Es ist der Startschuss für ein bisher nicht dagewesenes Erweiterungs- und Umbauprojekt am Klinikum
Kulmbach: Für mehr als 120 Millionen Euro soll das Haus erweitert, modernisiert und komplett
neustrukturiert werden.

Für den ersten Bauabschnitt - den Anbau nach Süden - hat das bayerische Kabinett auf Vorschlag von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bereits eine Förderung von 32,15 Millionen Euro beschlossen. Die Gelder werden im Haushalt 2018 eingestellt.

Die Verantwortlichen des Klinikums Kulmbach haben, um baldmöglichst mit dem Bau beginnen zu können, Antrag auf die Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns gestellt. Jetzt sollen bereits die Vorarbeiten beginnen, wie aus einer Pressemitteilung des Klinikums hervorgeht.

Am Donnerstag beschließt der Kulmbacher Stadtrat über den Bauantrag für den Interims-Bettenbau. Geschäftsführerin Brigitte Angermann wird dabei auch dem Gremium die Planungen im Detail vorstellen.

Noch in diesem Jahr soll das Fundament für das Übergangsbauwerk auf dem Klinikums-Vorplatz errichtet werden. Die eigentlichen Bauarbeiten sind für Januar und Februar 2017 vorgesehen.

Im März soll der Bettenbau bereits in Betrieb genommen werden. Wenn alles planmäßig läuft, kann
schon im Frühjahr 2017 mit den eigentlichen Bauarbeiten für den Neubau Süd begonnen werden.

"Ich freue mich riesig und bin sehr dankbar, dass die bayerische Staatsregierung uns jetzt grünes Licht
gegeben hat", sagt Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU). "Damit können wir eine Baumaßnahme angreifen, die unser kommunales Haus auf ein neues Level heben und spürbare Verbesserungen für Patienten und
Mitarbeiter mit sich bringen wird", betont der Oberbürgermeister, der gemeinsam mit Landrat Klaus
Peter Söllner (FW) an der Spitze des Klinikums-Zweckverbandes steht. Der Landrat spricht von einem ganz
großen Wurf, der dem Klinikum damit gelungen sei.

Mitte 2014 gab es bereits eine fertige Planung, eine Förderzusage des Freistaates über 16 Millionen
Euro lag vor. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Krankenhauslandschaft wurde diese aber dann
noch einmal komplett überarbeitet und ausgeweitet.

In drei Bauabschnitten mit Kosten von insgesamt mehr als 120 Millionen Euro sollen jetzt Anbauten nach Süden und Westen in Form einer liegenden Acht entstehen, die dem Klinikum ein ganz neues Erscheinungsbild geben werden. Ziel: Erhöhung der Bettenkapazitäten, Einführung von Zweibett-Zimmern als allgemeiner Standard und flexiblere Stationsgrößen.

Landrat Söllner betont: "Dadurch werden die Wege für Patienten und Personal kürzer, es bleibt mehr Zeit für Betreuung und Behandlung. Wir verbessern damit die Qualität unserer Behandlung und stellen uns gut für die Zukunft auf."

In die Neuüberlegungen von Anfang an mit eingebunden: Gesundheitsministerin Melanie Huml. "Die
Ministerin hat von Anfang an ein offenes Ohr für uns gehabt und uns darin bestärkt, die Planungen
noch einmal komplett zu überarbeiten. Sie ist dafür mehrmals nach Kulmbach gekommen und hat sich
persönlich mit Anregungen eingebracht", bedankt sich OB Henry Schramm.

Die Planungen im einzelnen:
Neubau Süd
Kosten wird der erste Teil des Bauabschnitts 9 insgesamt 42 Millionen Euro. Zehn Millionen Euro
kommen aus Eigenmitteln des Klinikums.

Bis Mitte 2019 soll der "Neubau Süd" fertig sein. Damit der Klinikbetrieb nicht leidet, weil Teile des Gebäudes während des Baus nicht genutzt werden können, investiert das Klinikum aus eigenen Mitteln insgesamt 3,8 Millionen Euro für einen Interimsbau, informiert Geschäftsführerin Brigitte Angermann. 2,8 Millionen Euro wird allein das Bauwerk kosten, das nach Abschluss der Bauarbeiten wieder abgetragen und verkauft werden soll.

Weitere Kosten entstehen für die Fundamente und die Anbindung an das Hauptgebäude. 90 Patientenbetten, die während des Umbaus nicht nutzbar sind, sollen in diesem Interimsgebäude untergebracht werden.

Der "Neubau Süd" wird, so die Planung, im Erdgeschoss Flächen für das neue Elektive
Behandlungszentrum (stationäre Aufnahme) erhalten. Auch die Urologie und Unfallchirurgie ziehen
dort ein.

In den vier Obergeschossen entstehen Pflegestationen mit 193 Betten in Ein- und Zweibettzimmern. Diese 193 Betten kommen natürlich nicht hinzu. Lediglich die bereits seit längerem genehmigte Aufstockung der Bettenzahl um 30 kann damit endlich verwirklicht werden - und für die Patienten entsteht durch den Zweibett-Standard deutlich mehr Komfort.

Im ersten Untergeschoss wird es Räume für die Hygieneabteilung, für die EDV-Abteilung und
Konferenzräume geben.

Im zweiten Untergeschoss erfolgt eine Erweiterung der MRT-Abteilung - und auch das Labor wird dort ganz neu gebaut. Das darunterliegende dritte Untergeschoss wird für interne Park- und Technikflächen genutzt werden.

Neubau West
Wenn der südliche Bauabschnitt abgeschlossen ist, geht es im Westen weiter mit einem Neubau, dem
zweiten Teil der "liegenden Acht" und außerdem der Umstrukturierung des bereits bestehenden
Westbaus.

Im Erdgeschoss dieses Bauteils wird der neue Eingangsbereich realisiert: In den vier Obergeschossen darüber entstehen weitere Pflegestationen mit 144 Betten in Ein- und Zweibettzimmern. Im ersten und zweiten Untergeschoss wird es etwa 80 weitere öffentliche Parkplätze geben.

Im bestehenden Westbau werden über der Intermediate Care-Station weitere Funktionsbereiche für
die Neurologie und die Endoskopie geschaffen. Diese Räumlichkeiten werden direkt an die zugehörigen Pflegestationen angebunden.

Im fünften und sechsten Obergeschoss wird künftig die Dialyse untergebracht sein. Außerdem wird es dort
Arztdiensträume geben, die Pflegedienstleitung wird dort einziehen - und auch die Verwaltung zieht vom Erdgeschoss nach oben, damit die ebenerdig liegenden Flächen für die Patienten genutzt werden können. Auch Konferenzräume wird es dann dort geben.

Im Zuge dieses Bauabschnitts werden dann auch die Pflegestationen im ersten bis vierten Obergeschoss des westlichen Zentralbaus saniert und zu Ein- und Zweibettzimmern umgebaut.

Umstrukturierung Bestand
Der dritte Bauabschnitt dieser gewaltigen Investitionsmaßnahme ist dann der Umstrukturierung des
Bestands im ersten bis vierten Obergeschoss des östlichen Zentralbaus gewidmet. Auch dort werden
alle Patientenzimmer in Ein- und Zweibettzimmer umgewandelt. Flächen, die teilweise frei werden,
will das Klinikum dann zur Verbesserung der Betriebsabläufe nutzen.

Unter anderem ist die Erweiterung der Notaufnahme vorgesehen, die Physikalische Therapie soll zusätzliche Räume erhalten, der ambulante Ruheraum soll neugestaltet werden - und auch die Personalumkleideräume erhalten mehr Platz.

Weitere aktuelle Bauarbeiten
Im Zuge des Baus des neuen Parkhauses, das ebenfalls noch in diesem Jahr fertig gestellt werden soll, musste der Wendehammer vorübergehend verlegt werden. Jetzt sind die Arbeiten in diesem Bereich abgeschlossen. Der Wendeplatz wird am Donnerstag, 27. Oktober, wieder an seinen angestammten Platz zurückverlegt.

Auf dem Platz hinter dem Klinikumsgebäude, der den jetzt abgerissenen Hochwasserbehälter beherbergt hat, werden ab Mitte November vorübergehend 50 Parkplätze angelegt, bis das Grundstück für den Erweiterungsbau des Hauses benötigt wird.