Einen Mundschutz braucht Marek Wiecek nicht in seinem Job. Die Arbeit, wegen der der 63-Jährige aus Polen nach Stadtsteinach gekommen ist, muss er draußen verrichten - im Wald oder genauer gesagt in einer Christbaumkultur, denn für Marek Wiecek ist mitten im Sommer fast schon wieder Weihnachten.

Wiecek kümmert sich mit einigen andere Saisonarbeitern aus Polen um die Weihnachtsbäume. Er sorgt dafür, dass die Bäumchen, die Uwe Witzgall in Petschen aufzieht, perfekt wachsen können. Denn das tun sie nicht von selbst. Der 63-Jährige muss die Spitzen stabilisieren und die Wachshilfen wieder rechtzeitig entfernen.

Wenn die Natur Nachhilfe brauxcht

In seinem Beruf sollte man ein Auge für Details haben. Denn natürlich ist ein Weihnachtsbaum nur perfekt, wenn die Kränze im richtigen Abstand wachsen und perfekt angeordnet sind. Kunden wünschen sich einen Abstand von 20 bis 30 Zentimetern - das ist die Norm. Und wenn die Natur das perfekte Wachstum nicht von selbst erledigt, dann wird nachgeholfen. Dabei gibt es viele Tricks.

Die Einreise nach Deutschland war für Marek Wiecek kein Problem. Er wurde mit Johnson & Johnson geimpft. "Bei der Ein- und Ausreise müssen die Arbeiter einen Negativtest vorweisen können. Quarantäne oder so war nicht nötig. Die Leute haben ihre eigene Unterkunft, sie bleiben unter sich", erklärt Uwe Witzgall.

Alle Arbeiter, die er in Stadtsteinach beschäftigt, hätten bereits einen vollständigen Impfschutz. "Im Herbst, als die Inzidenzwerte so hoch waren, sind einige nicht nach Hause gefahren, weil sie sich auf keinen Fall anstecken wollten", verrät Witzgall.

Klettverschlüsse gegen Knicke

Aktuell müssen die Arbeiter aus Polen sogenannte Vogelstäbe, mit denen die Spitzen stabilisiert werden, von den künftigen Christbäumen entfernen. Sie waren mit Klettverschlüssen befestigt. "Wenn man zu lange wartet, dann bekommen die Spitzen einen Knick", zeigt Witzgall auf einen Exemplar.

Doch warum muss die Spitze überhaupt stabilisiert werden? "Wenn die Vögel starten, dann passiert es oft, dass die Spitze abbricht. Und das ist bei einem Weihnachtsbaum schlecht", erklärt Witzgall. Wenn das Holz langsam fester werde, passiere den Spitzen nichts mehr.

Marek Wiecek und die anderen Arbeiter sammeln die Stabilisierungshilfen ein. Man sieht: Sie haben Freude an der Tätigkeit. Auffallend ist, dass alle einen besonderen Bezug zu den Bäumchen und zur Schöpfung haben. Jeder trägt ein Kruzifix um den Hals - als Beweis, dass Glaube und Brauchtum in Polen noch wesentlich stärker verwurzelt sind als in Deutschland. "Gute Arbeit, gutes Geld", sagt Wiecek. Viel mehr Worte muss er nicht machen. Schon elf Jahre kommt er im Sommer immer nach Petschen, um sich um die potenziellen Christbäume zu kümmern. In Polen fährt er Taxi.

Auch Rafal Bugajski arbeitet in der Christbaumkultur und ist begeistert von dieser Tätigkeit. Er ist schon zum fünften Mal dabei und kennt ebenfalls die nötigen Handgriffe.

"In diesem Jahr sind die Arbeitsbedingungen nicht so optimal. Denn bei extremer Hitze kann man wenig machen, bei Regen auch nicht", sagt Uwe Witzgall. Trotzdem ist der Christbaumzüchter zuversichtlich, was die Saison angeht. Denn der Regen tut den Bäumchen gut. "Man muss Unkraut mit der Hand entfernen", sagt Uwe Witzgall.

Gutes Auge ist gefragt

Eine wichtige Aufgabe, bei der die polnischen Arbeiter ein gutes Auge brauchen, ist die Zweigregulierung. Christbaumkäufer wünschen sich, dass die Äste gleichmäßig angeordnet sind. Auch der Abstand der Kränze muss stimmen. In nassen Jahren, in denen der Baum in die Höhe schießt, ritzt Witzgall die Stämme ein. Fachleute nennen das Terminaltriebregulierung. Dann lässt das Wachstum ein bisschen nach - und die Kränze können sich so entwickeln, dass sie ebenmäßig angeordnet sind. "Wenn wir die Zweige fixieren, muss man Geduld haben", so Witzgall.

Auf insgesamt 30 Hektar baut Uwe Witzgall Weihnachtsbäume an. Seine Leidenschaft sind Nordmanntannen und die wohlriechenden Nobilistannen. Aber auch Schwarzkiefern, Blaufichten, Kork- und Coloradotannen stehen in seiner Kultur.

Die Weihnachtsbäume aus Petschen dürfen das Zertifkat "Global GAP" ( Zertifizierungssystem für die Landwirtschaft) und das Siegel "geprüfte Qualität Bayern" tragen. Witzgall ist Mitglied im Verband "Bayerische Christbaumanbauer", der für frische, umweltschonende Produktion und garantierte Herkunft aus Bayern steht.

Preise bleiben wohl stabil

"Die Kosten für die Netze und den Bedarf steigen, aber ich denke, der Preis wird ungefähr wieder so sein wie im vergangenen Jahr", erklärt der Herr der Christbäume. Voraussichtlich wird der Meter zwischen 18 und 22 Euro kosten.

Auch wenn es noch ein paar Monate bis Weihnachten sind: Schon jetzt weist Uwe Witzgall darauf hin, dass sich in diesem Winter jeder, der möchte, seinen Baum selbst aus der Kultur herausmachen darf. "Das ist ein Trend. Viele wollen dieses Erlebnis", sagt er und zeigt schon mal auf besonders schöne Exemplare, die garantiert ihren Eigentümer finden werden.