Das Bündnis Atomausstieg-Kulmbach.de, zu dem der Bund Naturschutz, die Kirchen, die Grünen, SPD, ödp und Die Linke ebenso gehören wie viele besorgte Bürger, ruft ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima zur Teilnahme an einer Mahnwache auf. Treffpunkt ist am Samstag um 13 Uhr auf dem Kulmbacher Marktplatz. Im infranken.de-Interview betont Jürgen Öhrlein, Sprecher des Anti-Atom-Bündnisses, dass Fuku shima nicht vergessen ist.

Ist die Atomkatastrophe in den Köpfen der Menschen noch präsent?
In den Köpfen der normalen Menschen auf alle Fälle. Durch die Berichterstattung in den Medien wird jedem deutlich, dass die Probleme in Japan nicht gelöst sind, sondern erst beginnen. Die Radioaktivität breitet sich aus und erreicht auch Deutschland über Lebensmittel und andere Importgüter aus Japan. Fukushima ist nicht vergessen, denn auch bei uns existiert ein erhebliches Gefahrenpotential: Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld ist nicht weit entfernt, so dass wir von den Auswirkungen eines GAUs sofort massiv betroffen wären.

Glauben Sie, dass Deutschland die Energiewende schafft?
Im Augenblick versucht die Regierung, die Energiewende auf kaltem Weg rückgängig zu machen und geht so weit, dass man die Zuschüsse für alle regenerativen Energien drosselt. Gleichzeitig wird die Förderung für Neubauten von fossilen Kraftwerken wesentlich erhöht - damit vergisst man völlig die Probleme des Klimawandels. Außerdem will man den Menschen weismachen, dass die regenerativen Energien den Strompreis nach oben treiben. In Wirklichkeit hat man die gesamte strom intensive Industrie von den Kosten befreit. Wenn die Sonnenenergiebranche, die eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat, zerschlagen wird, dann geht es darum, dass die Gewinne der großen Energiekonzerne massiv eingebrochen sind.

Was können die Menschen hier vor Ort in Kulmbach machen, um die Energiewende zu unterstützen?
Mir schwebt eine Art Volksbegehren vor, eine Bürgerinitiative Solar 21, die der Regierung zeigt, dass die Bevölkerung mit der Rückabwicklung der Energiewende nicht einverstanden ist. Damit könnte man auch die kleinen Unternehmen, die in den letzten Jahren entstanden sind, unterstützen. Die Energiedinos hätten dann Pech gehabt.

Und was müsste die Kommunalpolitik tun?
Grundsätzlich muss man sich davon lösen, dass die Eon als größter Sponsor für Kultur im Landkreis Kulmbach auch die Energiepolitik steuert. Die Eon setzt dieses Druckmittel ganz bewusst ein, um die Kommunen für einen Umstieg auf Ökostrom oder bei Energieeinsparung blind zu machen. Ich appelliere an die Kommunalpolitiker, sich bewusst zu werden: Wenn Grafenrheinfeld morgen in die Luft fliegt, dann waren alle Spenden umsonst.