"Die drei Haxn", das sind Anni Preuß, Claudia Pichler und Michael Well, einer der Well-Brüder von der "Biermösl Blosn". Direkt und deftig präsentierte sich das Trio, das nach eigener Aussage in Sachen Bühnenpräsenz eher noch in den Kinderschuhen steckt, am Freitagabend mit seinem Programm "Mehr Fleisch" im Kulmbacher Brauereimuseum.


Die weiteste Reise

"Das war unsere bisher weiteste Reise überhaupt", sagte Claudia Pichler. "Wir haben uns extra impfen lassen", ergänzte Michael Well. Klar, wenn man aus dem tiefen Bayern nach Oberfranken reist - da muss man gerüstet sein. Dabei war alles halb so schlimm. Die Kulmbacher Zuschauer hatten selbst mit dem bayerischen Dialekt keine Probleme, was das Trio anfänglich befürchtet hatte. Mit selbst geschriebenen, humorigen Liedern, Gstanzln und sogar tänzerischen Einlagen begeisterten "Die Haxn" ihr Publikum, wohl gerade auch deshalb, weil sie nicht perfekt daherkamen.


"Ich habe keine Erfahrung"

"Ich habe eigentlich gar keine musikalische Erfahrung", berichtete Claudia Pichler, die vor kurzem ihre Doktorarbeit in Literaturwissenschaften abgegeben hat. Schreiben und Lesen seien eher ihre Welt. Und doch spielt sie auf der Bühne Quetsche, Gitarre und eine übermächtige Tuba. "Die Anni macht ja schon länger Musik", meinte sie - und nicht nur das: Anni Preuß verfügt auch über echte Stimmgewalt. Die Gymnasiallehrerin für Englisch und Geschichte hat die Literaturexpertin im Theater kennengelernt. "Wir arbeiteten beide als Einlassdamen im Münchner Lustspielhaus", sagte Anni, die ab und zu selbst Theater spielt.


Vom Speicher geholt

Und wie kommt man da zu einem erfahrenen Hasen wie Michael Well? "Ich arbeite bei Michael im Büro", teilte Claudia Pichler mit, die an ihrem 29. Geburtstag die alte Quetsche ihrer Oma vom Speicher geholt hat. Die Drei haben da zur Gaudi musiziert. Aus der Gaudi wurde ein Selbstläufer. "Kennt ihr ,Die drei Haxn'"?, hieß es immer öfters, und vor einem Jahr stand dann der erste Auftrittstermin fest - noch vor der ersten Probe. "Da mussten wir was tun", sagte Anni Preuß. Seitdem tritt das Trio auf Kleinkunstbühnen auf.

Die Drei, die auf den ersten Blick gar nicht so recht zusammenpassen, ergänzen sich prächtig. Anni und Claudia profitieren von der Erfahrung eines Michael Well, und der genießt die Interaktion mit "den jungen Leuten". "Es ist eine ganz andere Generation, und ich finde es interessant, mich mit ihrer Denkweise auseinander zu setzen", so der Bühnenprofi.


Sehnsucht nach dem Normalen

Das Geheimnis des Erfolgs sieht er darin, dass die Künstler ihre Leidenschaft auf das Publikum übertragen. Da verzeiht man auch mal einen Schnitzer, noch dazu, wenn die Künstler dazu stehen. "Ich glaube, in einer Zeit der Perfektion haben die Menschen Sehnsucht nach dem Normalen", sagte Well und ergänzte: "Wir haben so viel Spaß dabei." Genau wie das Kulmbacher Publikum, das wohl am liebsten noch Stunden weiter zugehört hätte.