Der Diebstahl eines auffälligen und hochwertigen Damenfahrrads im Herbst vergangenen Jahres beschäftigt noch immer die Justiz in Kulmbach. Erst vor wenigen Wochen war ein ursprünglich als Täter geltender Angeklagter freigesprochen worden. Dafür wurde jetzt ein 23-jähriger Mann, der das Rad zuletzt gefahren hatte, wegen Hehlerei verurteilt.

Aus dem Keller verschwunden

Eine 55-jährige Kulmbacherin hatte im September festgestellt, dass ihr orangefarbenes Damenfahrrad nicht mehr an seinem Platz im Keller eines Mehrfamilienhauses stand. Also erstattete sie Anzeige gegen unbekannt.

Einige Wochen später entdeckte ihr Schwiegersohn den auffälligen Drahesesl, der damals noch einen Zeitwert von rund 400 Euro hatte und in der Nähe der Berufsschule abgestellt war. Der 34-Jährige legte sich auf die Lauer und stellte den jetzigen Angeklagten zur Rede, der mit dem Rad wegfahren wollte. Doch der wollte das gute Teil nicht gestohlen, sondern über ein paar Ecken von einem Bekannten geschenkt bekommen haben. Weitere Aussagen machte er vor Gericht nicht.

"Er hat es anstandslos hergegeben"

"Wenn man ein Fahrrad in diesem Wert geschenkt bekommt, dann gibt es doch eigentlich keinen Zweifel daran, dass es von einer unrechtmäßigen Handlung kommt", sagte Richterin Sieglinde Tettmann, doch der Angeklagte schwieg weiter. Auffällig war auch, dass er das Fahrrad nach seiner Entdeckung ohne Wenn und Aber herausgab. "Er hat es anstandslos hergegeben", sagte der Schwiegersohn, der den jungen Mann abgepasst hatte.

Die Eigentümerin gab an, dass sie ihr Rad erst kurz zuvor wieder fit für die Fahrradsaison machen ließ und dafür über 200 Euro berappen musste. Richtig kaputt sei es nicht gewesen, als sie es wieder zurückbekam, mitgenommen habe es aber schon ausgesehen. Wahrscheinlich war es tatsächlich durch mehrere Hände gegangen. De Frau musste erneut 125 Euro investieren, um wieder in den Sattel steigen zu können.

Eine Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung wegen Hehlerei beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Der Anklagevertreter begründete seinen Antrag mit den insgesamt neun Vorstrafen des jungen Mannes, mehrere darunter einschlägig, also wegen Diebstahls, aber auch wegen gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.

"... dann sind Sie fälllig"

Richterin Tettmann sah das ein wenig anders und urteilte auf eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro. Alle bisherigen Strafen seien per Strafbefehl ausgesprochen worden, damit musste sich der Beschuldigte jetzt zum ersten Mal in einer Hauptverhandlung verantworten, was ihn auch sichtlich mitnahm.

"Wenn jetzt noch einmal was passiert, dann gibt es eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung", sagte die zum Angeklagten. Das gelte auch für Diebstähle extrem geringwertiger Dinge. "Wenn sie jetzt wieder was machen, dann sind sie fällig", so Tettmann. Auch wenn der Weg des Fahrrads nicht ganz eindeutig nachvollzogen werden konnte, stehe für das Gericht fest, dass der Angeklagte das Rad auf jeden Fall unrechtmäßig in seinen Besitz gebracht habe. Es gebe keinen vernünftigen Zweifel, dass da irgendetwas faul sei.

Nicht ganz auszuschließen sei es auch, dass der Angeklagte selbst der Fahrraddieb sei. Die Chance, Licht ins Dunkel zu bringen, habe der junge Mann durch sein Schweigen verpasst.