Keine Frage: Die Wetterkapriolen in diesem Jahr stellen nicht nur die oberfrän-kischen Landwirte wieder vor große Herausforderungen. Dies wurde beim Erntepressegespräch gestern auf dem Hof von BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger im Harsdorfer Ortsteil Altenreuth mehr als deutlich.

BBV-Präsident Hermann Greif stellte denn auch fest: "Wir haben ja ein paar interessante Monate hinter uns, denn das Jahr 2013 werden wir als Land-wirte nicht großartig im Kalender anstreichen. Es war mit extremen Wetterkapriolen versehen, die man so nicht kennt."

Der Präsident erinnerte an das überlange kalte und nasse Frühjahr mit nur wenigen Sonnenstunden, "das uns unsere Pflanzen auch spüren ließen" - mit einer extrem verzögerten Entwicklung. "Und jetzt diese knallige Hitze, die erst heute beendet wurde." Greif sprach von Ertragseinbußen, die bei mindestens 25 Prozent liegen werden. Ähnliche, extreme Trockenjahre seien 2003 und 1976 gewesen.


"Kein normales Jahr"

BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger stellte seinen Ferkelerzeuger-Betrieb mit 80 Muttersauen und knapp 100 Hektar Ackerland vor. Dort baut er vorwiegend Getreide und Raps an. Auch er bezeichnete 2013 als ganz extrem: "Wir wussten schon Anfang Mai, dass es kein normales Jahr werden wird."

BBV-Präsident Hermann Greif wies darauf hin, dass die Landwirte im Herbst 2012 gute Aussaatbedingungen sowie geringe Frostschäden in diesem Winter zu verzeichnen hatten. Doch dessen lange Dauer habe im Frühjahr die Vegetation um zwei bis drei Wochen verzögert: "Das nasse Frühjahr sorgte für schwierige Aussaatbedingungen für Sommergetreide, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln. Dabei kam es teilweise zu sehr stark verspäteten Aussaaten, da auf Grund der anhaltenden Niederschläge die Felder nicht zeitgerecht befahrbar waren. Die Bestandsentwicklung von Wintergetreide und Winterraps war im Frühjahr trotz nasskalter Witterung überraschend gut."


Geringes Wurzelwachstum

Laut Greif hat sich besonders der Raps trotz kurzer Phasen des Längenwachstums und der Blüte sehr gut verzweigt und gute Schotenansätze gebildet hat. Auf Grund der guten Wasserversorgung und der relativ kühlen Temperaturen hätten sich die Getreidebestände oberirdisch gut entwickelt, aber das Wurzel-wachstum sei entsprechend gering gewesen. "Dies rächt sich jetzt in der extrem heißen Trockenphase, da keine ausreichenden Feinwurzeln gebildet wurden", so der BBV-Präsident.

Er zeigte auf, dass nicht zuletzt wegen der sehr hohen Temperaturen und der ausbleibenden Niederschläge die Bestände vorzeitig abreifen: "Sie brennen regelrecht dahin. Die notreifen Bestände weisen sehr kleine Körner auf, da die Kornfüllungsphase auf Grund der Trockenheit und Hitze nicht stattfinden kann. Von daher sehen wir die anfangs als sehr gut eingeschätzte Ernte sehr kritisch auf uns zukommen. Jeder weitere heiße Tag ohne Niederschläge kostet uns bei Getreide und Raps Ertragseinbußen." Von dieser Trockenheit seien auch das Grünland und der Silomais extrem betroffen. Bereits Silomaisbestände in nur geringer Wuchshöhe zeigten stellenweise eine Totalschädigung durch Vertrocknung.


Situation unterschiedlich

Eingehend auf die einzelnen Fruchtarten in Oberfranken nannte der BBV-Präsident zunächst die Wintergerste, die sich gegenüber 2012 um 761 auf 26 307 Hektar erhöht hat. Die Ertragssituation bezeichnete Gräf als sehr unterschiedlich. So werden die Erträge der Wintergerste auf Grund es starken Krankheitsdrucks unterdurchschnittlich eingeschätzt, obwohl einzelne Bestände auch sehr gute Ergebnisse brächten.

Bei Roggen sei ebenfalls eine Steigerung zu verzeichnen. Dieser werde aktuell in Oberfranken auf 7230 Hektar angebaut, im Vorjahr seien es noch 6199 Hektargewesen. Die Ernte habe in den Frühdruschgebieten ver-einzelt begonnen, im östlichen Oberfranken stehe sie noch bevor. Es werde von durchschnittlichen bis guten Erträgen und Qualitäten ausgegangen. Viele Roggenbestände seien aber wegen der schlechten Maisentwicklung als Ganzpflanzensilage geerntet worden und stünden nicht mehr für die Mähdruschernte zur Verfügung.
Den Anstieg beim Winterweizen auf 35 401 Hektar führte Greif auf die guten Aussaatbedingungen im Herbst zurück: "Die große Hitze und Trockenheit lässt die im Frühjahr gehegten Ertragserwartungen aber nicht mehr zu. Der Winterweizen reift zu schnell ab und kann sein Ertragspotenzial über die Kornfüllung nicht nutzen. Wir gehen hier von höchstens einer durchschnittlichen Ernte aus."


Braugerste stark verringert

Als die Königin aller Früchte in Oberfranken gelte die Sommer- und Braugerste, die sich heuer stark auf 33 184 Hektar verringert habe, wobei in Oberfranken noch die meiste Braugerste in ganz Bayern angebaut werde. Wegen ihrer Notreife wird sie nach den Worten von BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger vom Ertrag her wohl eine der schlechtesten Fruchtarten sein.

Beim Raps seien die Ertragsaussichten durchschnittlich bis gut. Die wohl kritischste Kultur sei in diesem Jahr der Mais. Die kühle und nasse Witterung lasse ihn - zusätzlich zur verspäteten Saat - nur langsam wachsen.
BBV-Präsident Greif stellte abschließend fest, dass die Preise für Getreide und Ölsaaten im Vergleich zur Ernte 2012 massiv eingebrochen sind: "Dies verschärft die Problematik der Betriebe in Oberfranken, da auf Grund der eher unterdurchschnittlichen Erträge und des zu erwartenden Engpasses im Futteranbau noch von einem niedrigeren Getreidepreisniveau als im Vorjahr ausgegangen werden muss. "Aktuell werden für Wintergerste etwa 15 Euro pro Doppelzentner, für Roggen 12 bis 13 Euro und für Triticale 13 bis 14 Euro pro Doppelzentner geboten. Beim Raps ist das derzeitige Niveau auf 35 Euro/Doppeltonne eingebrochen."