Wie viele Klagen über marode Gemeindestraßen sich Bürgermeister Werner Burger (ÜWG) in den vergangenen Jahren anhören musste, kann er schon gar nicht mehr beziffern. Umso erleichterter ist er, dass er jetzt das Ende des "Investitionsstaus", wie er die Auswirkungen der finanziellen Schieflage von Grafengehaig auch gerne umschreibt, verkünden darf: Die Ortsverbindung zwischen Schindelwald und Vollaufhof wird als eines der ersten größeren Projekte im 32 Kilometer langen gemeindlichen Straßennetz grundlegend saniert. Und das mit nicht weniger als 90 Prozent Zuschuss.

Vor wenigen Jahren noch wäre ein solches Projekt undenkbar gewesen. "Wir waren da sozusagen in einer ausweglosen Situation", erklärt der Bürgermeister.
60 Prozent Zuschuss hätte es zwar gegeben; doch der Eigenanteil von 40 Prozent war für die hoch verschuldete Kommune nicht zu schultern.
Dem Bürgermeister und den Gemeinderäten in der kleinen Frankenwaldgemeinde blieb letztlich nichts anderes übrig, als den besonders steinigen und schmerzhaften Weg der Finanzkonsolidierung zu gehen und auf staatliche Stabilisierungshilfe zu hoffen. Will heißen: alle Ausgaben auf ihre Notwendigkeit prüfen, neue Einnahmen generieren und sparen, wo immer es nur geht.

Schonungslose Inventur

Das Ergebnis der schonungs losen Bestandsaufnahme: Angleichung der Steuerhebesätze an den Landesdurchschnitt, Einführung einer Straßenausbaubeitragssatzung, Einbau eines Blockheizkraftwerkes in die Frankenwaldhalle, Abschaffung von gemeindlichen Zuschüssen und mehr. Gleichzeitig wurde das gesamte Finanzmanagement neu geordnet, was unter anderem zinsgünstigere Umschuldungen zur Folge hatte.

"Wir haben dieses Konsolidierungskonzept wirklich aus Überzeugung gemacht. Wir müssen die kommunalen Finanzen in den Griff bekommen. Einfach weitermachen - das ging nicht mehr", sagt Burger rückblickend. Dass der Bürgermeister seitdem bei fast allen Anlässen mit leeren Händen daherkommt, wurmt ihn natürlich, ist aber nicht zu vermeiden.

Andererseits ist er den Fachleuten in Landratsamt, bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth und in den Münchner Ministerien dankbar für die Hilfestellung, den für die Gemeinde am besten geeigneten Kurs zu finden. "Und ich bin auch allen Bürgern, den Gemeinderäten und den Vereinen ebenfalls dankbar, dass sie diesen Weg mit uns gehen."

Auf dem Weg der Genesung

Denn: Die Konsolidierung wirkt. Und wird vom Freistaat belohnt. Grafengehaig hat bislang beachtliche 740 000 Euro Stabilisierungshilfe bekommen. "Diese Hilfe ist aber nur dazu da, um die Verschuldung abzubauen", erklärt Werner Burger. "Und die haben wir inzwischen in etwa halbiert", sagt ein Bürgermeister, dem die enorm gesunkenen Zinszahlungen gerade recht kommen. "Wir sind auf dem Weg der Genesung."

Weiteres "Medikament" zur Gesundung des "Patienten Grafengehaig": Die finanzschwache Kommune bekommt für Straßenbauvorhaben den erhöhten Fördersatz von 90 Prozent, weil auch ihre demografische Entwicklung einen Negativtrend zeigt. "Um diese Förderung haben wir gekämpft", sagt ein sichtlich zufriedener Werner Burger, der jetzt mit dem Gemeinderat das erste Straßenbauprojekt vor neuer Förderkulisse auf den Weg gebracht hat.

Dass die Straßenbau-Premiere und die Auflösung des Investitionsstaus ausgerechnet auf der Strecke zwischen Schindelwald und Vollaufhof stattfindet, hat mehrere Gründe. "Das ist mit Abstand die schlechteste Straße im Gemeindegebiet", betont Burger und verweist darauf, dass es dort neben dem Anlieger- auch Durchgangsverkehr gibt. Außerdem: Andere marode Strecken wie zwischen Weidmes und dem Guttenberger Hammer sowie zwischen Weißenstein und Walberngrün wurden vor wenigen Jahren mit nicht unerheblichem Aufwand erst ausgebessert. "Und es wäre ja kontraproduktiv, dieses Geld jetzt wieder wegzubaggern und zu entsorgen."

Nachhaltige Bauweise wichtig

Vor diesem Hintergrund ist Werner Burger auch erleichtert, dass er sich nicht auf die politischen Versprechungen beim Pressecker "Straßengipfel" im Januar vergangenen Jahres verlassen hat. "Runter mit den technischen Standards für den Straßenausbau, den bestandsorientierten Ausbau bezuschussen und nach maßgeschneiderten Förderlösungen für die Kommunen mit einem möglichst niedrigen Eigenanteil suchen", hatte Innenstaatssekretär Gerhard Eck damals propagiert. "Daraus ist gar nichts geworden", beklagt Werner Burger und ist den Fachleuten der Behörden dankbar, dass sie auf eine nachhaltige Bauweise gepocht haben. Denn: "So eine Investition muss Jahre tragen."