Große Fische sind es nicht, die das Bayreuther Landgericht am Montag in einem Drogenprozess an Land zieht. Aber zumindest ist wieder "eine Spitze des Kulmbacher Eisbergs" abgeschlagen, wie es Vorsitzender Michael Eckstein in der siebenstündigen Verhandlung hintergründig formuliert.

Und es werden wohl noch unzählige folgen, schenkt man Staatsanwalt Michael Hoffmann glauben, "denn in Kulmbach haben wir gründlich aufgeräumt".

Bei den drei Kulmbachern, die sich am Montag zu verantworten haben, handelt es sich um einen 33-jährigen Handwerker, seine 28-jährige Ehefrau und eine ebenfalls 28-jährige Freundin der Familie. Kennengelermt haben sie sich vor einigen Jahren mehr oder minder über die Kinder - sie sind heute 6, 7 und 10 Jahre alt.

Dass der 33-Jährige seit geraumer Zeit Drogen konsumiert, ist allen bekannt.
Der Ehefrau ("Ich fand's nicht so toll, dass er das macht") und der Freundin ("Ich hab' da mal was liegen sehen") auch. Und gerade sie ist nicht uninteressiert, weil sie selbst zu Crystal Speed greift. Was wohl auch der familiären Situation geschuldet ist: Der Vater alkoholabhängig, der Freund trennt sich, als er von ihrer Schwangerschaft erfährt, und der spätere Ehemann ahnt ihren Drogenkonsum, macht ihn in der Familie öffentlich, geht.

Auch der Lebensweg des 33-Jährigen ist alles andere als normal: 1994 Einreise nach Deutschland, schwerer Arbeitsunfall, der ihn zwei Jahre aufs Krankenlager schickt, Unfalltod der Mutter und zunehmender Alkoholkonsum des Vaters.


Mit Therapie erfolgreich

Die eigene Abhängigkeit vom Alkohol bekämpft er erfolgreich in einer Therapie. Nicht aber die Drogensucht. Der Handwerker, dem Kripo-Fahnder durch andere Abhängige auf die Spur kommen, ist in der Kulmbacher Szene seit Jahren aktiv. Insgesamt acht Eintragungen im Bundeszentralregister künden davon. Aber auch von Gewalttätigkeit, Diebstahl, Nötigung und Trunkenheit im Verkehr.

Dass sich der 33-Jährige am Montag abermals vor Gericht verantworten muss, ist "Ausflügen" im Herbst vergangenen Jahres nach Cheb zuzuschreiben. Da er selbst einschlägig vorbestraft ist, schickt er die gemeinsame Freundin mehrmals dorthin, um an Crystal Speed zu kommen. Dafür soll die junge Frau jeweils mit einigen Gramm der Drogen entlohnt werden. Die eigene Frau ist in einem Fall dabei, um den Deal zu überwachen.


Dreifaches Pech

Pech für das Trio: Zielfahnder der Kripo haben das Telefon des 33-Jährigen angezapft und erwischen den Mann mit dem Rauschgift in seiner Wohnung. Doppeltes Pech für das Trio. Die 28-jährige Botin läuft den Beamten dabei ebenfalls in die Arme. Und packt auch noch umfassend aus.

Nach ihren Angaben ergibt sich ein relativ klares Bild der Drogenfahrten. Demnach erhielt sie vom 33-Jährigen jeweils zwischen 400 und 500 Euro, um in Cheb Crystal Speed zu besorgen. Bei ersten Besuch kneift die Frau, denn die Kinder sind dabei.

Am 31. Oktober vergangenen Jahres aber klappt alles. Die junge Frau besorgt bei einer zuvor vom Besteller mitgeteilten Adresse das Rauschgift und bringt es gemeinsam mit dessen Ehefrau zurück nach Deutschland, dafür bekommt sie den vereinbarten "Trägerlohn".

Die dritte Fahrt am 19. November soll dann auch schon die letzte sein. Mit einer ahnungslosen Freundin reist die Frau nach Tschechien, kauft ein und reist zurück zum Auftraggeber, den gerade die Polizei in seiner Wohnung dingfest gemacht hat.

Während die beiden 28-jährigen Frauen, vor allem die Botin, die Fragen des Gerichts umfassend beantworten, mauert der 33-Jährige immer wieder und führt Gedächtnislücken ins Feld. Dem beisitzenden Richter Alois Meixner, aber auch Michael Eckstein, gefällt die Nummer vom gedächtnisschwachen Unschuldslamm nicht. Beide machen Druck. Eckstein ("So ein Rumgeeiere und Rumgehaspel") tut das mit der Verlesung eines Briefes, den der seit November 2012 in Untersuchungshaft sitzende Auftraggeber verfasst hat und in dem er die 28-Jährige in den Dreck zieht und Falschaussagen bestellt. Und mit einem Blick ins Vorstrafenregister, durch den deutlich wird, dass der Mann wohl Bewährungsfristen umgehen will.

Am Ende schicken Schöffen und Richter den 33-Jährigen wegen Anstiftung und versuchter Anstiftung zur Drogeneinfuhr in nicht geringer Menge drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Seine Ehefrau wird wegen der Beihilfe zur Einfuhr zu neun Monaten Haft auf drei Jahre Bewährung verurteilt und muss 75 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.


"Das soll sich draußen herumsprechen"

Die Drogenbotin bekommt ein Jahr und sechs Monate auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem wird sie einem Bewährungshelfer unterstellt und muss 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. Mit diesem milden Urteil wird auch die Tatsache gewürdigt, dass die 28-Jährige mit den Ermittlern zusammengearbeitet und sich selbst sofort um einen Therapieplatz gekümmert hat. Diese Haltung und das Urteil "soll sich draußen herumsprechen", so Michael Eckstein. Die Verurteilte ist dafür dankbar: "Ich bin froh, dass meine Drogenkarriere ihren Abschluss finden kann."