Der Auftrag, den sich die Schreinerei Schnaubelt da in Berlin an Land gezogen hat, lässt sich am einfachsten so beschreiben: Erfinden Sie die Eier legende Woll-Milch-Sau. Und Franz Schnaubelt hat es getan. Der 27-jährige Rugendorfer, dessen Vater Roland die gleichnamige Schreinerei betreibt, hat ein Fenster entwickelt, das es in dieser Art bisher nicht gab. Das wohl wichtigste Merkmal: Die Konstruktion lässt keinerlei Hochfrequenz-Funkwellenstrahlung durch. "Im Rauminneren ist jedes Handy sofort tot", sagt Franz Schnaubelt.
Im Rauminneren - das bedeutet im konkreten Fall den neuen Waldorf-Kindergarten im Berliner Stadtteil Kleinmachnow. Mehr als 80 Fenster und Türen hat das Rugendorfer Unternehmen dort verbaut. Und zwar nach ganz genauen Vorgaben.

Eine harte Nuss


Die wiederum hat Universitätsprofessor Markus Löffler aufgelegt, der bei dem Bauprojekt als Planer aufgetreten ist. "Der Professor Löffler macht nur hochwertige Bauten und sagt zum Beispiel, dass ein vernünftiges Gebäude aus Holz zu bestehen hat", charakterisiert der 27-Jährige den Architekten, der ihm wirklich eine harte Nuss vorgelegt habe.
Denn der Waldorfkindergarten in Kleinmachnow steht an einer nicht unproblematischen Stelle - in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Funksendemast. "Und bei diesem Thema sind die Menschen ja inzwischen sehr sensibel", weiß Franz Schnaubelt aus eigener Erfahrung. Insofern machte die Vorgabe des Professors absolut Sinn, dass Fenster und Türen (ebenso wie Wände, Böden und Decken) keine Hochfrequenzfunkstrahlen durchlassen dürfen. Das Problem daran: Derartige Fenster gibt es noch nicht. Und: Die Bauteile sollten eine ganze Reihe weiterer Anforderungen erfüllen, die in dieser Kombination noch nirgends erreicht wurden.
Franz Schnaubelt sollte nicht nur strahlungssichere Fenster und Türen bauen, sondern diese Elemente sollten obendrein den Passivhausstandard erfüllen, in Holz-Alu-Bauweise ausgeführt werden, die Kriterien der Fluchtweg- und Panikfunktion abdecken und auch noch die höchste, systemgeprüfte Einbruchsicherheitsklasse erreichen. "Und das gleiche galt natürlich für die Rahmen und alle erforderliche Anschlüsse", erinnert sich der Rugendorfer. "Man könnte auch sagen, ich sollte die Eier legende Woll-Milch-Sau erfinden."
Franz Schnaubelt hat es getan. In unzähligen Berechnungen und Versuchen hat er die verschiedensten Eigenschaften, mit denen sich ein Glas durch Bedampfung oder Beschichtung ausstatten lässt, untersucht und für seine Zwecke aufeinander abgestimmt.

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