Das Gerät wird zum Gradmesser des Erfolgs. Aber nicht nur. Auch eine Jury aus sechs Fachleuten hat ein Wörtchen mitzureden. Und so heißt es am Ende: Unverhofft kommt oft! Die Bad Windsheimer Band "Dazy Nerds", die niemand auf der Rechnung hatte, sahnt beim vierten Kulmbacher Bandcontest des Jugendzentrums "Alte Spinnerei" und der privaten Musikschule "Musicschool Kulmbach" gleich zwei Mal ab: Die Gruppe wird nicht nur Erster, sondern nimmt auch noch den Sonderpreis der Kulmbacher Brauerei mit: Einen Auftritt bei der Motorradsternfahrt in Kulmbach am 27. April dieses Jahres.

Sänger Jim Reef kann es nicht fassen. "Als auswärtige Band gleich zwei Mal zu gewinnen, das ist schon der Hammer! Der Sieg kommt für uns umso überraschender, da uns nur drei Fans nach Kulmbach begleitet hatten." Auch Schlagzeuger Dave Thoma reibt sich verwundert die Augen: "Wir haben den 100 Besuchern keine leicht verdauliche Kost serviert." Und wahrlich - der Sound des Ensembles ist ein Wechselbad der Gefühle: Eben noch herzerwärmend, fegt im nächsten Moment ein Hardrock-Orkan aus Wut und Zorn über das Publikum hinweg. Mittendrin: Sänger Jim Reef, der erwacht aus innerer Einkehr, wie von der Tarantel gestochen über die Bühne saust.

Sie hatte sich bei ihrem Heimspiel mehr erhofft: Die Kulmbacher Thrash-Metal-Formation "Dying Gorgeous Lies". Am Boden zerstört sind sie aber noch lange nicht. Gitarrist Bernd Stübinger, Schlagzeuger Stephan Straubinger, Sängerin Liza Minet, Bassist Florian Neukam und Leadgitarrist Marcel Völkel halten es mit dem olympischen Motto: Dabeisein ist alles. Einen Nutzen aus der Teilnahme zogen die Musiker auch: "Wir knüpften Kontakte zu anderen Formationen", erzählt Sängerin Liza Minet.

Wenn man in einer bestimmten Zeit das Publikum begeistern muss, worauf kommt es an? "Man sollte Songs spielen, die ordentlich knallen." Das taten die Kulmbacher Akteure auch: Mit ihren Hymnen zum Mitgrölen ("Dying Gorgeous Lies" und "At The Edge") sorgten sie für eine prächtige Stimmung im Publikum. Zum Sieg reichte es allerdings nicht.

So erging es auch den anderen Gruppen. Die Musiker der Nailaer Kapelle "Pistol Nose Puma" ließen es mit druckvollem Hardrocksound krachen. Für einen Aha-Effekt bei den Zuhörern sorgte die Erlangener Formation "The 666", die Metal und Techno-Musik miteinander kreuzten. Die Gruppe "Altedo" aus dem Großraum Nürnberg spielte eine spritzige Mischung aus Rock und Pop, in der auch Platz für ein bisschen Geschrei war. Den wohl schwersten Stand an diesem Abend hatte die Lichtenfelser Indiepopband "Mellosheen". Ihre diffizil-subtile, aber dennoch eingängige Musik, in der auch Bläser für Abwechslung sorgten, wirkte wie ein Fremdkörper unter den lärmigen Hardrock-, Grunge und Metalbands. Die Kapellen "Remedy" aus Bayreuth und "Parabola" aus Bamberg bescherten den Fans zum Abschluss knackigen Grunge-Rock.

Während sich die anderen Musiker bereits auf den Nachhauseweg machten, stießen Sänger Jim Reef, Gitarrist Kenny Faske, Bassist Joe Schmidt und Schlagzeuger Dave Thoma mit Kulmbacher Bier auf den Sieg an. Welch ein Zufall! Bereits ihr erstes Album "Neon Faces" (2010) hatten sich die Musiker, die offen zugeben eine Profikarriere anzustreben, mit einem Bandwettbewerb erspielt. "Damals hatten wir in Ansbach den Musikpreis Anton gewonnen. Nun können wir im Studio von Mike Müller in Wallenfels unser zweites Opus einspielen. Das ist toll!, strahlt Sänger Jim Reef über das ganze Gesicht.

Auch die Gruppe "Dying Gorgeous Lies" hat den Blick nach vorne gerichtet. In Kulmbach hat es zwar nicht geklappt, aber bekanntlich kann ja noch werden, was noch nicht ist: Am kommenden Wochenende stehen zwei weitere Wettbewerbe an: Am Freitag, den 1. Februar, geht es beim weltgrößten Nachwuchswettbewerb, dem Emergenza-Festival im Nürnberger Musikclub "Luise" um die Wurst, tags darauf im Jugendzentrum "Struwwelpeter" in Kronach beim Vorentscheid zum Open Air "Die Festung rockt." "Wir geben unser Bestes", verspricht Sängerin Liza Minet. Daumen drücken erlaubt.