Die Feuershow auf der Naturbühne mit den irisierenden Lichtflammen und Lichtregen zwischen dem Grün, dem leuchtenden Wasserfall aus Tausenden von Sternen und den Nebelschwaden gehört zwar zum Standard, erzeugt aber jedes Jahr stets dieses besondere Feeling inmitten einer traumhaften Naturkulisse. Man genoss das auch heuer.

Klassik und Moderne

Und noch mehr und mit großer Empathie den Special-Guest: Das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau. Es führte über zwei Stunden in eine tanzende Welt aus vertrauter Klassik und moderner Sinfonie.

Dem internationalen Ensemble mit Interpreten aus vier Erdteilen gelang eine äußerst gelungene Mixtur aus reiner Kammermusik in erlesener Güte und mit futuristischen Parts, die einen ständig zu neuen Gefühlsskalen führten.

Hatte man sich gerade entspannt und ein bisschen verinnerlicht nach den
Anfangstakten zum "Divertimento F-Dur KV 138" zurückgelegt zum konservativem Schwelgen, kam der Nagel`sche Effekt. Ungewohnt, fremdartig und aufrüttelnd. Mit quirligen Sätzen, zusätzlichen Sounddesigns, Live-Arrangements aus klassischem Syntesizer. Das Einfließen von elektronische Musik á la Karlheinz Stockhausen.

Dafür verantwortlich der musikalische Leiter Norbert Nagel als der umsichtige Dirigentenfreund und Mittler zwischen den Solisten, und sein Sohn Frieder, der die Improvisationstechnik einbringt. Beide harmonierten auf diesem schwierigen Gebiet der rotierenden Variationen nahezu kongruent und mit großem Empfindungsreichtum.

Das Orchester zeichnete ein qualitätsvolles Spiel der Streicher aus, Geigen, Bratschen und Celli vermochten mit genau konzipiertem, feinem Bogen Lichtpunkte zu setzen.

Stephan Eppinger verlieh mit Schlagzeugsoli dem Abend noch die besondere Note. Johann Sebastian Bach - in brasilianischer Leichtigkeit geformt - störte nicht, war eher eine Aufforderung zum Umdenken.

"Take a Look" bescherte kapriziöse Momente und "La muerta del angel" des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla wurde zum Konglomerat aus mitreißender Melodik und sentimentaler Schwere. So leichtfüßig tänzerisch verziert, mit pulsierenden Rhythmen und elegischer Breite hört man selten bekannte Werke.

Perfekte Liaison

Und dann gab es ja noch den musikalischen Leiter Norbert Nagel als virtuosen Solisten, als Magier der B- und Bassklarinette, am Sopran-und Tenorsaxophon. Was er aus seinen Instrumenten hervorzauberte, war verblüffend und ungemein mitteilsam.

Ob filigran und hauchzart, jazzig oder swingend - die hüpfenden, trillierenden hell-dunklen Töne erinnerten zuweilen an Giora Feidman. Kammermusik und Saxophon gingen an diesem Abend eine nahezu perfekte Liaison ein.

Als Nagel zum "Bolero" von Maurice Ravel ansetzte in wunderschöner beseelter Dichte und beschwörender Eindringlichkeit, lauschte das Publikum ergriffen, wie verzaubert. Blätter von den Bäumen im aufkommenden Wind tänzelten auf die Bühne, als wollten sie das Spiel umgarnen.

Schlussbeifall rauschte auf, stehende Ovationen, Zugaben - der charmante Plauderer Nagel und sein Orchester labten sich an der Zuneigung der Besucher.

Bürgermeister Werner Diersch bedankte sich bei den Machern der Kulturinitiative Trebgast mit Hans Moos an der Spitze für den Mut, immer Neues beim traditionellen Gastspiel im August zu präsentieren.