Gerade in der Faschingszeit wurde man in den Medien mit einer Vielzahl von karnevalistischen Auszeichnungen konfrontiert ("Orden wider...). Dabei ist für die meisten Menschen der historische Hintergrund dieser Orden verloren gegangen. Denn: "Orden und Ehrenzeichen sind Auszeichnungen in Form tragbarer Abzeichen, die von staatlichen oder staatlich autorisierten Stellen als Belohnung für geleistete Dienste oder vorbildliches Verhalten verliehen werden sowie um sich die Loyalität der auszuzeichnenden Person zu sichern".

Diese Definition trifft auch auf den von Friedrich dem Großen bei seinem Regierungsantritt 1740 gestifteten Orden Pour le Mérite (für Verdienst) zu. Er löste den brandenburgischen Hoforden "de la générosité" ab.
Obwohl es sich um eine rein militärische Verdienst- und Tapferkeitsauszeichnung handelte, die nur Offiziere erhalten sollten, sind zehn Verleihungen an Zivilpersonen nachweisbar, wovon die an den französischen Philosophen Francois Marie Arouet, genannt Voltaire, die bekannteste sein dürfte.

Verleihungen des Ordens im 18. Jahrhundert erfolgten hauptsächlich an Generäle und Stabsoffziere, seltener an Subalternoffiziere (niederer Offiziersdienstgrad). Aus der Regierungszeit Friedrichs des Großen (1740-1786) sind 778 Verleihungen bekannt, wovon 358 auf die Infanterie und 268 auf die Kavallerie entfielen. Während der Stabskapitän von Nothardt noch 1801 für die Erfindung eines kleinkalibrigen Gewehrs ausgezeichnet wurde, war ab 1810 ausschließlich der Verdienst vor dem Feind Voraussetzung für die Verleihung.

Das Ordenskreuz wurde nach dem Tod des Beliehenen, bei aktiven Offizieren in der Regel durch den Kommandeur, zurückgereicht. Dass diese Regelung relativ streng beachtet wurde, zeigt die Tatsache, dass auf unsere Zeit nur ein knappes Dutzend originaler Ordenskreuze aus der altpreußischen Epoche überkommen sind.

Dazu gehört das kürzlich vom Armeemuseum erworbene Exemplar. Der Überlieferung nach gehörte es dem 1736 geborenen späteren Chef des Dragonerregiments D 6, Oberst Johann Kasimir von Auer, dem es am 7. Juni 1802 bei der Revue in Königsberg/Ostpreußen verliehen worden war. Gründe dafür sind nicht mehr bekannt.

Das Halskreuz besteht aus einer Goldrahmen-Konstruktion mit hellblau emaillierten Armen. Zwischen ihnen sind mit dem Stichel verfeinerte Adler ohne Krone separat eingesetzt. Der doppelte Bandring wird durch eine runde Zieröse gehalten. Die Beschriftung besteht aus der bekrönten Chiffre des Ordensstifters Friedrich II. und der Ordensdevise "Pour le Mérite", die aus glatter Goldfolie in die Emaille eingebrannt und mit schwarzer Emaillefarbe schattiert ist.


Anfertigung wohl in Berlin

Das Kreuz dürfte von der Berliner Firma Baudesson gefertigt worden sein, während das etwas verkürzte Ordensband wohl vom 1787 privilegierten Seidenweber Eissenhart stammt. Das Kreuz kostete damals 22 Thaler, das Band einen Thaler. Zum Vergleich: Ein Grenadier bekam zu Friedrichs Zeiten monatlich drei Thaler, wovon einer an die Kleiderkasse abgegeben wurde.

Es gab keine Tragevorschrift, so dass davon ausgegangen werden kann, dass der Ausgezeichnete das Ordenskreuz stolz täglich trug. Zeitgenössische Offiziersportraits lassen erkennen, dass schon vorhandene Gemälde bei Verleihung an den Dargestellten nachträglich durch Übermalung mit dem Pour le Mérite versehen wurden.