Biere werden viele gebraut: Helle, Dunkle, Bock oder Weizen. Aber wer kennt ein Emmer-Bier? Noch nie gehört, werden die meisten sagen. Wir kamen in den Genuss dieses eher seltenen Gerstensaftes und schwärmten von ihm - nach der ersten Probe.

Ort des Geschehens: Das gläserne Brauhaus im Bayerischen Brauereimuseum. Braumeister Robert Boser steht am Tank, öffnet einen kleinen Hahn - und das Bier läuft verheißungsvoll in das Glas. Ein Sud von sieben Hektolitern sind angesetzt.

"Er hat 12,8 Prozent Stammwürze, einen Alkoholgehalt von 5,1 Prozent, ist bernsteinfarben mit obergäriger Hefe vergoren", erzählt Boser und schaut schon ein bisschen stolz in die Runde. Und blickt zurück: Vor etwa zehn Jahren hat er Andrea Wölfert aus Meeder im Landkreis Coburg anlässlich des Agendafestes in Coburg kennengelernt und mit der Emmer-Bäuerin das erste Bier gleichen Namens eingebraut.
Wie es schmeckte, daran kann er sich nicht mehr erinnern. Er weiß aber, dass es die Leute gerne getrunken haben.

Nussiger Geschmack

Nun, im Frühjahr beim Kurs zum Botschafter der Genussregion Oberfranken habe er Andrea Wülfert zufällig wieder getroffen. Sie habe ihn gefragt, ob er wieder so ein Bier brauen könne.Viele Telefonate folgten, man fand einen Lieferanten für das Emmer-Malz, und im Juli begann dann der zweite Versuch.

Neben Boser steht die Bäuerin, zeigt eine Ähre des dunklen Spelzgetreides, einem Urweizen, ähnlich Dinkel. "Der wird bei uns im Coburger Land angebaut, ich habe eine Fläche von fünf bis sechs Hektar davon, der nussige Geschmack ist sein Markenzeichen", so die Bäuerin.

Emmer eigne sich auch zum Brotbacken, für die Herstellung von Nudeln und für die Feinbäckerei - "das mache ich mit meiner Tochter Nora alles selbst". Und fügt noch an, dass ihr Emmer in einem Naturschutzgebiet wächst, die Idee dazu sei vom Landesbund für Vogelschutz gekommen.

Bei der Verkostung sind zwei Männer dabei, die viel vom Bier verstehen. Da gibt es den Bier-Sommelier Martin Ständner und Oliver Lange, den Präsidenten des Stammtisches "Rote Kastanie". Ersterer guckt zufrieden nach dem ersten Schluck: "Es riecht extrem fruchtig und hat dennoch diesen ganz besonderen etwas herben Geschmack."

Und Oliver Lange gefallen die Weichheit und der Hauch von Karamell. "Wir freuen uns immer, wenn ein neues Bier kreiert wird", sagt er.

Robert Boser gibt zu, dass der Brauvorgang nicht ganz unproblematisch gewesen sei, weil der Emmer viel mehr Eiweiß enthalte als die Braugerste."Daher habe ich ein ganz altes Maischverfahren angewandt, um das in den Griff zu kriegen."

Kompakter Schaum

Und er hat das in den Griff bekommen, freut sich über den festen, kompakten Schaum, feinporig und mit guter Haltbarkeit. Die Farbe nennt er "von Bernstein bis Kupfer" mit deutlich ausgeprägter natürlicher Trübung. Der Geschmack sei hopfenaromatisch, Zunge und Gaumen würden eine angenehme Rezenz empfinden. Und Lange ergänzt in echt fränkisch: "Des Bier eggd ned o." Auch der Reporter findet Emmer-Bier prima, nimmt noch einen tiefen Schluck und beißt in ein Stück Emmer-Brot der Bäuerin.

Das Bier wird zu den Genusstagen im Coburger Land am 23. und 24. August in Ahorn ausgeschenkt und zeitgleich im Biergarten und Bräuhaus auf dem Mönchshof.