Die Uhr zeigt eine halbe Stunde vor Mitternacht an, und die etwa 400 Besucher sind noch nicht satt. Schreien frenetisch nach weiteren Zugaben, es herrscht eine Stimmung wie selten in der Stadthalle zu solch später Stunde. Feuerzeuge flammen auf, alle Interpreten verabschieden sich mit "Sierra madre su", und das Publikum singt den Refrain selig mit.
Das ist alles ein bisschen profan, spricht aber Bände für einen Abend, der genau auf die zugeschnitten ist, die gekommen sind. Denn sie konnten ihre Lieblinge hautnah erleben und fühlten sich fast wie im Himmel, weil die vorne auf der Bühne ihren Charme und ihre respektablen Stimmen so reichlich über sie ausschütteten. "Die Schäfer" und die "Stimmen der Berge" waren die Stars des Abends unter dem Motto "Klänge der Heimat".


Die richtige Mischung begeistert

Die Barfußläufer aus Baden-Württemberg, Carola am Akkordeon, Bianca und Michael (Gesang) sowie Uwe, der Gründer der Gruppe an der Gitarre, ritten auf der Volksmusikwelle, auf der Unvergänglichkeit des Volksliedes, entführten in eine heile Welt, wo Heimat und Glückseligkeit noch Gewicht haben, wo alle Brünnlein fließen, das Mühlenrad sich dreht, und "Fallerie, Fallera" aus 500 Kehlen im Refrain widerhallt.
In Teil zwei folgt der Ausflug der vier in südliche Gefilde in einlullender Süße, die aber bei den Fans ankommt. Es werden Lebensweisheiten aus eigenen Texten der Schäfer verteilt, "Lebe Deinen Traum" und "Sei wieder glücklich" forderten sie auf, und die Zuhörer hängen an ihren Lippen. Besser hätte das Quartett den Nerv nicht treffen können. Bianca und Michael entpuppten sich als kongeniales Gesangspaar, das die Seele bewegte.
"Madanno blu" ist so ein Lied, das erträumte Wünsche erfüllt, mit der Mutter Gottes und dem Jesuskind auf der Leinwand im Hintergrund. "Die Schäfer", die es in dieser Formation seit 16 Jahren gibt, haben eine unverwechselbare Note. "Ihr seid super" hielt eine Fangruppe ein Spruchband hoch. Dem kann man nicht widersprechen.
Eine nette Szene am Rande: Der ideenreiche Veranstalter Rainer Ludwig hatte einen Schäfer mitgebracht - den Heiner, der bei Wonsees hütet. Er kam mit seinen Kindern Max und Franzi auf die Bühne, donnernder Applaus: Der Echte und die Nachahmer, ein treffliches Bild.
Allein wegen ihnen hätte sich der Eintritt schon gelohnt: "Die Stimmen der Berge", drei Tenöre, ein Bariton und ein Bass, erwiesen sich als musikalischer Volltreffer. Egal, ob die aus den Regensburger Domspatzen hervorgegangenen Sänger Wanderlieder oder ein Medley aus bekannten italienischen Schlagern erklingen ließen, ihre geschulten Stimmen glänzen in allen Lagen. Benjamin, Stephan, Daniel, Simon und Thomas, der Leader, verkörpern unbändige, ansteckend wirkende Lebenslust und Lebensfreude, sind personifizierte Frohnaturen und erwachsene Lausbuben geblieben. A cappella kommen ihre Qualitäten besonders zur Geltung: "Es muss ein Sonntag gwesen sein" wurde in filigraner Stimmenvielfalt intoniert.