Die Errichtung von zwei Möbelmärkten bei Himmelkron ist noch lange nicht vom Tisch. Der Gemeinderat beschloss am Dienstagabend einstimmig die Einleitung eines Raumordnungsverfahrens zum Neubau westlich der BAB9 und nördlich der Bundesstraße 303.

Über eine Stunde erläuterte der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Bayreuth, Gerhard Müller, den Antrag - wohlwissend, dass die Regierung von Oberfranken ihn ablehnen wird.

Geschäftsführer Gerhard Müller stellte fest, dass die Wohnungsbaugesellschaft Bayreuth in Verbindung mit der Firma XXXLutz die Neuansiedlung eines Wohnkaufhauses und einen Möbeldiscounters plant.
Für dieses Vorhaben ist in Abstimmung mit der Höheren Landesplanaungsbehörde, der Regierung von Oberfranken, ein Raumordnungsverfahren durchzuführen.

Die Wohnungsbaugesellschaft tritt dabei als Träger des Verfahrens auf, und die Firma XXX Lutz KG wird der spätere Investor des Wohnkaufhauses sein.

Wie Gerhard Müller verlauten ließ, wurde mit den betroffenen Grundstückseigentümern bereits Einvernehmen über den Erwerb der Grundstücksflächen hergestellt und notariell beurkundet. Das Vorhabensgebiet ist im gültigen Flächennutzungsplan der Gemeinde Himmelkron bereits als Gewerbegebiet ausgewiesen und wird gegenwärtig noch landwirtschaftlich genutzt.

Wie Müller ausführte, ist für das Vorhaben eine Grundstücks-fläche von knapp 100.000 Quadratmetern vorgesehen.

Für das Wohnkaufhaus sind rund 24.000 Quadratmeter und für den Möbeldiscounter rund 7500 Quadratmeter Verkaufsfläche beabsichtigt. Das Gebäude soll eine Höhe von maximal 18 Meter bekommen. Es sollen ebenerdig auf dem Gelände 1410 Stellplätze errichtet werden.

Rund 29 Millionen Euro Umsatz

Müller wies auch auf die wirtschaftliche Bedeutung hin. So werde für das Wohnkaufhaus ein Umsatz von 28 bis 29 Millionen Euro erwartet und für den Mitnahmemöbelmarkt acht bis neun Millionen Euro. Insgesamt sollen in den neuen Einrichtungshäusern 350 bis 500 Personen beschäftigt werden, dabei wird der überwiegende Anteil auf Frauenarbeitsplätze entfallen.

Zudem legte er ein Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung aus Ludwigsburg vor. Darin sprechen sich die Experten für eine Ausnahme im Landesentwicklungsplan aus. Die ist nötig, weil derartige Projekte in der Regel nur in Unterzentren und zentralen Orten höherer Stufe sowie in Siedlungsschwerpunkten ausgewiesen werden. Himmelkron ist aber als Kleinzentrum eingestuft und strebt mit den Nachbargemeinden Bad Berneck, Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg die Einstufung zum Mittelzentrum an.

In dem Gutachten wird von einem Einzugsgebiet mit einer halben Million Einwohnern ausgegangen. Kundenpotenziale werden vor allem nach Norden entlang der Autobahn in Richtung Plauen und Zwickau und nach Osten entlang der B303 als Verbindungsachse nach Tschechien mit der Stadt Eger und dem Umland prognostiziert.
Geschäftsführer Gerhard Müller machte deutlich, dass die Wohnungsbaugesellschaft Bayreuth "wahnsinnig viel Vorarbeit" geleistet habe: "Wir erwarten jetzt zwar eine Ablehnung durch die Regierung, aber um überhaupt eine Chance zu haben, müssen wir den Antrag stellen."

Die stellvertretenden Bürgermeister Harald Peetz (CSU) und Helmut Fischer (FWG/PWG) nahmen an der Abstimmung allerdings nicht teil. Grund: Sie hielten sich für "persönlich beteiligt".