In erheblichem Umfang hatte ein 42-jähriger Arbeiter aus Münchberg mit der gefährlichen Droge Crystal gedealt. Im Strafprozess vor dem Kulmbacher Schöffengericht war es deshalb keineswegs selbstverständlich, dass der nicht vorbestrafte Mann tatsächlich mit einer Bewährungsstrafe davon kommen würde. Nur seinem Verhalten während der Verhandlung ist es zu verdanken, dass er nicht ins Gefängnis muss. Der Mann hatte reinen Tisch gemacht, erhebliche Aufklärungsarbeit geleistet und nichts beschönigt.

Wegen des Besitzes von Crystal und des Handeltreibens in sechs Fällen verurteilte ihn das Schöffengericht unter Vorsitz von Nicole Allstadt zu eineinhalb Jahren auf Bewährung. Das Gericht setzte allerdings einen ganzen Katalog an Auflagen fest, die den Angeklagten in den kommenden Jahren immer wieder an seine Taten erinnern werden. So muss er 75 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, regelmäßige Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen und alle drei Monate zum Haar- und Urintest erscheinen.

Den Job verloren

Zusätzlich muss er 4460 Euro bezahlen, dabei handelt es sich um die Summe, die er mit seinen Drogengeschäften umgesetzt hatte. Am schwersten dürfte es den Angeklagten allerdings treffen, dass er wegen des Verfahrens seinen Job verloren hat. Der Mann hatte von einer mittlerweile ebenfalls dingfest gemachten Frau aus Weißenfels in mehreren Einzelfällen insgesamt 65 Gramm Crystal angekauft. Den Stoff verkaufte er in kleineren Mengen an die verschiedensten Abnehmer hauptsächlich im Kulmbacher Raum. Einen Teil davon zwackte er für sich ab und konsumierte auch gerne mal selbst. Die Sache schien durchaus lohnenswert, denn während er seiner Dealerin 40 Euro pro Gramm bezahlen musste, vertickte er den Stoff zu einem Grammpreis von 100 Euro, einmal sogar auch noch "gestreckt", also mit Nahrungsergänzungsmittel gemischt.

Lange ging das freilich nicht gut. Schon bald geriet er in Himmelkron an einen verdeckten Ermittler der Polizei, dem er zwei Mal jeweils rund zehn Gramm, beim dritten Mal gleich 15 Gramm verkaufen wollte. Da schlug die Falle zu, seine Wohnung wurde durchsucht. Jede Menge Drogenutensilien stellten die Beamten sicher, aber auch ein verbotenes Springmesser. Sogar eine Fahrt unter dem Einfluss von Drogen von Münchberg nach Himmelkron konnten sie dem Angeklagten im Zuge der Ermittlungen nachweisen.

Glücksspiel finanziert?

Über seinen Verteidiger Stephan Schultheiß aus Bayreuth ließ der Angeklagte sämtliche Vorwürfe einräumen. Er bedauere zutiefst, dass es so weit gekommen ist. Ob der Mann das eingenommene Geld wirklich für Geschenke und für das Glücksspiel ausgegeben hatte, konnte nicht mehr festgestellt werden. Auch um den eigenen Lebensunterhalt aufzubessern und seine eigene Sucht zu befriedigen, habe er die Gewinne verwendet. Der Verteidiger kritisierte auch die Polizei. Er fragte, warum man den Angeklagten nicht gleich beim ersten Mal dingfest gemacht, sondern noch zwei weitere Geschäfte in die Wege geleitet habe. "Ein Anlauf hätte gereicht, um den Nachweis für Drogenhandel in nicht geringer Menge zu erbringen", sagte Schultheiß.

Es mute schon etwas eigenartig an, dass man so lange zuschaue, so der Rechtsanwalt, der auch von einer "Tatprovokation" sprach. "Es kann nicht sein, dass die Polizei Fälle generiert, um die dann abgeurteilt zu bekommen", schimpfte Schultheiß.

Eine gewissen Tatförderung sei sicher auch durch die Ermittlungsbehörden erfolgt, pflichtete ihm sogar Richterin Allstadt bei, während Staatsanwalt Stefan Käsbohrer die Polizisten verteidigte. Schließlich seien mit den Probenkäufen auch Drogen sichergestellt worden, die damit nicht in den Umlauf gelangten.

Bewährung verdient

Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten hatte der Staatsanwalt beantragt. Er habe keinen Zweifel mehr daran, dass sich der Angeklagte die Bewährung verdient habe. Verteidiger Schultheiß plädierte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Sein Mandant habe seine Dealerin und seine Abnehmer benannt und damit erhebliche Aufklärungshilfe geleistet.

Schon allein durch den Jobverlust habe der Angeklagte die Konsequenzen seines Handels deutlich zu spüren bekommen, sagte Richterin Allstadt in der Urteilsbegründung.