"Da droben", im Hofbauamt des Markgrafen in Bayreuth, saß Mitte des 18. Jahrhunderts ein Mann, der ein Architekt par excellence war, viele Erfahrungen in Berlin und Potsdam gesammelt hatte und ganz bestimmte Vorstellungen von einem modernen Bauwerk besaß.

Friedrich Jakob Grael, der nur noch vier Jahre in Bayreuth wirkte, mag entsetzt gewesen sein über die hilflosen Skizzen, die der Kulmbacher Baumeister Johann Georg Hoffmann für die erhoffte Sanierung der Spitalkirche zu Papier gebracht hatte (siehe Entdeckertour 11, BR vom 17. März).

Da war das meiste nur angedeutet, nicht ins Detail durchgearbeitet, die Planvorlage war Hoffmann wohl nicht so wichtig. Er wusste in der Praxis aber genau, wie ordentliche Proportionen und ein ansehnliches Baugefüge zustande kommen würden.


Vom Vier- zum Achteck


Schon vor dem 11. Februar 1737 kritisierte Friedrich Jakob Grael, der in Preußen die heute noch anerkannt schönsten Türme gebaut hatte, die Proportionen des Kulmbacher Kirchturms. Ob er mit Hoffmann bereits den Übergang vom Vier- zum Achteck, der besonders charakteristisch für Graels Bauten war, vorbesprochen hatte?
Hoffmann jedenfalls zeichnete seinen Turm bereits so ein, auch wenn ihm dies in der Darstellung sichtlich schier unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet hat.

Ein neuer Plan für den Turm, sogar mit einem Alternativvorschlag versehen, folgte aus Bayreuth (sauber durchgezeichnet!) vermutlich einige Zeit später.

Der Langhausbau der Spitalkirche begann 1738. Es sollte ein breites, hohes Gebäude werden mit großen, viel Licht spendenden Fenstern und genügend Platz für Doppelemporen an drei Seiten.


Gestühl in vier Blöcken


Das Gestühl sollte nicht starr nach vorne ausgerichtet sein, sondern, wie in St. Georgen zu Bayreuth, in vier Blöcken angeordnet, von denen die beiden vorderen einander gegenüber lagen.

Insgesamt war der Baumeister bestrebt, das in jener Zeit so geschätzte Prinzip der Symmetrie gut zu beachten. Abgesehen von dem fast quadratischen, breiten Langhaus blieb der Grundriss aber im Traditionellen verhaftet.
Obwohl es in Bayreuth längst die Ordenskirche ohne einen Chor gab, griff Hoffmann auf das alte Prinzip des engen eingezogenen Chores zurück.

In diesen Chor gehörte - dem Bedürfnis nach Symmetrie folgend und der herausragenden Stellung des Geistlichen entsprechend - ein Kanzelaltar. Aus Kostengründen verwendete man dafür die schöne alte, reich mit Figuren geschmückte Kanzel der Vorgängerkirche.


Chorraum


Den Altar mit der darüber angeordneten Kanzel zog man weit aus dem Chor nach vorn unter den Triumphbogen. Vermutlich war der restliche Chorraum als Sakristei vorgesehen. Wie es weiterging, lesen Sie in der nächsten Entdeckertour am kommenden Freitag.

Unter der Inschriftenkartusche im Schlussstein, gehalten von zwei Engeln, ist ein Text aus Psalm 119, Kapitel 89 zu lesen. Er lautet: "Herr, dein Wort bleibet ewiglich." Für den flüchtigen Betrachter könnte der Eindruck entstehen, der Steinmetz habe sich verschrieben. Die Zahl 89, bei der etwas schwarze Farbe fehlt, sieht aus wie eine 80. Es handelt sich also nicht um einen Fehler des Steinmetzmeisters. Der komplette Bibelspruch lautet: "Herr, dein Wort bleibt ewiglich, soweit der Himmel ist."