Kein geringeres Stück als Goethes Faust hat sich der Fränkische Theatersommer zum 20-jährigen Bestehen ausgewählt. Am Sonntagabend feierte das Schauspiel der Wanderbühne im romantischen Schlosshof von Wernstein Premiere. Es war ein warmer Sommerabend im romantischen Schlossgarten, mit stolzierende Pfauen und erwartungsvollen Gäste. Es war der perfekte Rahmen für die neun Darsteller des Fränkischen Theatersommers. "Wir sind zum ersten Mal an diesem Standort. Wenn alles gut läuft, werden wir hier gerne wieder gastieren", sagte Christian Weiß, Büroleiter des Vereins.

Spannend, gefühlvoll

Der Faust, den der Fränkische Theatersommer präsentieren möchte, soll leicht, spannend und gefühlvoll sein, so die Worte des Intendanten Jan Burdinski, der selbst den Mephisto mimte, von Kopf bis Fuß in Rot gekleidet, auf dem Rücken zwei Engelsflügel aufgedruckt, darüber den Schriftzug "Angel" prangend: So sieht Burdinski den Mephisto und verkörperte ihn leichtfüßig und frech durch das gesamte Stück.

Geschickt knüpft Mephisto seine Stricke, in denen sich Faust immer mehr verfängt: Des Lebens überdrüssig verschreibt er sich dem Teufel, wird verhext, verliebt sich in das brave Gretchen und reißt sie mit sich in sein Schicksal. Der zynische Mephisto erscheint am Ende des Dramas als derjenige, der den alleinigen Durchblick hat. Er spielt mit menschlichen Schachfiguren, manipuliert und hintergeht und steht doch am Schluss beinahe unschuldig da.

Eigens aus München angereist

"Wo kann man Faust besser aufführen als hier in diesem Ambiente." Das sagte Kultusminister Wolfgang Heubisch (FDP), der die Schirmherrschaft übernommen hat und eigens zur Premiere aus München angereist war. "So muss es zu der Zeit gewesen sein, als Faust lebte", sagte der Minister und zeigte sich amüsiert über den im Garten stolzierenden Pfau und das Hintergrundkonzert des rufenden Esels im Stall.

Der Vorsitzende des Trägervereins Fränkischer Theatersommer", Bernd Matthes, lobte ebenfalls die romantische Kulisse. "Doch, der Worte sind genug gewechselt, lasst mich nun endlich Taten sehen", endete seine Ansprache mit einem Faust-Zitat.

Die Besucher schmunzeln

Goethes Faust ist in der Tat ein reicher Quell an Zitaten, die bis in unsere heutige Zeit im alltäglichen Gebrauch sind. Wohl kein anderes Stück kann das für sich in Anspruch nehmen. Entsprechend schmunzelten die Zuschauer auch immer wieder, wenn sie ein geflügeltes Wort entdeckten wie etwa "Zwei Herzen wohnen ach in meiner Brust" oder als sie darüber aufgeklärt wurden, woher "des Pudels Kern" stammt.

Die Inszenierung von "Faust - Der Tragödie erster Teil" hält sich weitgehend an die Originalvorlage, schafft es aber, das Stück auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Als moderne, professionelle Schauspiel-Wanderer auf dem Thespiskarren kommt uns die Komödiantik des Stückes ohnehin zugute", sagte Jan Burdinski. Diese Seite des Klassikers trete allzu häufig gegenüber den großartigen tragischen Anteilen in den Hintergrund. Und damit hat er Recht. Das Schauspiel entpuppte sich als frisches Sommertheater, wie man es an einem schönen Sommerabend genießen möchte.