Er ist ein kommunalpolitischer Dauerläufer mit Herzblut. Doch der langjährige Bürgermeister Fred Popp (CSU) wird nach dem Ende dieser Legislaturperiode nicht mehr für ein kommunales Ehrenamt antreten. "Ich habe vielen jungen Leuten geholfen. Das Amt hat mir viel Freude bereitet, aber es hat auch Kraft gekostet", stellt er zufrieden fest.

Als der gebürtige Ludwigschorgaster im Mai 1966 erstmals gewählt wurde, war er mit 26 Jahren das jüngste Gemeinderatsmitglied in Bayern. Zum Jahreswechsel blickt er nun auf fast fünf Jahrzehnte erfolgreicher Arbeit in seiner Heimatgemeinde zurück, davon immerhin 30 Jahre als Bürgermeister und seit Mai 2008 als Stellvertreter.

Dem 74-Jährigen fiel die Entscheidung, einen wesentlichen Teil seines Lebens zu beenden, nicht schwer: "Ich habe gemerkt, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Die jüngere Generation hat oft andere Ansichten.
Ich habe jetzt einfach gedacht, nach 48 Jahren in der Kommunalpolitik hörst du auf. Es langt."

Der Weg ins kommunalpolitische Geschäft wurde dem gelernten Weber nicht schwer ge-macht, denn er war in den Vereinen seiner Heimatgemeinde nicht nur tief verwurzelt, sondern auch über die Maßen engagiert. Popp war sich nicht zu schade, als junger Bürger beim FC Ludwigschorgast den Unterkassierer zu machen, also bei den Heimspielen mit der Kasse herrumzulaufen und die Eintrittsgelder zu kassieren oder auch den Sanitätsdienst zu übernehmen: "Sich im Verein zu engagieren, bedeutet auch, dass man eine gute Plattform und damit einen gewissen Hinterhalt hat, um in ein kommunales Ehrenamt gewählt zu werden", rät Popp der jüngere Generation.

Seine ersten Sporen verdiente er sich als Gemeinderat von Mai 1966 bis April 1978, wobei er mit dem höchsten Stimmenergebnis aller Parteien und Gruppierungen ausgestattet worden war. Als sich die CSU dafür entschied, im Kommunalwahlkampf 1978 mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten anzutreten, war schnell klar, wer die besten Voraussetzungen dafür mitbrachte - Fred Popp. "Ich habe einen Häuserwahlkampf betrieben und noch am letzten Tag vor der Wahl gekämpft. Es hatte sich nichts mehr bewegt in der Gemeinde, und wir verloren damals viele junge Leute, weil kein Quadratmeter Bauland da war", erinnert sich Popp, der im Mai 1978 das Bürgermeisteramt übernahm.

Voraussehbar war das keineswegs, denn Popp hatte immerhin gegen das amtierende Gemeindeoberhaupt Heinrich Wich kandidiert, der damals seit 22 Jahren im Amt war. Mit einem Stimmenanteil von 63,2 Prozent hob Popp seinen Mitbewerber jedoch regelrecht aus dem Sattel.

Es ging gleich ums Geld

Die ersten Jahre waren aber alles andere als ein Honigschlecken: "Man hat mir das Leben damals schon schwer gemacht. Das fing damit an, dass man mir nur die Hälfte der Aufwandsentschädigung gewähren wollte. Das Landratsamt musste dann darüber entscheiden, und es wurde festgesetzt, dass ich die gleiche Entschädigung bekomme wie der bisherige Bürgermeister."

Bereits in Popps erster Amtsperiode wurden weitreichende, kostenintensive Maßnahmen in Angriff genommen: der Ausbau der Ortsdurchfahrt und der Bau des Kindergartens. Für letzteren war die Kirche zwar der Bauträger, allerdings waren schier unüberwindbare Hürden mit dem damaligen Pfarrer Arno Sterzenbach zu überwinden. Popp: "Es gab damals ein großes Hickhack mit der Kirche."

Nicht weniger als sechs neue Baugebiete wurden während seiner Amtszeit erschlossen, und es wurden erhebliche Mittel in die Infrastruktur gesteckt, etwa mit dem gemeinsamen Bau einer Kläranlage mit Kupferberg und später dem Anschluss an die zentrale Abwasseranlage der Stadt Kulmbach.

Schleglhaus kratzt an Gesundheit

Das bedeutendste Projekt war aber der Erwerb und die Sanierung des Schlegl-Anwesens mitten im Dorf. Fred Popp wird dabei sehr nachdenklich: "Das hat mir ein großes Stück meiner Gesundheit gekostet. Es kam damals ja zu einem Bürgerentscheid, der aber mit fast 72 Prozent eindeutig zugunsten des Schlegl-Anwesens ausfiel. Da wurde mir schon gewaltig zugesetzt, und es gab Aussagen, dass noch unsere Kindeskinder damit zu kämpfen haben werden. Wir haben die Baumaßnahme aber ohne Kredit durchgeführt."

Heute verdrängt Popp diesen Ärger und blickt eher mit Stolz und Genugtuung auf die gelungene Maßnahme im Herzen von Ludwigschorgast. In Bezug auf die Förderung von rund 70 Prozent dankt Popp einem Politiker ganz besonders: "Ohne Herbert Hofmann wäre diese Finanzierung nicht zustande gekommen, auch viele andere Maßnahmen nicht. Wir haben damals die Projekte angepackt, wo es noch Zuwendungen gab."

Popp, der immer besonders intensiv das Gespräch mit den Bürgern suche, kannte längere Urlaube überhaupt nicht. Wenn er heute durch "sein" Ludwigschorgast läuft, gelangt er aber zu der Erkenntnis: "Es war alles richtig, was wir gemacht haben." Was ihn besonders freut: "Ich werde immer noch von den Leuten und auch von der Jugend geachtet. Es ist viel für die Bürger getan worden."

Helfen bleibt Maxime

Helfen wird für Fred Popp weiterhin eine Maxime seines Handelns bleiben. Mit seiner Frau Christa wird er sich wie bisher um die Ortsverschönerung, das Ehrenmal oder die Kriegsgräber kümmern. Untätigkeit - das ist nicht sein Ding.