Kreisfachberater Friedhelm Haun war von der Triebenreuther Dorfgemeinschaft beeindruckt: "Die aktive Bürgerschaft hier ist herausragend", sagte er bei seinem Rundgang durch den kleinen Stadtsteinacher Ortsteil. Der Leiter der Bewertungskommission im Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" besuchte mit den weiteren Mitgliedern außerdem noch Neudrossenfeld, Guttenberg und Waizendorf.
inFranken.de schaute sich in den kleinen Dörfern Waizendorf und Triebenreuth mit um.

Blick über den Frankenwald

Idylle hier wie da. In Triebenreuth schlenderte die Kommission durch Streuobstwiesen, genoss den Blick weit über die Höhen des Frankenwalds. An einer Station wurden urige Fettbrote serviert, an einem Backofen demonstrierte Thomas Völkel die Kunst des Brotbackens.


Den Ofen hat der gelernte Bäcker statt eines ursprünglich geplanten Grills gebaut. Den Ofen geben wir nicht mehr her", schmunzelt Völkel. Denn: "Wenn man einschürt, macht das richtig Freude." Brot, Pizza, Haxen, alles findet den Weg in den Ofen, der das ganze Jahr in Betrieb ist.

Seinen letzten offiziellen Auftritt als Ortssprecher hatte René Seifert, der die Besucher durch den Ort führte. Er wies darauf hin, dass das Dorf eine eigene Wasserversorgung ebenso besitzt wie eine eigene Kläranlage. Dass der Gemeinschaftsraum im Feuerwehrhaus seit 1995/96 der Dorfmittelpunkt ist, nachdem das Wirtshaus seine Tore schloss.

Den Ideenreichtum und die Tatkraft der Bewohner lobte Bürgermeister Roland Wolfrum. "Sie sind hier für den Wettbewerb geradezu prädestiniert."

Ein Lob auch von Kreisfachberater Haun: "Ein kleiner Ort, in dem es viel zu sehen gibt." Und dessen Bewohner Visionen haben: zum Beispiel, aus den Früchten der Streuobstwiese einmal eigenen Birnenschnaps zu brennen und das alte Feuerwehrhaus in der Ortsmitte, an dem die Zeit schon ihre Spuren hinterlassen hat, herzurichten. Der erst vier Jahre alte Gartenbauverein mit Vorsitzender Christine Fischer an der Spitze zeige, dass sich die Bürger "hier zusammengefunden haben".

Von Waizendorf beeindruckt

Sehr beeindruckt war die siebenköpfige Kommission auch vom Trebgaster Ortsteil Waizendorf. "Ihr habt schon dadurch gewonnen, dass ihr teilnehmt", äußerte sich der Vorsitzende des Kreisverbands Gartenbau Kulmbach, Günter Reif am Ende der Besichtigungsrunde.

"Waizendorf ist schon deshalb berechtigt, sich hier zu beteiligen, weil es mit Hilfe der Bevölkerung gelungen ist, alte Anwesen in ihrer Ursprünglichkeit, ihrer Natürlichkeit zu erhalten, zu sanieren und zu erneuern. Die Gemeinde unterstützt dieses Vorhaben, mit den offenen Flächen den Charakter des Dorfes so zu bewahren, wie es die Bewohner wollen", erläuterte Bürgermeister Werner Diersch der Kommission.

Er verhehlte allerdings nicht den Pferdefuß dabei: Dem Unwetter vor einigen Tagen sind diesmal alle unbefestigten Flächen zum Opfer gefallen. Selbst alteingesessene Einwohner konnten sich nicht erinnern, dass das Wasser in solchen Sturzbächen die Hänge hinunter rauschte, dabei alles, was nicht geteert war, mitriss, auf den Dorfplatz und die Staatsstraße schwemmte und innerhalb einer Stunde die Staatsstraße im Ort auf einer Länge von einhundert Metern in einen See verwandelte.

Der Vorsitzende des Gartenbauvereins, Herwig Neumann, ging anhand von Schautafeln auf die Geschichte des Dorfes ein. Optimistisch stimme ihn die positive Entwicklung in den letzten zehn Jahren, in denen viele junge Leute alte Häuser renoviert haben oder noch dabei sind. Aber auch Neubauten, die sich dem Charakter ihrer Umgebung anpassten, seien entstanden. Derzeit gebe es nur ein leer stehendes Gebäude im Ort.

Viele Fachwerkhäuser

Ehrenvorsitzender Friedrich Müller verwies darauf, dass Ortsverschönerung in Waizendorf absolut kein Novum ist. "Wir wussten schon immer, dass Waizendorf in einem solchen Wettbewerb schon allein wegen seiner vielen Fachwerkhäuser und seiner wunderschönen Gärten bestehen kann. Das Aussehen des Ortes habe schon immer den Kriterien entsprochen, die in solch einem Wettbewerb herausgestellt werden sollen", betonte er.

Die Tafeln an einem Stein neben dem Dorfbrunnen zeugen davon, dass bereits 1983/84 schon Preise dafür errungen wurden, zuletzt 2011 der 1. Preis beim Kreiswettbewerb "Mitte des Dorfs". Dabei wurde die Familie Dengler mit einem Sonderpreis des Landrats ausgezeichnet. "An diesem Haus haben schon so viele Generationen gearbeitet. Wir wollen die Tradition fortsetzen", begründete Gerhard Dengler sein Engagement, dieses im 17. Jahrhundert errichtete Bauernhaus zu erhalten.

Kreisfachberater Haun gefielen besonders der nicht versiegelte Dorfmittelpunkt sowie die blühenden Gärten und der alte, großkronige Baumbestand.