Noch heute steht diese Uhr nach über 100 Jahren liebevoll renoviert gegen Süden und zeigt dem Betrachter bei Sonnenschein die ungefähre Uhrzeit. Leider laufen viele Menschen achtlos vorbei und wissen nicht, dass dieses Haus mit der Adresse Kronacher Straße 2 einst eine vornehme Adresse in der Gastronomie, nämlich das Hotel "Zur Kette", war. Über 70 Jahre war dieses Haus ein über die Grenzen hinaus bekannter Anziehungspunkt für vornehme Besucher und Einheimische.

Eigentlich lag dieses Haus außerhalb der Stadtmauer und des Stadttores und wurde um 1800 Behausung am Hügel genannt. Von 1600 an tauchen verschiedene Besitzer mit Namen Seufert, Petzold, Dietz, Frischmann, ein Schreiner Waaß, Föhr, ein Bauer Gareis, Partheimüller und Gleich auf.
Im Jahre 1820 war auch eine Gendarmerie mit fünf Gendarmen in dem Gebäude untergebracht.

Im Jahre 1902 betritt - aus Kupferberg kommend - ein Privatier und Gastwirt namens Johann Kodisch die Bühne, der eine Margaretha Schubert aus der Kronacher Straße 7 ehelichte und die Gastronomie-Tradition begann. Um 1905 übernahm ein Hans Schubert das Lokal und eröffnete eine Weinstube. In einer Werbung von 1909 im Führer der "Sommerfrische Stadtsteinach" wirbt er für sein Weinrestaurant und bietet "reichhaltige Frühstücks-, Mittags- und Abend-Karte an". Die Namensgebung erklärt er mit seiner Filiale der "Kette" in Würzburg und München. Die Speise- und Imbissketten gab es auch schon vor über 100 Jahren, und in Stadtsteinach entstand in diesem Zusammenhang für diese Filiale der Name "Kette", der heute noch im Sprachgebrauch ist.

Anbau im Jahr 1927

Nach dem 1. Weltkrieg kam aus Tauschendorf bei Altenkunstadt ein Christian Müller in die Kette und nannte sich Hotelbesitzer. In erster Ehe war er mit Elsa Mathes, Marktplatz 16, verehelicht, in zweiter Ehe mit einer Barbara Schübel. Diese war eine Tochter des Bierbrauers und Wirts Wilhelm Schübel, des Besitzers des Gasthofes "Krone" in der Kulmbacher Straße. Im Jahre 1927 baute er sich nebenan ein Haus mit der Hausnummer 2a.

Um 1930 kommt aus Schlaggenwald in der Nähe von Karlsbad der Hotelier und Schlossermeister Anton Lochschmidt nach Stadtsteinach, um neben dem Hotel eine Kunstschmiede zu betreiben, wie in einer Werbung von 1951 zu lesen ist. Mit seiner Frau Auguste Elsa, geborene Lindig aus Tettau, hatte er zwei Töchter; Irene Lochschmidt ehelichte 1943 den Sohn des Schotterwerkbesitzers Johann Heiß aus der Bahnhofstraße 32, Friedrich Heiß, genannt Fritz. Deren Kinder Klaus Heiß und Gabriele Schübel bewohnen heute noch beide Häuser.

Die Familie Lochschmidt pflegte die Hoteltradition noch bis 1951 und richtete zusätzlich ein Café mit ein. Die im Nebengebäude untergebrachte Kegelbahn wurde in diesem Jahr aufgelassen zum Leidwesen vieler Stadtsteinacher.

Gepflegte Caféhausatmosphäre

Nun beginnt der Schwerpunkt in der Einrichtung von Konditorei und Cafe´. So tauchen Konditormeister als Betreiber in den Vordergrund. Arthur Jendrollik, Anita Schwarz, die 1954 den Gastwirt Johann Schmidt aus Oberzaubach ehelichte, August Halbig aus Hammelburg, Walter Barnikol aus Sonneberg in Thüringen und von 1960 bis 1966 Ernst Wolf aus Immenstadt bescherten den Einwohnern und den damaligen Bundesgrenzschutzsoldaten Süßes und eine äußerst gepflegte Caféhausatmosphäre.

Von 1967 bis 1971 versuchte Irene Heiß durch Neueinrichtung des Restaurants die Tradition fortzuführen, jedoch brachten die Veränderungen der Zeit nicht mehr den Erfolg, den "die Kette" einst hatte. So blieb nur noch der Hotelbetrieb bis 1974, bis endgültig Umbaumaßnahmen das Aussehen und den alten Glanz ersetzten.

Herrliche verschiedene Ansichtskarten von diesem stolzen Haus kursierten von 1900 an auf der ganzen Welt, und Sammler freuen sich, wenn einige wenige wieder den Weg zurückfinden. Wenn man heute an diesem Haus vorbeigeht und die Sonne scheint, so sollte man einen Blick auf die Sonnenuhr werfen und vergleichen, inwieweit die Zeitansage stimmt. Auf dem Foto von 1914 ist die Sonnenuhr noch nicht angebracht. Auf einer Ansichtskarte von 1917 ziert die Sonnenuhr bereits die Fassade.