Auch wenn die Ausbaupläne für die Mega-Stromleitungen zunächst einmal gestoppt wurden: Die heiß diskutierte Gleichstrompassage Süd-Ost, die auch durch die Gebiete von Marktschorgast und Himmelkron führen könnte, hat hat auch den Gemeinderat von Neuenmarkt auf den Plan gerufen. So erklärte sich das Gremium in der jüngsten Sitzung mit dem Vorschlag von Bürgermeister Siegfried Decker (SPD-Offene Liste) einverstanden, den Trassenverlauf abzulehnen, nicht zuletzt deshalb, weil ein Teilabschnitt an einem Baudenkmal von europäischem Rang, nämlich der "Schiefe Ebene" im Bereich von Marktschorgast, vorbeiführen soll.

Wie die Verwaltung feststellte, ist die Firma Amprion mit der Umsetzung eines der zentralen Netzausbau-Projekte der Energiewende beauftragt worden. Sie soll die Verbindung von Bad Lauchstädt bei Halle nach Meitingen nördlich von Augsburg als Hochspannungs-Gleichstromübertragungs-Technologie realisieren.

450 Kilometer lang

Die Notwendigkeit der rund 450 Kilometer langen Gleichstrompassage Süd-Ost sei 2012 im Netzentwicklungsplan durch die Bundesnetzagentur dargestellt worden, ihr vordringlicher Bedarf mit der Verabschiedung des Bundesbedarfsplans gesetzlich verankert.

Die Vorzugstrasse soll ab Münchberg Richtung Marktredwitz über Speichersdorf nach Pegnitz führen, alternativ ist geplant, die Trasse ab Münchberg entlang der A 9 über Marktschorgast, Himmelkron nach Pegnitz zu leiten. Die jetzt vorgelegten Trassenkorridore mit einer Breite von einem Kilometer sollten bereits im März der Bundesnetzagentur vorgelegt werden.

Siegfried Decker verwies auf die Vorstellung der Gleichstrompassage in Kulmbach: "Das hat für viel Aufregung gesorgt. Gemeinden, die in den Korridoren liegen, stehen vor großen Herausforderungen. Ängste der Bürger, Konflikte mit kommunalen Planungsabsichten, Umplanungsvorstellungen und Wünsche nach finanziellen Kompensationen werden an die Bürgermeister herangetragen. Ich kann die Wut der Bürger nachvollziehen."

"Vermurkste Energiewende"

Deutliche Worte fand Gemeinderat Klaus Zahner (FW): "Die vermurkste Energiewende holt uns ein. Wenn es nach der Meinung der Fachleute geht, bräuchte es bei besserer Planung und besserer Vorbereitung die Leitung nicht." Zahner schlug vor, sich mit Marktschorgast und Himmelkron solidarisch zu erklären. Karl Pöhlmann (SPD-Offene Liste) machte deutlich, dass sich bei ihm ein Zorn entwickle, wie die Regierungen in Bund und Land mit der Energiewende umgehen: "Wir können nicht ein Durchgangsland für Trassen sein, die uns belasten. Da gibt es andere Wege."

Vorsicht geboten

Für Wolfgang Hörath (CSU-WG) stellte sich die Frage, was man dagegen unternehmen könne, nachdem aller Voraussicht nach das Planfeststellungsverfahren in Kürze mit dem Feststellungsbeschluss zum Abschluss kommen wird. "Eine Erdverkabelung ist nicht möglich, weil das Gesetz nicht diese Möglichkeit vorsieht. Hier müsste man erst das Bundesgesetz ändern. Es ist auf jeden Fall allerhöchste Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten." Für ihn war es selbstverständlich, dass sich seine Fraktion wie auch die SPD-Offene Liste und die Freien Wähler mit Marktschorgast und Himmelkron solidarisch erklären. Max Königsdorfer (FW) warf ein, zumindest die prekären Trassen erdzuverkabeln.

Im Widerstand gegen die geplante Gleichstromtrasse wird e Neuenmarkt auch eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis suchen. Decker verwies auch auf die ablehnende Haltung des Planungsverbandes: "Wir schließen uns zusammen. So können wir positiven Druck aufbauen und unsere Interessen nachhaltig vertreten."