Einer, der seine fränkische Heimat liebt, hat sie in seinem Debütroman "Das Kaffeehaus im Aischgrund" gewürdigt. Viele wahre Geschichten, wie sie ihm beispielsweise von seiner Großmutter erzählt wurden, hat er zu einem Roman verwoben, der tief in die Seele und das Leben von fränkischen Dorfbewohnern um die Jahrhundertwende 1900 blicken lässt. "Meine Großmutter mütterlicherseits war eine Geschichtenerzählerin", sagte Helmut Haberkamm bei seiner Lesung am vergangenen Sonntagnachmittag in der Buchhandlung Friedrich, "sie konnte einen ganzen Kosmos mündlich erzählen." 20 Jahre lang hat der beliebte Mundartschriftsteller Informationen und Geschichten gesammelt, bis er sich von seiner Tätigkeit als Lehrer ein Jahr beurlauben ließ, um seinen Roman zu vollenden. "Ich habe auch viele historische Recherchen betrieben", sagte Helmut Haberkamm. Ihn interessierten beispielsweise Dinge wie: Was hat damals was gekostet? Welche Ängste hatten die Menschen? Welche Sorgen und Nöte? Sein Fazit war, dass es ein brutal hartes Leben war, geprägt von Krankheiten, politischer Unterdrückung, Kindstot oder Krieg. "Als ich über den Jahrhundertwinter 1879 in den Chroniken nachforschte, habe ich beim Lesen selbst gefroren."


Zerbrechliches Glück

Entstanden ist ein Roman, der die Schönheit der fränkischen Heimat ebenso beschreibt wie er die Kraft eines Außenseiters darstellt oder dem Leser aufzeigt, wie zerbrechlich das Glück manchmal sein kann. So klein der fränkische Ort Peppenhöchstädt, in dem die Geschichte spielt, auch sein mag, er beherbergt in dem Roman doch eine ganze Welt, mit all ihrer Freude, ihrem Glück, und auch all ihrem Leid und Elend. Zentrum des Schauplatzes ist dabei das Kaffeehaus, das der einstige Auswanderer Michael Wegmann in der Provinz gründet. Das Kaffeehaus, wie es im Roman steht, ist zwar frei erfunden, die Figur des Michael Wegmann jedoch hat es tatsächlich gegeben. Unter anderem Namen freilich, aber in dem Protagonisten steckt ein gutes Stück vom Ururgroßvater von Haberkamms Oma. "Er hatte damals als Stiefsohn keine Chance zu erben, und da war es dann üblich, fortzugehen." Tatsächlich wanderte er für 15 Jahre wie auch der Wegmann im Buch nach Amerika aus und kehrte relativ wohlhabend in seine fränkische Heimat zurück. "Was fränkische Heimat bedeutet, das musste ich selbst erst erfahren, nachdem ich einige Zeit in England gelebt hatte", erzählte Helmut Haberkamm seinen aufmerksamen Zuhörern. Es sei für ihn wie eine Offenbarung gewesen, als er zurückkam. Wie man in Franken redet - ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.
"Die Mundart ist Ausdruck unserer Identität." Der Dialekt sei oft treffender und anschaulicher als das Hochdeutsche, das eigentlich eine Kunstsprache sei. "Das Fränkische weicht Worte klanglich ein, und man muss beim Zuhören mitdenken: War es nun ein Palast oder Ballast? Musste er leiten oder leiden?" Die zahlreichen Besucher in der Buchhandlung wurden bestens unterhalten und erfuhren so manches, was sie sicher noch nicht wussten.


Ehemalige Schülerin

Eine kleine Überraschung erlebte Helmut Haberkamm am Sonntag, denn es waren auch einige ehemalige Schüler zu der Lesung gekommen, die er Anfang der 90er Jahre am Kulmbacher MGF unterrichten durfte. So hatte Nadia Ramming nur die besten Erinnerungen an ihren einstigen Deutschlehrer: "Er war einfach Spitze und ist mir als Lehrer und Mensch unvergesslich." Auch Helmut Haberkamm konnte sich gut an seine Schülerin erinnern, die "zu seinen Besten gehörte". Nicht nur das Kaffeehaus im pittoresken Örtchen Peppenhöchstädt führte also Schicksale und Menschen zusammen - auch im kleinen Café der Buchhandlung Friedrich, das eigens für diesen Sonntag eingerichtet wurde, fanden Erinnerungen zueinander.