Schon bald ist es so weit, zahlreiche "Wackelzähne" stehen in den Kindergärten in den Startlöchern und wollen an den Grundschulen in Stadt und Landkreis Kulmbach eingeschrieben werden. Seit drei Jahren wird hierbei der Elternwille noch stärker berücksichtigt. Für Kinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, wurde nämlich zum Schuljahr 2019/2020 ein sogenannter Einschulungskorridor eingeführt. Das bedeutet, dass der Beginn der Schulpflicht durch eine schriftliche Mitteilung der Erziehungsberechtigten um ein Jahr nach hinten verschoben werden kann. Hat sich dadurch viel geändert?

Gutes Miteinander

"Gravierende Auswirkungen hat das keine", sagt Schulamtsdirektorin Kerstin Zapf. Die Eltern würden von Kindergarten und Schule eingehend beraten, das heißt, die Kinder durchlaufen ein komplettes Einschulungsscreening. "In einem guten Miteinander werden dann Entscheidungen gefunden", sagt die Schulrätin. Das bestätigt auch Anja Buchdrucker, Rektorin an der Kulmbacher Max-Hundt-Schule. "Allerdings müssen wir genau planen, wie wir diese Screenings zu Coronazeiten gut durchführen können." Eine weitere Planungsherausforderung sei die Tatsache, dass sich Eltern mit dem Einschulungskorridor bis zum 11. April in diesem Jahr entscheiden können, ob sie ihr Kind tatsächlich in die Schule schicken. "Die Planung der Schülerzahlen und somit der Lehrkräfte läuft Ende April/Anfang Mai, da bleibt weniger Zeit dafür."

Noch einmal Screening

Im ersten Jahr der Einführung wollte an der Max-Hundt-Schule niemand den Einschulungskorridor nutzen, im letzten Jahr war es etwa die Hälfte. Wer den Einschulungskorridor nutzen will, muss sein Kind dennoch zunächst in der Schule einschreiben. "Wichtig ist zu wissen, dass das Kind im nächsten Jahr nochmals das Screening durchlaufen muss, wenn der Korridor genutzt und das Kind in diesem Jahr nicht eingeschult wird", erklärt Anja Buchdrucker. Und wenn es bis zum 11. April keine Rückmeldung seitens der Eltern gebe, würden die Kinder automatisch eingeschult, "da gibt es auch keine Fristverlängerung."

Eine kleine Grundschule wie die in Presseck sieht sich durch den Einschulungskorridor zusätzlich noch von anderen Herausforderungen berührt. "Wir haben zwei Kombiklassen, und durch den Einschulungskorridor kann die Zahl der Kinder stark schwanken", sagt Schulleiterin Annemarie Hebentanz-Weiß. Im ersten Jahr des Einschulungskorridors habe es sehr viele Rückstellungen gegeben, was dazu führte, dass im Jahr darauf im Verhältnis sehr viele Kinder eingeschult wurden. "Uns wurde dann für ein Jahr eine junge Lehrerin zugewiesen, die inzwischen aber wieder abgezogen wurde." Zwei Klassenlehrer übernehmen an der Pressecker Grundschule die gesamte Verwaltung, "wir pflegen einen guten Kontakt zu den Eltern und den Kindergärten und versuchen, schon sehr frühzeitig eine Empfehlung auszusprechen."

Viele Eltern haben Angst

Die Schulleiterin stellt darüber hinaus fest, dass Eltern vermehrt Angst hätten, ihre Kinder zu früh in die Schule zu schicken, auch wenn sie oft schon früh eine Krippe besuchten. "Insgesamt ist der Korridor für das Modell der Kombiklassen jedoch nicht schlecht", sagt Annemarie Hebentanz-Weiß. Da es niemanden an der Schule gibt, der speziell mit Erstklässlern in der Kombiklasse arbeiten kann, müssen die Kinder bereits eine gewisse Selbstständigkeit haben beziehungsweise erlernen.

Eine solche Selbstständigkeit, soziales Verhalten und Selbstvertrauen sind nach Meinung von Brigitte Sintenis-Herr, Leiterin des Kindergartens Fölschnitz, Kompetenzen, die für die Einschulung noch viel mehr in den Vordergrund treten als die kognitiven Fähigkeiten. "Viele der Kinder sind kognitiv fit, aber die anderen Fähigkeiten müssen ebenso ausgebildet sein", erklärt die Erzieherin und verweist zugleich darauf, dass dies durch die Pandemie nicht erleichtert worden sei. Der Einschulungskorridor nehme ihrer Ansicht nach ein wenig den Druck aus dem System, die Entscheidung erfolgt für alle Beteiligten etwas entspannter. "Die Schule geht in den Dialog mit Familie und Kindergarten, der Korridor fördert diesen Dialog."

Spätere Zu- oder Absagen

Dennoch hat der Kindergarten durch den Einschulungskorridor auch mit einigen Problemen zu kämpfen. "Der Personalstand der Kita richtet sich nach den Plätzen und den gebuchten Zeiten", erklärt Brigitte Sintenis-Herr. Im Februar sei in Fölschnitz Anmeldewoche, "und wir haben meist mehr Anmeldungen als freie Plätze." Da die Eltern aufgrund des Einschulungskorridors ihre Entscheidung bis Mitte April aufschieben könnten, könne man neuen Kindern unter Umständen erst im April sicher zu- oder absagen, denn das "Korridor-Kind" hat natürlich zunächst einen sicheren Platz im Kindergarten. Im Kindergarten Fölschnitz besuchen alle Kinder die Vorschulgruppe, und erst wenn sicher ist, dass ein Kind den Einschulungskorridor nutzt, fällt es aus dieser "Wackelzahngruppe" wieder heraus.