Kein Führerschein, alkoholbedingt absolut fahruntüchtig und dann auch noch die Spuren eines Joints im Blut: So steuerte ein 38-jähriger Mann aus dem Landkreis Kulmbach am 28. Juni gegen Mitternacht seinen Rasenmähertraktor über eine Staatsstraße im Kulmbacher Oberland. Klar, dass die Polizei den Mann kontrollierte, zumal das Gefährt auch keine Beleuchtung hatte.

Wegen Trunkenheit im Verkehr musste sich der Hilfsarbeiter jetzt vor dem Amtsgericht verantworten. Er wurde zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro verurteilt.

Nur 200 Meter Wegstrecke ...

"Das war wirklich ein dummer Fehler", sagte der von Hartz IV lebende Mann vor Gericht. Es sei ihm schon bewusst gewesen, dass er eigentlich nicht mehr fahren durfte. Er habe allen Ernstes zu mitternächtlicher Stunde noch den Rasen eines Trainingsplatzes gemäht und musste im Anschluss daran - es war bereits wenige Minuten nach Mitternacht - rund 200 Meter am Rand der Staatsstraße entlangfahren. Ausgerechnet dabei kam ihm die Streife der Stadtsteinacher Polizei in die Quere. "Als er uns sah, hat er schnell noch eine Flasche Bier in den Graben geworfen", sagte der Polizeibeamte. Trotzdem musste sich der Hilfsarbeiter einem Alkoholtest unterziehen, denn der Geruch sei deutlich wahrnehmbar gewesen. Das Ergebnis lag bei 1,26 Promille.

Doch damit nicht genug: Bei der anschließenden obligatorischen Blutprobe wurde auch noch festgestellt, dass der Angeklagte kurz zuvor Drogen konsumiert haben muss. Einen Joint bei einer Feier am Abend zuvor gab er zu.

Fast zum Verhängnis wurde dem Angeklagten sein umfangreiches Vorstrafenregister. Zehn Einträge waren dort seit 2005 verzeichnet, darunter gleich mehrfach Drogendelikte, Betrügereien, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Immer wieder wurde der Angeklagte zu Geldstrafen verurteilt, einmal sogar zu einer Freiheitsstrafe, von der er einen Teil absitzen musste. Seinen Führerschein hatte er wegen seiner Drogensucht schon lange abgeben müssen. Damit sei aber schon lange Schluss, stellte der Angeklagte klar. Seit einer Therapie habe er keinerlei Probleme mehr mit Rauschgift. Zwei- bis dreimal habe er auf Partys an einem Joint gezogen, mehr nicht. Dummerweise aber auch am Abend des 28. Juni.

Angeklagter kommt noch recht glimpflich davon - Richterin: "Wirklich eine Schnapsidee"

Eine wesentlich höhere als die letztlich verhängte Geldstrafe hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Der Anklagevertreter plädierte auf 90 Tagessätze zu jeweils 15 Euro (1350 Euro). Mit 1,26 Promille sei der Angeklagte über der Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit gewesen. Dazu kämen die vielen, teils einschlägigen Vorstrafen.

Richterin Sieglinde Tettmann blieb mit den verhängten 700 Euro deutlich darunter. Der Angeklagte sei zwar absolut fahruntüchtig gewesen, habe aber nur eine mit 200 Meter extrem kurze Strecke zurückgelegt, noch dazu zu einer Uhrzeit, zu der kaum jemand unterwegs gewesen sei, und darüber hinaus auch noch mit einer "selbstfahrenden Arbeitsmaschine", wie der Rasenmähertraktor im Amtsdeutsch korrekt heißt. Mit einem Pkw oder gar einem Lkw wäre die Sache wohl anders ausgegangen. "Das Ganze war wirklich eine Schnapsidee", meinte die Richterin.