Es ist ein kleiner Versprecher, der deutlich macht, wie naturverbunden Erich Schiffelholz ist. "Der Biber ist ein ganz friedfertiger Mensch", sagt der 57-Jährige, für den der Nager, der in den letzten Jahren auch im Landkreis Kulmbach wieder heimisch geworden ist, nicht nur ein Tier, sondern ein Mitlebewesen des Menschen ist.
Bei einer Tour um den Oberauhof zeigt Erich Schiffelholz, welch deutliche Spuren die Schneidezähne des Nagers hinterlassen haben. Dass der Biber einen Baum gefällt hat, stört ihn nicht. Im Gegenteil: Er sei ein Landschaftsbauer, der zwar auch Schaden anrichte, durch seine Arbeit am Ufer aber eine positive Auswirkung auf die Biotopgestaltung habe, erläutert der Mainleuser, der seit 2011 den Titel ehrenamtlicher Biberberater trägt, der sich seit Jahrzehnten aber schon als unermüdlicher Kämpfer für den Natur- und Tierschutz einen Namen gemacht hat.

Schon als Kind "infiziert"


Die Kreisgruppe im Bund Naturschutz hat sein Wirken gewürdigt und Erich Schiffelholz gestern Abend den Umweltpreis 2012 verliehen. "Eine Auszeichnung, auf die ich stolz bin", sagt der 57-Jährige, dem die Liebe zu Tier und Natur quasi in die Wiege gelegt worden ist. "Als ich klein war, haben wir zuhause Ziegen, Schweine, Hühner, Enten, Gänse, Tauben und Kaninchen gehalten. Mein Opa war Imker, mein Onkel begeisterter Angler.
Es war ein Rundumpaket, das mich wohl infiziert hat", vermutet Schiffelholz, der auch noch den "Frühlingsduft der austreibenden Hecken und Bäume" in der Nase hat, den er als junger Mann verspürt habe.

Er hat den Beruf des Försters ergreifen wollen, ist dann aber Polizist geworden. Polizist und Naturschützer? Das beißt sich nicht. Schiffelholz hat auch in der Uniform den Umwelfrevel bekämpft. Schon während seiner Dienstzeit im Allgäu, als er Gewässerverunreinigungen nachgegangen ist. "Mit Herzblut", erklärt Schiffelholz, der nach seiner beruflich bedingten Rückkehr nach Oberfranken durch eine verletzte Schleiereule dienstlich den ersten Kontakt zum Landesbund für Vogelschutz geknüpft hat.

Bei der Gründung der LBV-Kreisgruppe Mitte der achtziger Jahre wurde Schiffelholz zum Kassier ernannt ."Das war für mich der Einstieg in die aktivere Phase des Naturschutzes. Seitdem bin ich ständig am Ball", sagt Schiffelholz, der heute LBV-Kreisvorsitzender ist und es sich zum Ziel gesetzt hat, den Natur- und Umweltschutzgedanken "auf allgemeinverständlichem Niveau weiter zu tragen". Das tut er auch in Kindergärten und Schulen, wo er mit dem Nachwuchs Nistkästen oder Insektenhotels baut und ihn zu Exkursionen einlädt.

Die Fledermaus im "Fritz"


Schiffelholz hat sich den Ruf eines Experten erworben. Er ist nicht nur Biberberater, sondern auch Fledermausexperte im LBV, setzt sich seit vielen Jahren für die sagenumwobenen Tiere ein, die aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise lange als Vampire verschrien waren, als Insekten- und Spinnenvertilger aber für den Menschen ein Nützling sind. Der 57-Jährige kümmert sich um Fledermäuse, auch dann, wenn sie eigentlich Winterschlaf halten. Als sich vor Wochen bei eisiger Kälte Fledermäuse in das Kulmbacher Einkaufszentrum "Fritz" verirrt hatten, hat der Mainleuser die Flattermänner mit Wasser versorgt und sie in ein Winterquartier von Artgenossen in die Keller der Plassenburg gebracht.

Schiffelholz ist ein Mann der Tat, aber auch der Statistik. Als Biberberater ist er dabei, ein Kataster über deren Verbreitung anzufertigen. "Viele geben ihre Geheimnisse nicht preis. Das ist im Verborgenen schlummerndes Wissen. Ich bin für die Faktensammlung, die auch im Natur- und Tierschutz von großer Bedeutung ist", sagt der Mainleuser, der damit ein Plädoyer für die Verbandsarbeit hält. Für Organisationen wie den Bund Naturschutz, der die engagierte Arbeit seines Mitglieds mit dem Umweltpreis gewürdigt hat.