Eigentlich ist er ausschließlich für "fliegende Bauten" wie Achterbahnen in Freizeitparks zuständig. Doch in dieser Woche musste Ingenieur Michael Smida vom TÜV Süd Industrie Service GmbH in München auch den Check der Wasserrutsche im Wirsberger Sommerbad übernehmen. Grund: Der dafür zuständige TÜV-Ingenieur weilt derzeit in südlichen Gefilden und überprüft in Spanien derartige Rutschanlagen.

Jedes Jahr zu Beginn der Badesaison wird die Wasserrutsche im Luftkurort auf Herz und Nieren untersucht, damit für die Badegäste "grünes Licht" gegeben werden kann. Die Wirsberger Freizeiteinrichtung wird am Samstag um 9 Uhr eröffnet.

Bürgermeister Hermann Anselstetter nahm sich die Zeit, den Sachverständigen bei der TÜV-Inspektion zu beobachten.
"Die Wasserrutsche ist immer noch die Attraktion unseres Schwimmbads, weil sie mit 117 Metern die längste in ganz Nordbayern und auch nach 28 Jahren noch in einem hervorragenden Zustand ist", so Ansel stetter, demzufolge die Anlage nicht nur vom TÜV, sondern auch von den Bademeistern täglich inspiziert und zu Saisonbeginn auch gewartet wird.

In der Regel sind das kleinere Arbeiten, wenn zum Beispiel die Sonneneinstrahlung die Fugen-masse zwischen den Elementen beeinflusst und wieder ergänzt werden muss. Bislang wurden auf der Bahn weit über vier Millionen Rutschpartien gezählt.

Bislang kein einziger Unfall

Worauf die Verantwortlichen des Sommerbades und der Marktgemeinde besonders stolz sind: Es kam bislang zu keinem einzigen Unfall. Der Bürgermeister: "Das ist ein Glücksfall. Natürlich kommt es mal vor, dass einer dem anderen in den Rücken rutscht, aber das sind unbedeutende Dinge. Die Bahn war ihr Geld absolut wert."

Ursprünglich sollte das ehemalige Freibad, das 1956 als Waldschwimmbad errichtet wurde, vor rund 30 Jahren komplett abgerissen werden, wenn es nach den Vorstellungen der Regierung von Oberfranken gegangen wäre. "Wir sollten vollkommen neu bauen, es waren um die sechs Millionen Mark im Gespräch", erinnert sich Ansel stetter. Der Marktgemeinderat habe damals aber beschlossen, weder die Gebäude noch die Becken einzureißen. Die Idee mit der Rutschbahn sei ihm bei einem Seminar in Kochel am See gekommen. "Dort gab es die damals einzige Wasserrutsche in Bayern." Wenig später sei dann die Idee einer frei tragenden Rutsche in Wirsberg umgesetzt worden. "Seitdem tut sie ihren Dienst."

Hinweisschild ist wichtig

Doch zurück zur Rutsche. TÜV-Ingenieur Smida widmet sein Hauptaugenmerk inzwischen dem Aufstieg und der Bahn: "Ich habe die Treppe geprüft, dass man sich an Füßen oder Händen nicht verletzen kann. Auch das Schild, das den Rutschvorgang erläutert, ist wichtig. Denn es kommt immer wieder vor, dass einer bäuchlings voran rutscht. Das ist verboten, und wenn kein Schild da ist, machen das alle so." Die sicherste Haltung sei Sitzen, wobei es dabei am langsamsten vorangehe. Zulässig sei aber auch die Dreipunkt-Haltung, also auf den Versen, dem Hintern und den Schultern. Rutschen im Doppelpack ist nicht zulässig. Für wichtig hält es Smida, "dass die Bademeister bei Verstößen sofort rigoros eingreifen.

Jetzt läuft der Ingenieur die Bahn Meter für Meter ab und achtet besonders auf Risse im Material, das nicht besonders UV-stabil ist. Fugen, Abplatzungen, scharfe Kanten - dem Ingenieur entgeht nichts.

Schließlich geht es zum Auslauf. Michael Smida: "Dort muss die Wassertiefe stimmen, denn es kann ja auch sein, dass ein Nichtschwimmer rutscht. Jeder Gast muss möglichst schnell aus dem Becken rauskommen."
Die Erklärung des Ingenieurs, warum er so peinlich genau arbeitet, ist einleuchtend: "Man übernimmt Verantwortung. Ansonsten steht man mit einem Bein im Gefängnis."