Die drei jungen Burschen sahen, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Mit hängenden Köpfen saßen sie vor Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner, zeigten sich reuig. Dabei standen die drei nicht wegen einer Lappalie vor dem Kadi: Sie mussten sich wegen Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten.
Einer der jungen Männer lebt im Landkreis Kulmbach, die beiden anderen stammen aus dem Raum Bayreuth. In der Wagnerstadt war es auch, wo sie am 22. Januar 2012 ihre Tat verübten.

Missglücktes Drogengeschäft


Vorausgegangen war der Sache ein missglücktes Drogengeschäft. Einer der Angeklagten hatte dem späteren Opfer 100 Euro gegeben, um im Gegenzug dafür Marihuana zu erhalten. Doch von dem Rauschgift sah er nie etwas. Deshalb beschloss der junge Mann, sich das Geld zurück zu holen.

Dazu bedienten sie sich einer List: Einer der Angeklagten lockte das Opfer aus dessen Wohnung auf die Straße. Dort lauerten bereits die beiden anderen hinter einem Auto. Sie sprangen den Bayreuther an, rangen ihn zu Boden und schleppten ihn in einen dunklen Straßenabschnitt. Dort nahmen sie ihm das Geld (25 Euro) sowie die Papiere ab und machten sich aus dem Staub. Aber nicht ohne vorher die Drohung auszusprechen, am nächsten Tag wieder zu kommen, sollte er die Polizei rufen.

"Das haben Sie ja clever eingefädelt. Sie haben jemanden geschickt, um das Opfer heraus zu locken. Das war ja wie im Film", sagte Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner.

Der Mann, der sein Geld wiederholen wollte und deshalb die Tat initiiert hatte, nahm vor Gericht die Schuld auf sich: "Wenn ich nicht wäre, hätten die anderen nichts gemacht." Er selbst sei noch nie auf jemanden so losgegangen und "wird mit Sicherheit so etwas nicht wieder tun", versicherte er.

Einem der Angeklagten wurden noch zwei weitere Vergehen zur Last gelegt: Er soll eine junge Frau bei einer Faschingsveranstaltung im Landkreis Kulmbach beleidigt und geschlagen haben. Dieses Verfahren wurde aber eingestellt. Das zweite Vergehen, die unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln (zwei Gramm Crystal Speed aus Tschechien), floss ins Urteil ein.

"Will Leben auf die Reihe kriegen"


Dieser Jugendliche war bei Richter Berner kein Unbekannter mehr, hatte schon wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und unerlaubten Besitzes und Führen einer verbotenen Waffe Bekanntschaft mit dem Gesetz gemacht. Er räumte Drogenkonsum seit seinem zwölften Geburtstag ein und versicherte: "Ich will mein Leben auf die Reihe kriegen."

Der dritte im Bunde konnte sich nicht mehr erklären, "warum ich mitgemacht habe". Es sei nur geplant gewesen, "Druck zu machen und niemanden auszurauben". Er habe sich beim Opfer entschuldigt und ihm bereits Geld zur Wiederbeschaffung von Dokumenten überwiesen.

Obwohl sich alle drei geständig und reuig zeigten, verwies Staatsanwältin Sandra Staade auf die "erhebliche kriminelle Energie", mit der die Tat begangen worden sei. Es habe sich um ein verabredetes Verbrechen gehandelt, wenn es auch in der Art und Weise nicht geplant gewesen sei.
Sie forderte für zwei Angeklagte Haftstrafen von einem Jahr und neun Monaten und für den Dritten einen Dauerarrest von einer Woche. Die Verteidiger waren für ein Jahr und drei Monate beziehungsweise einen Freizeitarrest.

Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner lag mit seinem Urteil in der Mitte: Der Initiator der Tat wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Haft zur Bewährung verurteilt. Zudem muss er 600 Euro an die Geschwister-Gummi-Stiftung zahlen.

Auch der zweite Angeklagte erhielt ein Jahr und sechs Monate Haft zur Bewährung. Er muss sich zudem einem Bewährungshelfer unterstellen, eine Ausbildung/Arbeit suchen, 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sechs Termine bei der Suchtberatungsstelle wahrnehmen. "Wir glauben, dass sie es noch schaffen können", gab ihm Berner eine letzte Chance.

Der dritte im Bunde erhält ein Wochenende Freizeitarrest und muss 400 Euro zahlen.

Den beiden auf Bewährung Verurteilten machte Christoph Berner mit Nachdruck deutlich, dass sie beim nächsten Fehltritt im Gefängnis landen können.