Das kleine Theater "Das Baumann" lebt von seiner engen Atmosphäre, doch in Zeiten der Corona-Pandemie und erhöhter Sicherheitsabstände ist dort an eine Live-Vorstellung nicht zu denken. Auch nicht in den nächsten Wochen. Deshalb weicht Theatermacher Rüdiger Baumann, gemeinsam mit dem Theatermacher Christian Schidlowsky aus Nürnberg, jetzt ins vierte Geschoss des "Fritz"-Turms aus - und lud alle Kunstbegeisterten dazu ein, endlich das eingesessene Quarantäne-Sofa zu verlassen und unter Einhaltung der Hygieneregeln wieder Live-Theater zu erleben.

Kreativ-Schub im Lockdown

Während der strengen Lockdown-Phase sind Rüdiger Baumann und Christian Schidlowsky offensichtlich von der Muse geküsst worden. Sie schrieben gemeinsam kleine Schundromane: Und eines hatten all diese kleinen Geschichtchen gemein - den Titel: "Der letzte Kuss".

Ganz nebenbei "erfanden" die beiden Theatermacher mit ihren kleinen Geschichten, die keinen Anspruch auf literarische Höhenflüge haben, ein neues Genre: das Live-Hörspiel. In zwei Stunden brachten Rüdiger Baumann und Christian Schidlowsky diese kleinen Hörspiele witzig, spontan und amüsant auf die Bühne. Die illustrierenden Geräusche kamen dabei nicht vom Band sondern vom Publikum höchstpersönlich.

"Uns hat die Sehnsucht gepackt nach gemeinsamen künstlerischen Prozessen, nach Live-Begegnungen mit echten Zuschauern", erklärten die beiden Theatermacher und verlangten den Zuschauern einiges ab. So mussten die Zuschauer Kussgeräusche imitieren und Kreissägen, absolute Stille und Kuhglockengebimmel, Donner, Gewitter. Aber auch Klageweiber und einen Jodler intonierten die rund 40 Theaterbegeisterten, die zur Vorstellung gekommen waren.

Und dann bauten die beiden Theatermacher diese Geräusche in ihre ganz besonderen "Kuss"- Geschichten ein. Mal erzählten sie eine romantische Love-Story. Doch das Motto passte auch zu einer kurzen Ausbrecher-Klamotte, einem schwülstigen Arztroman, einer lüsternen Erotik-Story, einem Bergroman und einem Revenge-Western.

Der absolute Höhepunkt war die Intonation eines Comics. Die Zuschauer wurden nicht müde, die Sprechblasen "Mmmmpf", "Zack", "Wisch" in echte Geräusche zu übersetzen. Zwei Stunden lang dauerte der Theaterspaß. Und so manchem war danach klar: "Wir haben das Live-Theater vermisst!"

Weitere Aufführungen

Das Theaterstück "Der letzte Kuss" ist am 7. August um am 5. September noch einmal, jeweils um 18 Uhr, im vierten Obergeschoss des "Fritz" zu sehen.