Harald Stark bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Doch beim Anblick der im Bayerischen Staatsarchiv in Bamberg gelagerten alten Akten, Karten und Urkunden kommt der Kastellan der Plassenburg ins Schwärmen. "Das ist ein wahrer Schatz für jeden Heimatforscher", sagt er und beugt sich über ein so genanntes Urbar derer von Giech aus dem frühen 18. Jahrhundert. In dem dicken Wälzer sind in schönster Handschrift fein säuberlich alle Besitztümer und Rechte der alten Thurnauer Adelsfamilie verzeichnet.

Freistaat hat es 2003 gekauft

Im Jahr 2003 hat der Freistaat Bayern das Giechsche Familienarchiv käuflich erworben. Allein die Menge lässt Staunen. Rund 750 Meter Akten - hochkant aneinandergereiht - wurden damals von Weiher bei Hollfeld ins Bamberger Staatsarchiv überführt.
Dort füllen sie ganze endlose Regalreihen aus.
Zu dem Schatz gehören Pergamenturkunden seit dem Jahr 1244, Bände und Akten ab dem 15. Jahrhundert, Stammbäume, Rechnungen, Karten und Pläne. Besonders wertvolle Stücke sind mit sogenannten Goldbullen gesiegelte Kaiserurkunden oder Samt gebundene Standeserhöhungs-Urkunden und Wappenbriefe. Während Bücher - selbst wenn sie handgeschrieben sind - meist in mehreren Exemplaren in den Bibliotheken liegen, stellen die wertvollen Archivalien unwiederbringliche Einzelstücke dar, deren Bearbeitung und Auswertung für die Erforschung der Geschichte Thurnaus und der weiten Umgebung unumgänglich ist.

Noch 120 Meter ungesichtet

Rund 70 Prozent der Unterlagen sind mittlerweile erfasst und katalogisiert und damit für die Forschung nutzbar gemacht. Was mit dem Rest - immerhin noch rund 120 Meter ungesichtetes Material - passieren soll, ist momentan unklar, wie Archivdirektor Stefan Nöth dem Thurnauer Bürgermeister Dietmar Hofmann und Harald Stark in Bamberg erläuterte.

Zwei Jahre

Hofmann stattete dem Staatsarchiv mit dem Thurnauer Gemeindearchivar Ralf Wirth sowie seinen geschichtlich interessierten Mitarbeiterinnen Sandra Bali und Renate Liefländer-Cordes einen Besuch ab und war begeistert. Wie Stefan Nöth erläuterte, sei derzeit mit keiner finanziellen Unterstützung durch den Freistaat zu rechnen. Für die Vollendung der Ordnungsarbeiten müsste eine wissenschaftliche Fachkraft eingestellt werden. "Die Erfassung wird zwei Jahre in Anspruch nehmen", schätzte der Archivdirektor.
Nach einer knapp dreistündigen Führung besprach die Thurnauer Delegation mit Stefan Nöth und seinem Stellvertreter Klaus Rupprecht die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. Bürgermeister Hofmann sagte zu, sich bei den einschlägigen Stellen um eine Förderung der weiteren Erschließung des Giechschen Archivs zu bemühen. Auch die Gräflich Giechsche Spitalstiftung, die Eigentümerin der prächtigen Thurnauer Schlossanlage, dürfte Interesse an einem Heben dieses Schatzes haben.

Viel Interessantes zu sehen

"Eine Unterstützung durch die Gemeinde macht aber nur Sinn, wenn am Ende Teile der Forschungsarbeit auch der Öffentlichkeit, am besten im Schloss Thurnau, zugänglich gemacht werden können", sagte der Bürgermeister. Allein das noch ungesichtete Karten- und Bildmaterial verspreche hier viel Interessantes. Die beiden Leiter des Staatsarchivs regten an, in Thurnau den bereits einmal bestehenden "Historischen Arbeitskreis" wiederzubeleben. Der könnte sich mit den Ergebnissen der Forschungsarbeit auseinander setzen. Auch Harald Stark wirbt für eine weitere Aufbereitung des Materials. "Solche Unterlagen verraten unglaublich viel über die Geschichte eines Ortes", sagt der Kastellan der Plassenburg. Ein wahrer Schatz für jeden Heimatforscher eben. red