Beim Gebrauch der Motorsäge denkt man meist an grobe Arbeiten, doch wer den 33-Jährigen beobachtet, erkennt, wie vielseitig und filigran sie einsetzbar ist - vorausgesetzt, dass man es kann. Michael Schütt ist einer, der das Werkzeug perfekt beherrscht, und deshalb hat Stadtförsterin Carmen Hombach ihn für diesen speziellen Auftrag ausgewählt.

Von Anfang an detailgetreu


Vorlagen braucht der Motorsägenschnitzer nicht: "Ich habe eine Idee, wie es werden soll, und dann fange ich einfach an." Mit groben Konturen hält sich Schütt nicht auf: "Ich arbeite von oben nach unten und von Anfang an so detailgenau wie möglich."
Bevor er mit seinem Hasen loslegt, zieht er trotzdem noch einmal ein kleines Spielzeughäschen aus der Hosentasche und studiert kurz die Form der Ohren und des Gesichts. Dann fliegen die Holzspäne, und fünf Stunden später sitzt ein possierlicher 1,60 Meter hoher Hase im Wald und macht Männchen.

Kletterer in luftiger Höhe


Die Geschicklichkeit mit der Motorsäge hat Schütt sich durch seinen Beruf als Zimmerer, Forstwirt und Kletterer erworben. "Ich hänge viel in Bäumen rum", erzählt der 33-Jährige lachend und meint das absolut wörtlich: "Wenn irgendwo komplizierte Baumpflegearbeiten zu erledigen sind oder Teile von Bäumen abgetragen werden müssen, klettert er hinauf und erledigt das. Die Holzkunst empfindet er als wertvolle Bereicherung seines Arbeitsfelds: "Es macht Spaß zu erleben, wie etwas Schönes entsteht, erst recht, wenn es für Kinder gedacht ist." Seine Tiere für den Naturlehrpfad bekommen deshalb auch einen kindlichen Charakter: "Da darf ich das Kind in mir rauslassen."
Drei Tierskulpturen und dazu noch ein paar Holzpilze für die große Pilzstation des Lehrpfads hat sich Carmen Hombach gewünscht. "Es sollten einheimische Tiere sein, die auch in unseren Wäldern vorkommen und die wir auf den Schautafeln beschreiben", so ihre Vorgabe.
Michael Schütt nahm die He rausforderung gerne an. "Tiere mache ich am liebsten." Hase und Fuchs entstehen neben der künftigen Sprunggrube, in der Kinder (und Ältere mit Spieltrieb) ausprobieren können, ob sie genauso weit springen können wie die verschiedenen Tiere des Waldes.

Kiefernholz ist ideal


Das Holz für die Skulpturen stammt von Bäumen, die ohnehin gefällt werden mussten: "Wir haben ausreichend hohe Stümpfe stehen lassen, aus denen die Figuren geschnitzt werden", so Carmen Hombach, die damit auch sehr elegant das Problem der dauerhaften Verankerung im Waldboden gelöst hat. Hase und Fuchs entstehen aus Kiefernholz. Das verwendet Michael Schütt am liebsten zum Schnitzen. "Es ist durch seinen vergleichsweise hohen Harzanteil witterungsbeständig, aber gleichzeitig auch weich und lässt sich deshalb gut bearbeiten."
Die anspruchsvollste Arbeit für den Motorsägen-Schnitzer wird die Eule. Dafür steht ein dicker Stumpf Lärchenholz bereit, doch der ist nicht ausladend genug für das, was der Künstler plant: Die Eule soll einen ausgeklappten Flügel bekommen, der in Richtung der nächsten Lehrpfad-Station weist. "Aus dem Stamm kann ich nur der Körper und den angelegten Flügel schneiden, den zweiten Flügel muss ich ansetzen." Damit am Ende alles zusammenhält, werden die beiden Teile fest miteinander verschraubt.

Mehr über die Arbeiten am neuen Kulmbacher Naturlehrpfad lesen Sie in der Wochenendausgabe der Bayerischen Rundschau.