Vor dem Wetter ist niemand geschützt - und so haben auch die oberfränkischen Bauern mit dessen Unbilden zu kämpfen. Die Bedingungen zur Aussaat im Herbst 2014 waren relativ gut, und auch der milde Winter schützte die Entwicklung des Saatgutes. Zwar fehlte die isolierende Schneedecke auf den Feldern, doch gerade der schnell einsetzende Frühling sorgte bei vielen Bauern für Optimismus.

Karl-Heinz Opel, Landwirt aus Neufang bei Wirsberg war selbst überfragt, wann es jemals einen derartig milden Übergang gab. "Eigentlich hätte ich schon im Februar anfangen können, aber das war selbst mir zu heikel." Auch in der vorherigen Generation könne man sich nicht an einen so schnellen Frühling zurückerinnern. Opels Mutter wusste zwar, dass es wohl schon einmal im März entsprechend möglich gewesen sei, auszusäen.
Allerdings gebe es dies wohl nur alle hundert Jahre einmal.

Hitzewelle beendete jede Illusion

Durch den großen Hochdruckeinfluss bis April war die Bodenfeuchte so niedrig wie seit 1962 nicht mehr. Einsetzender Regen sorgte dann im Mai für eine gute Entwicklung bei Getreide und Raps. Doch die Euphorie war schnell verflogen. Die Hitzewelle zur Pfingstzeit nahm den Bauern jede Illusion. Durch die hohe Trockenheit kam es zu starken Ertragseinbußen.

Auch der im Juli wieder einsetzende Regen konnte die Lage beim Getreide nicht mehr wirklich retten. Lediglich für Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben sowie das Feldfutter und Grünland brachten die Niederschläge eine Entspannung.

Ernte weitgehend abgeschlossen

Der oberfränkische Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Hermann Greif, versucht zu beschwichtigen. In Neufang vermeldete er gestern Nachmittag, dass die Ernte in Oberfranken weitgehend abgeschlossen ist. Lediglich durch die starken Regenschauer der letzten Tage sei es nun nochmals zu Verzögerungen gekommen. Bisher sei es auch zu keinen Auswuchsschäden gekommen, doch man hoffe nun auf besseres Wetter, denn die Zeit würde jetzt drängen. Insgesamt sei man mit dem Ertrag bisher zwar zufrieden, doch vereinzelt gebe es wohl regional große Probleme. Je nach Anbaugebiet und Bodenart schwanken die Ertragszahlen. Besonders bei der Wintergerste sei es wichtig, einen wasserspeichernden Boden zu haben, der für ein sehr gutes Ernteergebnis sorge.

Schäden durch "Gelbrost"

Weitgehend schlechter traf es wohl den Winterweizen. Im aktuellen Anbaujahr sorgte der so genannte Gelbrost für große Schäden. Der gefürchtete Pilz tritt immer dann auf, wenn der Frost im Winter ausgeblieben ist. Dort wo die Ernte nicht gänzlich ausfällt, haben die Landwirte dann mit "Schrumpfkörnern" zu kämpfen, wenn in der Kornfüllungsphase die Wasserversorgung ausbleibt. Für den Verbraucher spiegelt sich dies hauptsächlich in der Backqualität nieder, weil oftmals der benötigte Eiweißgehalt von 13 Prozent nicht erreicht werden kann.

Während auch bei Roggen und Gerste der Ernteertrag eher durchschnittlich, aber nicht bedrohlich ist, so erziele man laut Bauernpräsident vor allem beim Raps gute Erfolge. Hier seien besonders das hohe Können und ein notwendiges Fingerspitzengefühl der Landwirte gefragt.

Beim Mais- und Futterbau sei vor allem im Vergleich zum Vorjahr ein sehr guter Erfolg zu verbuchen. Durch eine Erhöhung der Ertragsflächen hätten die oberfränkischen Bauern ihre Einbußen aus dem vergangenen Jahr kompensiert und könnten nun bei der Bevorratung aus dem Vollen schöpfen, so Greif.

Auch der Grünschnitt habe sehr früh erfolgen können. Lediglich beim aktuellen zweiten Schnitt komme es zu einer schwächeren Entwicklung auf Grund der vorhergehenden Trockenperiode. Die derzeitigen Niederschläge hätten aber nun der Entwicklung gut getan, weswegen die Bauern nun auf trockenes Wetter hoffen, um erneut mähen zu können.

Die Preise für Weizen und Raps sind laut Bauernverband schon vor der Ernte auf ein neues Rekordtief gefallen. Diese Entwicklung beobachte man mit großer Sorge. Zwar sollte man meinen, dass durch den niedrigen Ertrag die Nachfrage steige und damit auch der Preis - doch weit gefehlt. Gute Wachstumsbedingungen in Nordamerika und rund um die Schwarzmeerregion machten eine Preiserholung unmöglich. Dabei sei diese für die oberfränkischen Landwirte so wichtig.

Kosten steigen, Erträge sinken

Steigende Betriebskosten stünden sinkenden Ertragsprämien gegenüber und förderten einen Strukturwandel, der dem Verband Sorgen bereite. Zwar sei der Beruf des Bauern noch nicht vom Aussterben bedroht, sagt Hermann Greif, doch immer weniger Jungbauern trauten sich zu investieren.

"Dem Landwirt bleibt nichts übrig", meint Kulmbachs Kreisbäuerin Beate Opel. Und tatsächlich ist es nicht viel, was hängen bleibt. Von einem Glas Milch bekommt der Bauer zehn Cent. Bei der Kartoffel sei es nur noch ein Cent, und beim Bier werde es noch schlimmer. Pro "Seidla" erhalte der Landwirt umgerechnet 2,1 Cent für die Braugerste und schlappe 0,12 Cent für den Hopfen.

Sollte sich nicht bald etwas ändern, werde der Strukturwandel wohl weiter vorangetrieben: Bauernhöfe machen dicht, die Dörfer sterben aus.