Mit leuchtenden Augen steht der Franziskanermönch Pater Adrian in der Sakristei der Basilika Marienweiher und freut sich über die neu installierte Technik, darunter eine Beschallungsanlage - damit auch Schwerhörige die Gottesdienste gut verfolgen können.

"Im Rahmen der umfassenden Renovierung der Kirche im vergangenen Jahr haben wir außerdem eine neue Belüftungsanlage erhalten, mit der Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Kirche gesteuert werden können." Das nämlich war ein Problem gewesen, weswegen die Restaurierung überhaupt notwendig wurde.

"Schimmel war ein Problem"

"Vor Jahren wurde das Dach neu gedeckt und eine Dämmungsschicht verlegt. Die Feuchtigkeit konnte nicht mehr raus, Schimmel war ein Problem, die Stuckelemente in Gefahr." Jetzt könne die Temperatur konstant bei 11 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 43 Prozent gehalten werden, für Gottesdienste werde die Temperatur auf 16 Grad hochgedreht.

Die Renovierung wurde im vergangenen Herbst rechtzeitig zum 300-jährigen Bestehen der Wallfahrtskirche abgeschlossen, lediglich die Orgel befindet sich noch in der Endphase ihrer Überholung. "Wir hoffen, bis Pfingsten damit fertig zu sein", sagt der Pater. Als Seelsorger ist er einer der vier Padres, die in Marienweiher leben und auch die Pfarreien in der Umgebung versorgen.

Im Jahr 1646 seien die Franziskanermönche aus der Provinz Straßburg nach Marienweiher gekommen, doch der Wallfahrtsort Marienweiher sei schon lange vorher von Bedeutung gewesen. Anfang des 12. Jahrhunderts, so besagt die Legende, sei ein Kaufmann aus Sachsen ins Bayerische gereist, um Handel zu betreiben. Auf der Rückreise sei er am Straßenwirtshaus am Vordersee eingekehrt, "das ist die älteste Bezeichnung von Marienweiher", erzählt Monsignore Prof. Rüdiger Feulner, Vorsitzender der "Stiftung Wallfahrtsbasilika Marienweiher".

Ewiges Seelenheil als Ziel

Der besagte Kaufmann sei von Räubern überfallen worden, betete zur Mutter Gottes und gelobte, dort eine Kapelle zu errichten. Auf Basis dieser Legende fanden schon im 12. und 13. Jahrhundert viele Menschen in höchster Not den Weg zu dieser kleinen Kapelle. "1189 war die Wallfahrt schon so groß, dass Bischof Otto II. die Zisterziensermönche bat, hier seelsorgerisch tätig zu sein", sagt Monsignore Feulner. Ein kleines Klostergebäude wurde errichtet. "Sie müssen sich vorstellen, zu dieser Zeit befanden wir uns in der Hochgotik, das heißt, die Menschen strebten nach ewigem Seelenheil, das prägte den Alltag." Als 1430 die Hussiten einfielen, zerstörten sie alle Kirchen, die Zisterzienser wurden vertrieben und das Kloster Marienweiher lag eine gewisse Zeit lang brach.

"Man sagt, die Zisterzienser hätten die Marienfigur in Tücher gewickelt im Dorfweiher versenkt, so habe sie nicht verbrennen können", erklärt Monsignore Feulner. Die Madonna, die den aktuellen, 1810-1812 erbauten Hochaltar der Basilika schmückt, stammt etwa aus der Zeit um 1500, "ein spätgotisches Werk aus süddeutscher Schule".

Madonna ohne Kleider

Ursprünglich hatte die Madonna keine Kleider an, erst ein paar Jahrhunderte später erhielt sie ihr heutiges Gewand, das allerdings immer wieder wechselte. "Die Madonna wurde aus den Votivgaben der Gläubigen bekleidet, und man wechselte das Gewand, damit sich die Gläubigen wiederfinden konnten."

Doch zurück in der Geschichte ins Jahr 1530 - da nämlich begann mit der Reformation der Niedergang der Wallfahrt, "fast das gesamte umliegende Gebiet wurde protestantisch." Vom Landesherrn sei es verboten gewesen, nach Marienweiher zu pilgern, "da liefen die Kulmbacher heimlich über Trebgast hin zum Wallfahrtsort."

Die neue Blütezeit

Schlimm habe der 30-jährige Krieg gewütet, die Gegend sei dem Erdboden gleich gewesen, etwa ein Drittel der Ortschaften seien gar nicht mehr aufgebaut worden. "Pest und Seuchen dezimierten die Einwohner, in den Kirchenbüchern kann man die vielen Beerdigungen nachlesen." 1682 wurde die Kirche schließlich wieder aufgebaut, größer als vorher, der Beginn einer neuen Blütezeit der Wallfahrt folgte.

"In der Zeit nach dem Krieg gab es große Unsicherheit und Angst, die Leute wussten in ihrer Not nicht mehr ein und aus, es war ein Flehen", so der Monsignore. Um 1700 sei dann klar gewesen, dass ein großer Bau her müsse, "die Kommunionbank ist durchgebrochen, so viele Gläubige pilgerten nach Marienweiher."

Kunsthistorisch wertvoll

1720 schließlich wurde die Wallfahrtskirche Marienweiher als größtes Kirchengebäude im Bistum Bamberg außer dem Dom vom Weihbischof Werner Schnatz geweiht, aus einer gotischen Kirche wurde ein barockes Bauwerk. "Zur päpstlichen Basilika minor wurde die Kirche allerdings erst 1993 erhoben."

Vier Basiliken gebe es in der Diözese Bamberg, dabei nehme Marienweiher die Position eines geistlichen Zentrums in der Region und kunsthistorisch einer der wertvollsten Kirchen ein. "Viele Menschen wissen gar nicht, dass die Wallfahrt in Marienweiher älter ist als Vierzehnheiligen, älter als Gössweinstein - und sogar älter als Altötting." Marienweiher sei die älteste Wallfahrt in der Erzdiözese Bamberg und wohl eine der ältesten in ganz Deutschland.

Eine Tatsache, die auch Pater Adrian stolz sein lässt, Teil der Geschichte dieses Wallfahrtsortes zu sein. "Im 17. und 18. Jahrhundert pilgerten täglich um die 700 Menschen nach Marienweiher", und sein Franziskanerorden begleitet die Gläubigen seitdem. Zwar wurde 1983 das Kloster durch die bayerischen Franziskaner wegen Nachwuchsmangels kurzfristig aufgegeben, aber auf Anfrage konnten die Padres aus dem polnischen Schlesien aushelfen und kümmern sich seit 2013 um das kirchliche Anwesen.

Seelsorger für die Wallfahrer

Früher habe es sogar eine Klostergärtnerei gegeben, aber dafür brauche man Leute, die sich kümmern und Zeit haben. Der Alltag der vier Padres, der jeden Tag um 7.30 mit einem gemeinsamen Gebet beginne, lasse das leider kaum zu. "Wir sind in erster Linie Seelsorger für die Wallfahrer", erklärt Pater Adrian, eine Aufgabe, die ihm Freude mache, denn der Kontakt mit Menschen sei ihm wichtig und auch eine Aufgabe als Franziskaner. "Marienweiher ist ein Ort der Gnade, an dem man viel bekommen kann. Es ist gut, hier zu sein. Es gibt Orte, an denen man sich wohl fühlt - und das hier ist so ein Ort."