Es hatte sich so gut angehört, als Kabel Deutschland im Januar 2012 versprochen hatte, auf eigene Kosten das Breitband-Netz auszubauen. Siegfried Decker, Bürgermeister von Neuenmarkt erklärt, dass das schnelle Internet für die Gemeinde ein großer Gewinn ist: "Eine leistungsfähige Breitbandversorgung zählt heute zu den wichtigsten Standortfaktoren einer Gemeinde. Sie ist genauso wichtig wie Straßen, Wasser, Abwasser und Energieversorgung."

In Neuenmarkt wird das schnelle Internet kommen, doch seit Montag steht fest, dass es in Wirsberg nicht so problemlos klappen wird. Der Wirsberger Bürgermeister Hermann Ansel stetter ist empört: "Uns wurde mehrfach zugesichert, dass der Markt Wirsberg ab September 2013 das Breitband-Internet bekommt." Daher habe der Markt Wirsberg Kabel Deutschland im Ortsteil Sessenreuth eine Fläche zu sehr guten Konditionen zu Verfügung gestellt.
"Dort wurde ein Technikcontainer aufgestellt, von dem aus ein Umkreis von 25 Kilometer bedient werden sollte", so Anselstetter.

Hintergrund der Geschichte ist, dass in Wirsberg eine ehrenamtlich geführte Antennengemeinschaft die Versorgung der Haushalte mit Kabelfernsehen seit den 1950er Jahren übernommen hatte. Die damals gelegten Kabel entsprechen jedoch nicht den heutigen Standards, die Kabel Deutschland als Voraussetzung für den Breitbandanschluss an den Tag legt.

Für die Versorgung mit Kabelfernsehen arbeitet Kabel Deutschland schon seit Jahren auch in Wirsberg über das vorhandene Netz. Gisela Bauer, Pressereferentin von Kabel Deutschland, sagt deshalb, dass Wirsberg in den Kundendaten erfasst ist, da eine Kooperation mit der Antennengemeinschaft bestehe. "Es hat sich jetzt jedoch herausgestellt, dass das Netz ist nicht geeignet ist für Breitband-Internet, da wir keine störungsfreie Versorgung garantieren könnten."

Schlampige Arbeit

Allerdings stellt Anselstetter fest: "Die haben schlampig gearbeitet." Der Markt Wirsberg habe über Monate hinweg darauf hingewiesen, dass es keine Leitungen von Kabel Deutschland gebe. Kabel Deutschland habe aber immer darauf bestanden, dass dem so sei. Nun seien die Leitungen geprüft, und es sei festgestellt worden, dass die Versprechen nicht gehalten werden können.

Kabel Deutschland verweist währenddessen darauf, dass es für den Wirsberger Breitbandanschluss noch Hoffnung gebe: Dazu wurden zwei Vorschläge ausgearbeitet. Zum einen könnte man jedem Haushalt, der das schnelle Internet möchte, für 990 Euro einen neuen Anschluss legen. Zum anderen spricht Uwe Rettner, Leiter des Direktvertriebs Nord bei Kabel Deutschland, die Möglichkeit des Breitband-Förderprogramms 2012-2017 an. Dann müsste sich die Kommune finanziell beteiligen.

Hermann Anselstetter schließt dies jedoch aus: "Wir werden es nicht hinnehmen, dass unsere Bürger für den Neuanschluss rund 1000 Euro bezahlen müssen. Gegebenenfalls überprüfen wir auch, rechtliche Schritte einzuleiten, damit Kabel Deutschland das erfüllt, was uns zugesichert wurde."

Doch mit Wirsberg endet das Problem noch nicht. Auch Trebgast und Marktschorgast haben teilweise eine Versorgung durch die örtlichen Antennengemeinschaften. Und dort wurde bisher noch nichts überprüft.