Mit dem Abschied von Alfred Müller geht bei der Feuerwehr Neuenreuth in der Gemeinde Neudrossenfeld eine Ära zu Ende. Der Ehrenkommandant wurde in den Ruhestand verabschiedet und gleichzeitig zum Ehrenmitglied ernannt. Der 64-jährige, von Beruf technischer Zeichner und ein gebürtiger Neuenreuther, hat in der Wehr viel erlebt.

Schon als Kind war er dabei

Müller war von Kindesbeinen an dabei und sagt in breitem Dialekt: "Auf dem Dorf hots nix annersch geem." Ist die Wehr ausgerückt, war er nicht weit weg. Sein Vater war Maschinist, der Tank aus Messing. "Ich durfte ihn blitzblank putzen, hatte schon mal zum Üben die Spritze in der Hand."

Richtig zur Wehr sei er mit 15 oder 16 Jahren gekommen. "Mit 23 Jahren wurde ich Kommandant.
Ich war einer der Jüngsten und habe diese Funktion fast ein Vierteljahrhundert ausgeübt."

Von ganz schlimmen Einsätzen sei er verschont geblieben. Im Gedächtnis geblieben ist ihm aber der Brand hinter der Arztpraxis Schulte in Altdrossenfeld. "Da waren wir richtig gefordert." Genauso wie beim Hochwasser, denn Neuenreuth liegt ja ganz nah am Roten Main. "Nach all den Jahren kenne ich die Tücken des Flusses genau", sagt Müller. Er erinnert sich an ein Hochwasser, bei dem "Säue eines Bauern bei starker Strömung im Stall herumschwammen und gerettet werden mussten". Die Geburtstagsparty der Kinder sei an dem Tag buchstäblich ins Wasser gefallen.

Da war der Spaß vorbei

Als Kommandant müsse man Klartext reden, Ordnung schaffen und Durchsetzungsvermögen zeigen, man müsse aber auch für einen Spaß zu haben sein. Einmal sei der Spaß jedoch vorbei gewesen. "Da habe ich mich richtig geärgert, weil es mit dem Bau des neuen Feuerwehrhauses nicht so richtig voranging." Dem damaligen zweiten Bürgermeister Helmut Geißler hat er als Zeichen des Unmuts eine silberne Zitrone in die Hand gedrückt. Der sei sprachlos gewesen, so der 64-Jährige.

Das Feuerwehr-Gen

Manches sei früher einfacher gewesen, sagt Müller. Jedes Jahr eine Leistungsprüfung mit den eigenen Leuten zu absolvieren, das sei selbstverständlich gewesen. "Ich habe alle Lesitungsabzeichen einschließlich Gold-Rot", betont der 64-Jährige, der das Feuerwehrgen in sich hat. "Der Großvater war Feuerwehrmann, der Vater Maschinist. Erst war ich Kommandant, danach mein Sohn Harald, und seit 2001 steht mein Sohn Roland an der Spitze der Aktiven." Auch seine Enkel würden sich schon für dieses Hobby interessieren. Einen Rat hat Alfred Müller für die Jüngeren noch parat: "Kommt zur Feuerwehr, haltet zusammen, lasst den Verein nicht im Stich." Er hofft, dass Neuenreuth ein Feuerwehrdorf bleibt - "so, wie es seit über einem Jahrhundert der Fall ist."