerung des Kultursaales sei noch die Schaffung einer Kulturscheune möglich. "Auch diese könnte man für Festlichkeiten und Ausstellungen oder sonstige Sachen nutzen", so Drenske. Die Umsetzung des Museumsentwicklungskonzepts erfordert nach den Worten des Architekten ein Kostenvolumen von rund 4,5 Millionen Euro. Eine genauere Schätzung sei erst nach der Erarbeitung von Detailplanungen möglich.

Udo Schneider wollte wissen, ob für die Gemeinde der Anbau eines Saales überhaupt notwendig ist. Diese Frage beantwortete Anselstetter mit einem klaren Ja: "Wir brauchen ihn für unsere Vereine. Es gibt keine Kommune im Umkreis, die nicht einen Veranstaltungsraum hat. Wir würden auch eine Höchstförderung für eine solche Einrichtung bekommen, die dann einen modernen Bauzustand hat."


Hubertushof wäre zu teuer

Die Gemeinde habe auch den Hubertushof prüfen lassen, aber insgesamt würde dieses Projekt zu teuer kommen. Ein Neubau wäre die finanziell günstigste Situation, denn auch bei einem Umbau des geschlossenen Rewe-Marktes würde die Gemeinde keine Fördermittel erhalten.

Peter Gail störte sich daran, dass jetzt auf einmal zwei Häuser für das Projekt erworben wurden: "Jetzt soll noch eine Kulturscheune hinzukommen. Was kommt dann noch? Es ist interessant, wie alles immer größer wird." Dazu verwies Bürgermeister Anselstetter auf eine Feststellung des Landesamts für Denkmalpflege, das den baulichen Zustand beider Häuser als sehr solide bezeichnet habe. Das Anwesen Marktplatz 12 sei deshalb in die Überlegungen einbezogen worden, weil bei der notwendigen Sanierung im Rahmen des Museumsentwicklungskonzepts eine Höchstförderung erreicht werden könne. Jetzt gehe es aber nur darum, die Grundlagen zu klären und mit den zuständigen Stellen die Finanzierung abzuklären. "Wenn wir uns diesem Prozess unterziehen, dann ist das mit wahnsinnig viel Arbeit verbunden. Wenn wir uns einig sind, dann wird das aber gehen", so Anselstetter, demzufolge auch die Voraussetzungen für die nächsten Generationen zu schaffen sind.

Zur Frage von Peter Gail, welche Kosten das Hochzeitsprojekt bislang verschlungen hat, nannte Anselstetter die Summe von rund 150.000 Euro.


"...dass junge Leute hierbleiben"

Kreisbäuerin Beate Opel forderte, Wirsberg als Lebensmittelpunkt wieder attraktiver zu machen. Wir haben die Möglichkeit, den Marktplatz mit Leben zu erfüllen. Wir dürfen nicht zuschauen, dass die Dörfer aussterben, sondern wir müssen dafür sorgen, dass die jungen Leute hierbleiben."

Walter Opel wollte wissen, wo die "Schmerzgrenze" ist, an der der Gemeinderat feststellen werde, dass es keinen Sinn macht, das Hochzeitsprojekt weiter zu verfolgen.


"Habt Vertrauen"

/> Bürgermeister Anselstetter sagte dazu: "Habt Vertrauen in unsere Arbeit. Wir sind sehr kostenbewusst, und ich bin überzeugt davon, dass wir auch das notwendige Veränderungsbewusstsein haben."

Für Joachim Potemka ist klar: "Wenn nichts getan wird, werden wir in die Geschichtsbücher als das sterbende Dorf eingehen."

Angelo Henninger sprach sich ebenfalls klar für die Schaffung eines Kultursaales aus. Was die beiden Häuser am Marktplatz angeht, kam er zum Ergebnis: "Schauen wir, dass wir solche Baustellen wegbringen."