Alkohol enthemmt, da kann es schon einmal leicht zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen. So passiert auf der Bierwoche 2019. Am 27. Juli soll gegen 23.30 Uhr ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach einem Kontrahenten am Rande des Bierfests mit der Faust an die Schläfe geschlagen haben, sodass der Geschädigte eine Platzwunde erlitt.

Ins Kreuz getreten

Auslöser war wohl, dass der Geschädigte unter Alkoholeinfluss stand und dem Angeklagten zuvor aus Eifersucht aus heiterem Himmel ins Kreuz getreten hatte. "Allerdings hatte sich die Situation bereits wieder beruhigt. Somit kann der Fausthieb, der etwas später ausgeführt wurde, nicht mehr als Notwehr gesehen werden", sagte der Staatsanwalt.

Dieser Version des Sachverhalts widersprach der Verteidiger im Namen des Angeklagten vehement. "Es war vielmehr so, dass sich die Situation überhaupt nicht entspannt hatte." Zwischen dem Angeklagten und dem Geschädigten habe sich nach dem Tritt ins Kreuz vielmehr ein Wortgefecht entwickelt, gepaart mit einem Hin- und Herschubsen - und schließlich dem Fausthieb. "Dritte mussten dazwischen gehen", ergänzte der Anwalt.

Tritt kam zuerst

Der Geschädigte räumte am Freitagvormittag vor dem Kulmbacher Amtsgericht ein, den Angeklagten zuerst getreten zu haben. Am gleichen Tag habe nämlich seine Freundin mit ihm Schluss gemacht, "und als ich die beiden am Abend beim Knutschen gesehen habe, ist bei mir die Sicherung durchgebrannt". Für dieses Vergehen wird sich der Geschädigte in einem separaten Verfahren verantworten müssen.

Die Aussagen der geladenen Zeugen deckten sich jeweils nur in zwei Punkten, nämlich dass der Geschädigte den Angeklagten zuerst ins Kreuz trat und sich der Angeklagte später mit einem Fausthieb ins Gesicht revanchierte. Über den Zeitraum dazwischen konnte keiner etwas Genaues sagen.

Zeugen erinnerten sich nicht

Dies stellte Richterin Sieglinde Tettmann, Staatsanwaltschaft und die Verteidigung vor keine leichte Entscheidung. "Es kann sein, dass ich noch rumgeschrien habe", sagte etwa der Geschädigte, an mehr könne er sich nicht mehr erinnern.

Mit der Erinnerungsfähigkeit der weiteren Zeugen war es auch nicht weit her, sodass keine eindeutige Klarheit in den Tathergang gebracht werden konnte.

Verfahren eingestellt

Aus rein prozessökonomischen Gründen, also um das Verfahren nicht unnötig in die Länge zu ziehen, stimmten daher der Angeklagte und sein Verteidiger dem Vorschlag von Richterin Sieglinde Tettmann und der Staatsanwaltschaft zu, das Verfahren unter Auflage eines Bußgeldes von 900 Euro vorläufig einzustellen. Zu einer Einstellung ohne Auflage konnte sich der Staatsanwalt nicht durchringen, da für ihn einer der Zeugen, der keinen Alkohol getrunken hatte, doch glaubhaft gewesen sei und das Verhalten des Angeklagten nicht eindeutig einer Notwehr zugeschrieben werden konnte.

Das Bußgeld muss der Angeklagte an das Blaue Kreuz in Thurnau bezahlen, eine Organisation, die Menschen mit Suchtproblemen hilft.