In Erinnerungen schwelgen können die Kulmbacher derzeit im Badhaus: Dort bekommt der Besucher vorgeführt, wie die Gregorius- und Wiesenfest früher waren. Reiner Hofmann, Leiter des Stadtarchivs Kulmbach, präsentiert in der Ausstellung stolz seine Uniform der Kulmbacher Knabenkapelle, in die er als 12-Jähriger einmal reingepasst hat. "Früher war man auch stolz, dass man bei Gregori eine Fahne tragen durfte. Da haben wir zu Hause unsere Mütter ganz heiß gemacht, denn an die Fahne mussten Blümchen hin."

Im ersten Stock des Badhauses erwarten den Besucher bunte Luftballons und Bänder: Sie schmücken die Räume, in denen man in die verschiedenen Jahrzehnte der Gregoriusfeste in Kulmbach eintauchen kann. "Wir holen damit die Atmosphäre des Gregorifestes ins Badhaus", sagt Annika Krüger, die an der Ausstellung des Stadtarchivs mitgearbeitet hat.


Kinderfreundlicher Papst

Gregori hat in Kulmbach eine lange Tradition. Das Fest gibt es möglicherweise bereits seit dem 14. Jahrhundert. Benannt wurde es nach dem Papst Gregorius, der sich durch seine Kinderfreundlichkeit auszeichnete, so OB Henry Schramm. "Früher wurde aber das Gregoriusfest im März gefeiert, da gingen die Kinder von Haus zu Haus und fragten, ob man Kinder habe, die zur Schule gehen wollen." Geblieben vom damaligen Brauch ist die so genannte Gregoriusgabe, die die Kinder heute in Form von Wertgutscheinen von der Stadt erhalten.

Sehr lebhaft an ihre eigenen Gregoriusfeste können sich viele ältere Kulmbacher erinnern, so auch Karin Schwarz, Jahrgang 1943. Sie besuchte die Pestalozzischule und fand das Gregorifest zu ihrer Zeit einfach festlicher. "Ich weiß noch, wie meine Mutter einmal die ganze Nacht dagesessen hat, um Blumen auf mein Kleid zu sticken, damit ich für Gregori ein neues Kleid hatte." Es sei damals noch ein richtiges Fest gewesen, auf das alle hingefiebert hätten. "Die Mädchen sahen wie richtige Prinzessinnen aus."

So sehen es auch Sonja Kürschner (Obere Schule) und Marianne Windmiller (Katholischen Bekenntnisschule). "Die Vorfreude war damals anders", sagt Marianne Windmiller, "es war etwas ganz Besonderes." Und Sonja Kürschner weiß noch, dass man als Kind unglaublich bepackt war mit allerlei Geschenken, wenn man vom Gregorifest nach Hause kam.

Alle gleich angezogen

Friedrich Knieling schaut sich bei der Vernissage vor allem die vielen historischen Fotos, um zu sehen, ob er Bekannte entdeckt. "Ich konnte mich zum Beispiel nicht mehr daran erinnern, dass es damals auf dem Volksfestplatz auch ein Kettenkarussell gab", sagt der ehemalige Schüler der Pestalozzischule. Ist das Gregorifest früher schöner gewesen? "Die Zeiten haben sich eben geändert. Früher haben wir uns alle gleich angezogen, das hat heute eben keinen Platz mehr", meint er, "Aber festlicher und schöner wäre es schon", ergänzt seine Begleiterin Kerstin Weiß.

Laut Robert Hirschmann ist es für ihn als Buben immer etwas ganz Besonderes gewesen, wenn man eine Fahne tragen durfte. "Ganz scharf war man darauf, die Kulmbacher Stadtfahne tragen zu dürfen."

Hat also das Gregorifest in Kulmbach inzwischen an Festlichkeit und Tradition verloren? Nein, meint OB Schramm. "Nach dem Wegfall der Kleidervorschrift wurde stattdessen der Kreativität freier Lauf gelassen", sagt er. Der Umzug sei heutzutage bunt und mitunter sogar international. Und der Anblick der vielen Luftballons, die sich über dem Marktplatz in den blauen Himmel erheben, sei immer wieder beeindruckend.

Gregori war und ist eben ein unverwechselbares Stück Kulmbach.

Öffnungszeiten

Die Präsentation über die Kulmbacher Gregori- und Wiesenfest ist noch bis 2. August im Badhaus zu sehen. Öffnungszeiten: jeden Freitag, Samstag und Sonntag von
13 bis 17 Uhr.