Es kamen fast 400 Besucher in die Steinachtalhalle, um die Faszination der Blasmusik hautnah zu erleben. In all ihren Facetten: Mal typisch im Genre, mal konzertant und auch ein bisschen rockig. Fast drei Stunden unterhielten über 70 Musiker ein beifallsfreudiges Publikum, das sich den Ostersonntag mit einem fulminanten Konzert des Musikvereins Ludwigschorgast versüßen ließ. Keine Sekunde Langeweile, blendend aufgelegte Interpreten und ein klug ausgewähltes Programm machten den Abend zu einem wahren Genuss.

Und man hatte ein großes Repertoire parat, von Märschen und Musicals über Rockballaden und Serenaden bis hin zur Klassik. Schon der Auftakt ließ aufhorchen: Die Original fränkische Trachtenkapelle Stadtsteinach als Gast setzte ein erstes Ausrufezeichen.


Unsterbliche Songs

Mit einem hörenswerten Beatles-Medley vermochte sie die unsterblichen Songs dem Publikum näher zu bringen, das Tempo gut dosierend, später "The cream of Eric Clapton" in variabler Abstufung und unbändiger Wucht. Herrlich kapriziös das "Instant Concert", ein Block von knapp 30 verschiedenen Melodien in etwas mehr als drei Minuten gespielt. Dirigent Christoph Hohlweg kam mit dem Umblättern der Noten kaum nach. Einfach grandios diese Flexibilität in kurzer Zeit.

Danach die Feierabend-Serenade, ein Volkslied aus dem Erzgebirge. Es erklang so gefühlvoll, dass sich das Gesicht des älteren Herrn gegenüber verklärte und er sich im Takt wiegte.

Die Schorgasttaler Blasmusik war jedoch der Leuchtturm. Ohne andere Leistungen schmälern zu wollen: Sie stieg die musikalischen Treppenstufen steil hinauf, verband solides handwerkliches Können mit leicht profihaften Zügen. Die unverkennbare Handschrift von Rainer Streit, Mitglied im Blechbläser-Ensemble der Hofer Symphoniker, war stets im kompetenten Dirigat zu spüren. Die Ludwigschorgaster sehen offensichtlich das Osterkonzert als die ideale Bühne, ihre Popularität weiter zu steigern und an die Grenzen zu gehen.

Bestes Beispiel: Der Part aus dem Musical "König der Löwen". Rhythmisch perfekt in afrikanischer Anmut, üppig, melancholisch, die Weite und Schönheit der Savanne in schillernder instrumentaler Mixtur ahnen lassend, vermittelte man Authentizität und Nähe. Die Holzbläser und Querflöten gaben dem Ganzen noch eine besondere Note.


Spektakuläres mit James Bond

Lieben Sie musikalisch Spektakuläres aus den Filmen mit James Bond? Spätestens seit dem Auftritt der Schorgasttaler Blasmusik wird das so sein, denn die Ludwigschorgaster konnten darin alle musikalischen Ausdrucksweisen vereinen. Krönender Abschluss war die Tritsch-Tratsch-Polka in galoppierender Intensität mit Torsten Koch als Solist an der großen Trommel und Rainer Streit, diesmal singend.


Neue Maßstäbe in der Klassik

Und dass man auch die Klassik beherrscht, hätte der Musikverein nicht besser beweisen können als in "Tanz der Stunden" aus der Oper "La Giaconda" von Amilcare Ponchielli. Mit den opulenten, allegorischen Balletteinlagen setzte man neue Maßstäbe, Bravorufe der Zuhörer folgten.

Nicht zu vergessen die "Jungen Wilden", das Nachwuchsteam des Ludwigschorgaster Musikvereins. Sie wagten sich mit der Polka "Böhmischer Traum" an schwerere Kost, meisterten diese aber mit erstaunlicher Reife. Die jungen Leute sind unter der Leitung von Claudia Goller wieder ein Stück musikalisch gewachsen. Um die Zukunft der Blasmusik in Ludwigschorgast muss man sich keine Sorgen machen.

Bemerkenswert am Rande: Sogar eine 93-jährige Frau aus der thüringischen Fangruppe hörte zu, ihr zu Ehren intonierte man "Blondes Käthchen". Der alten Dame standen Tränen der Rührung in den Augen - ein schönes Ostergeschenk.
Ein weiterer Fan der Schorgasttaler ist Landrat Klaus Peter Söllner. Sein trefflicher Kommentar: "Ein extrem schönes Konzert in bester Atmosphäre."

Den Abend moderierte Karin Wamser in fachlicher Güte. Man darf sich schon auf den 16. April 2017 freuen, wo die Ludwigschorgaster erneut zum Osterkonzert in die Steinachtalhalle einladen, wie Vorsitzender Marco Heuschmann bereits jetzt ankündigte.