"Wir hätten nicht gedacht, dass es so einfach wird", sagte Hobby-Schäferin Manuela Berthold, als die Schafe im Hänger standen. Gute zwei Stunden dauerte die Fangaktion am Sonntagnachmittag in der Nähe von Sanspareil.

Freiwillige Helfer aus der Region hatten einen Bauzaun aufgestellt. Den ergänzte das Schäfer-Ehepaar Stefan und Manuela Berthold aus Melkendorf gemeinsam mit Tochter Lea-Marie noch um einen Weidezaun. Auf diese Weise entstand eine Art Trichter, in dem die Schafe schon wenige Minuten später in der Falle saßen. Die grenzenlose Freiheit war zu Ende.

Wie die Bayerische Rundschau am Freitag berichtete, hatte die 22-köpfige Herde bereits mehrere Wochen lang Äcker, Wiesen und Waldflächen abgefressen und dabei erhebliche Schäden angerichtet. Da der Eigentümer nichts unternahm, wurde bei der Jagdbehörde ein Antrag auf Abschuss gestellt.

Jäger koordiniert Fangaktion

"Wir haben den Artikel in der Zeitung gelesen und dann beim Mittagessen entschieden, dass wir die Tiere aufnehmen", berichtete Manuela Berthold. Gemeinsam mit Ehemann Stefan betreibt sie seit 20 Jahren eine Hobby-Schäferei mit etwa 60 Tieren.

Bei der Aufnahme verwilderter Vierbeiner fallen in der Regel hohe Tierarztkosten an, doch "wir wollten nicht, dass die Schafe abgeschossen werden", erklärt Manuela Berthold. Der Jäger Matthias Dörnhöfer koordinierte die Fangaktion. Er berichtet: "Viele Menschen haben angerufen und ihre Hilfe angeboten." Dafür sei er sehr dankbar. Was ihn allerdings aufgestoßen hatte, war, dass der Revierpächter Hermann Mitteregger am Telefon Drohungen erhielt, man würde seine Kanzeln umwerfen, sollten die Tiere abgeschossen werden. Mitteregger hatte bereits Tage zuvor versichert, er habe kein Interesse daran, die Schafe zu schießen. Die Entscheidung über den Abschuss herrenloser Tiere wird im Landratsamt getroffen. Sie erübrigt sich jetzt.

"Ämter hätten reagieren müssen"

"Problem gelöst", sagte der Wonseeser Bürgermeister Andreas Pöhner. Auch er musste sich in den vergangenen Wochen mit dem Thema befassen. "Da die Schafe im Privatbesitz sind, war es schwierig, eine behördliche Lösung zu finden", erklärte er. Die freiwillige Übertragung der Verwertungsrechte vom Eigentümer an Matthias Dörnhöfer sei der einfachste Weg gewesen. Die Gemeindeverwaltung habe Hilfestellung bei der schriftlichen Umsetzung geleistet.

Dieser Schritt machte eine Fangaktion überhaupt erst möglich. Auch für die Schafe nimmt eine lange Odyssee nun ein glückliches Ende. Auf den Bericht in der Bayerischen Rundschau hin meldete sich ein Jäger aus dem Tannfelder Revier. Dort seien die Schafe vergangenen Sommer eingepfercht gewesen. Vier der Tiere seien durch die sengende Hitze verendet. Der Rest sei ausgebrochen.

"Ich habe damals Polizei und Veterinäramt verständigt, doch passiert ist nichts", berichtet der Jäger. Er fügt hinzu: "Die Behörden hätten viel schneller reagieren müssen." Zunächst müssen die Ausreißer drei Wochen lang in Quarantäne. "Wir wollen sicher gehen, dass sie keine Krankheiten haben, die sich auf die anderen Schafe übertragen", erklärt Stefan Berthold. Dazu werden die Tiere in einem separaten Unterstand untergebracht. Neben Pflegemaßnahmen wie Entwurmen, Impfen und Scheren steht den Tieren auch eine "Resozialisierung" bevor mit vielen Streicheleinheiten und Leckerlis.

"Wenn sie gesund sind und sich an die Nähe des Menschen gewöhnt haben, dürfen sie zur Herde", so der Schäfer. Ihre Gefräßigkeit können sie dann einsetzen, um Brachen oder Magerwiesen rund um Kulmbach zu pflegen. Letztere sind Kulturlandschaften, die vor Jahrhunderten durch Schafbeweidung entstanden sind. Zahlreiche, seltene Pflanzen und Tiere sind auf das regelmäßige Abfressen angewiesen. Daher bekommen Schäfer für die Landschaftspflege Förderung via Naturschutzbehörde.

Ziegenbock entwischt

Sonntagabend teilte Familie Berthold mit, dass die Tiere den Transport gut überstanden haben und wohlauf in ihrem neuen Stall angekommen sind. Auch Durchzählen fällt nun leichter. Es handelt sich um einen Ziegenbock, zwei Schafböcke, neun Mutterschafe und neun Lämmer.

Ein weiterer Ziegenbock ist bei der Fangaktion in Sanspareil entwischt. Wer das Tier sieht, kann sich bei der Familie Berthold unter der Telefonnummer 09221/66540. Die gleiche Nummer dürfen Leute anrufen, die Interesse an dem bereits eingefangenen Ziegenbock haben.