Es war ein fahrlässiger Vollrausch, mit dem ein 20-Jähriger aus dem östlichen Landkreis am 28. Juni dieses Jahres gegen die Außenwand des Rewe-Marktes in Himmelkron fuhr. Der ursprüngliche Strafbefehl lautete auf vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung, denn bei dem jungen Mann war eine Alkoholkonzentration von 2,19 Promille festgestellt worden.

Dagegen hatte der Auszubildende allerdings über seinen Rechtsanwalt Friedrich Stöhr aus Bayreuth mit Erfolg Einspruch erhoben. Richter Christoph Berner ließ noch das Jugendstrafrecht gelten und verhängte eine Geldauflage von 1000 Euro und eine Führerscheinsperre von elf Monaten. Zusätzlich hat der 20-Jährige die Gerichtskosten zu tragen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Bayreuth schilderte den Unfall, der sich früh gegen 5 Uhr ereignet hatte. Der Auszubildende fuhr mit seinem Auto die Kulmbacher Straße im Himmelkroner Gewerbegebiet entlang und kam in einer leichten Rechtskurve von der Fahrbahn ab. Der Pkw durchbrach eine Grünzone mit Hecken und Sträuchern und touchierte schließlich die Hauswand des Rewe-Marktes. Dabei entstand ein Fremdschaden von rund 900 Euro. Das Auto hatte dagegen nur noch Schrottwert. Die Staatsanwaltschaft hielt dem 20-jährigen vor, dass er aufgrund des überdurchschnittlichen Alkoholgehalts im Blut nicht mehr in der Lage war, ein Kraftfahrzeug zu führen.


Keine Erinnerung mehr

An Einzelheiten der Autofahrt konnte sich der Beschuldigte so gut wie nicht mehr erinnern. Er wusste nur noch, dass er gemeinsam mit mehreren Freunden gegen 22 Uhr zum Besuch einer Sonnwendfeier aufgebrochen war, bei der man reichlich alkoholische Getränke konsumierte und dann gegen 4 Uhr früh mit dem Taxi heimgefahren war. Was danach geschah, wusste der 20-Jährige nicht. Erst daran, dass er wenige Stunden später zur Blutprobe im Krankenhaus war, konnte er sich erinnern. Zwischendrin war rein gar nichts, das er schildern konnte.
Auf die Frage von Richter Christoph Berner, ob er öfter zum Alkohol greife, sagte er: "Eigentlich nicht, eher selten."

Aus der Biografie des Beschuldigten wurde deutlich, dass er noch stark mit dem Elternhaus verbunden ist. Der schwere Unfall hat ihn bei der Ausbildung um zwei Jahre zurückgeworfen. Während er davor noch im Verein Fußball spielte, ist das nach dem Unfall nicht mehr möglich. Dennoch gab er an, das Geschehen gut verarbeitet zu haben. In seiner Freizeit betreibe er jetzt den Dartsport.
Die Eltern schilderten ihren Sohn als hilfsbereit. Es mache ihm aber schwer zu schaffen, dass er wegen des Führerscheinentzugs nicht motorisiert ist.


"In der elterlichen Komfort-Zone"

Stefan Fürst von der Jugendgerichtshilfe am Landratsamt Kulmbach stellte bei dem 20-Jährigen Reifeverzögerungen fest. "Er bewegt sich noch in der elterlichen Komfort-Zone, und deshalb halte ich die Anwendung des Jugendstrafrechts auch für angemessen", so Fürst. Auch er wies auf den schweren Unfall hin, der die eingeschlagene Lebensplanung zeitlich verzögert habe, und bezeichnete eine Geldauflage für einen gemeinnützigen Zweck als angemessen

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte eine Geldauflage von 1000 Euro und einen Führerscheinentzug für die Dauer von zwölf Monaten.


"Ein Filmriss"

Rechtsanwalt Friedrich Stöhr machte deutlich, dass sein Mandant aufgrund der Alkoholmenge einen "Filmriss" hatte und sich an nichts mehr erinnern könne. Er habe die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, man könne nicht von einer vorsätzlichen Straßenverkehrsgefährdung sprechen. Der Anwalt verwies auch auf einen schweren Motorradunfall seines Mandanten, der dabei der Geschädigte gewesen sei und noch heute unter den Folgen zu leiden habe. Für seinen Mandanten spreche auch, dass kein Eintrag im Bundeszentralregister vorhanden ist und er sich bereits freiwillig einer verkehrspsychologischen Betreuung unterzogen habe. Der Rechtsanwalt hielt einen Führerscheinentzug von zehn Monaten für ausreichend.