In Stoßzeiten rollen die Autos Stoßstange an Stoßstange, es riecht nach Abgasen, der Staub schwirrt in der Luft und an warmen Tagen strahlt der Asphalt schon am Vormittag eine enorme Hitze ab: Die Verkehrsinsel an der Hans-Hacker-Straße, direkt vor dem Gebäude der Polizeiinspektion in Kulmbach ist wirklich kein guter Ort für Pflanzen!
Trotzdem blüht es dort fast den ganzen Sommer über: Rosen und Schafgarben sorgen für einen Farbtupfer im Straßengrau, und dass es ihnen an diesem unfreundlichen Standort gut geht, dafür sorgen die Mitarbeiter der Kulmbacher Stadtgärtnerei.


Ein riesengroßer Garten

Der "Garten", für den sie zuständig sind, ist groß. Er umfasst das komplette Stadtgebiet von Leuchau über Katschenreuth bis nach Kirchleus.
Um dieses große Fläche gepflegt und ordentlich halten zu können, ist eine exakte
Planung notwendig. Für diese Planung ist Jürgen Ganzleben verantwortlich.
Er berichtet, dass seine Mitarbeiter an heißen Tagen und in Trockenperioden regelmäßig zum Blumengießen ausrücken müssen. "Wir versuchen turnusgemäß alle Pflanzen zu bewässern, leider können wir nicht immer alle erreichen."
Damit die Gewächse in den Blumenkästen und Pflanzgefäßen nicht gleich vertrocknen und unansehnlich werden, wählen die Gärtner bestimmte, robuste Sorten aus. Überwiegend werden Geranien gepflanzt. "Trotz langer Trockenperioden geben sie ein ansehnliches Bild ab und es schaut nicht alles braun und vertrocknet aus", so Ganzleben. Es werden zwar auch andere Arten, wie Petunien oder Fächerblumen gepflanzt, die Geranien aber dominieren immer.


Pflegeleichtes bevorzugt

Auf den Verkehrsinseln pflanzen die Stadtgärtner gerne Rosen. Sie sind ebenfalls sehr robust und halten die Abgase und die erhöhte Hitzebelastung im Sommer problemlos aus.
Den stärksten Flor gibt es im Frühsommer. Im Hochsommer, ungefähr zur Zeit des Bierfestes, ist die erste Blüte weg. Dann regenerieren sich die Rosen wieder und blühen bei guter Witterung sogar im Herbst ein zweites Mal. Das ist der Vorteil an diesen Züchtungen. "Letztes Jahr habe ich sogar kurz vor Heiligabend noch blühende Rosen gesehen, das war aber vermutlich eine Ausnahme wegen des milden Winters", wundert sich Jürgen Ganzleben heute noch darüber.
Aber auch pflegeleichte Pflanzen müssen regelmäßig gegossen werden. "Jetzt wenn es so heiß und trocken ist, sind oft bis zu zwei Teams unterwegs, um zu gießen. Wir versuchen die Trockenperiode vorzeitig abzumildern", erklärt Ganzleben.
Es müssen sogar Sonderschichten eingelegt werden, um die Gießarbeiten bewältigen zu können. Die Gärtner fangen oft schon um fünf Uhr morgens an. " Zu der Uhrzeit gibt es ein geringes Verkehrsaufkommen, so behindern wir keine Autofahrer. Außerdem können die Pflanzen das Wasser besser aufnehmen, denn es verdunstet am Morgen nicht sofort."
Welche Blumenkombination wo im Stadtgebiet gepflanzt werden, entscheidet Jürgen Ganzleben mit seinem Team bereits im Winter. "Man muss schon die bewährten Blumenarten nehmen, um den Erfolg der blühenden Stadt weiterhin zu sichern", so Ganzleben. Anschließend werden die Pflanzen bei Gärtnereien in der Region bestellt.
Den Bepflanzungsplan für den Sommerflor setzen die Gärtner dann Ende April, Anfang Mai um. Einer von ihnen ist Stephan Wierl. Seine Ausbildung zum Gärtner begann er 1976 in Kulmbach, seitdem arbeitet er in seinem Ausbildungsbetrieb, der Stadtgärtnerei.
Jürgen Ganzleben schätzt an Wierl die langjährige Erfahrung. Die ausführenden Gärtner müssen die Bepflanzungspläne richtig umsetzen können. "Der Plan gibt ja nicht jede einzelne Pflanze vor, die Gärtner müssen da schon etwas mitdenken", so Ganzleben. "Ich muss die Pflanzabstände kennen, die Wuchshöhe und welche Farben die Blüten haben werden", erläutert Stephan Wierl.


Lob als schöne Bestätigung

Mit dem Pflanzen und Gießen allein ist es für die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei aber nicht getan. Zu ihren Aufgaben gehören auch das Mähen der städtischen Rasenflächen, das Schneiden von Hecken und Säuberungsarbeiten. Für Stephan Wierl ist es die schönste Bestätigung seiner Arbeit, wenn es den Menschen gefällt. "Meistens sind es die Auswärtigen, die sich über die schönen Blumen in der Stadt freuen. Den Kulmbachern fällt das meist gar nicht mehr auf."