Die Staffel - eigentlich ein Wort aus dem alemannischen Sprachgebrauch für Treppe, also eher im schwäbischen Bereich zu finden - ist in Stadtsteinach eine 1845 angelegte Verbindung zwischen dem Marktplatz und dem tiefer gelegenen Ortsteil "Wöhr", wie man ihn früher nannte. Im Laufe der Jahre wurden das Wehr und die Wehrstraße daraus.

Die Bezeichnung Wöhr entstammt dem Mittelhochdeutschen und bezeichnet eine Insel oder ein erhöhtes, wasserfreies Land. Und tatsächlich ist vom Hochofen an der Fluss Steinach geteilt und vereinigt sich wieder bei der großen Brücke beim Anwesen Wallasch, früher Sägmühle und später Schmiede Tempel.
Der so gebildete Stadtteil liegt wie eine lang gezogene Insel im Osten der Stadt.

Bis 1962 Schulhaus

Vom Markplatz kommend stehen sehr dominant die alte Schule, an deren Stelle ab 1576 das Rathaus und ab 1821 bis 1962 das Schulhaus stand, und das Regelshaus, die den Durchgang zur Staffel öffnen.

Das Regelshaus, mit dem Hausnamen Stolzn, war das ehemalige Badehaus der Stadt. Dort befand sich bis 1840 das "Baadtürlein". Neben den beiden Stadttoren beim Sammethaus (heute Heimatmuseum) und bei der Metzgerei Kraus war das der dritte Zugang zur Stadt.

Die Reinlichkeitsbedürfnisse der Bürger waren nicht nur in den größeren Städten organisiert, sondern auch in Stadtsteinach, wo seit 1564 eine Badeordnung existierte. Dieses Badhaus, eher Volksbad, war in diesem Regelshaus, heute Marktplatz Nummer 1.

Die Badeordnung

Die Badeordung ist klar, aber aus heutiger Sicht mit Freude zu lesen. "Der Bademeister mit seinem rechtschaffenem, züchtigen Badknecht und den fleißigen Lehrjungen und den tauglichen Bademägden sollen sich zur rechten Zeit in den Badestuben einfinden, damit die Badgäste gebarbiert, geschoren, geschrepft, zur Ader gelassen, aber niemand uffgehalten werde."

Geht man die Staffel hinab, so trifft man mit der Hausnummer 188, (heute Nr. 3) auf ein Haus, dessen Bewohner zurück bis 1560 bekannt sind. Schmidt, Hoffmann, Lang, Schirmer, Buchtrücker, Petzold, Lochner, Ehrhardt, Mäusel (auch Meusel, später Maisel und Meisel) Schott, Krumpholz bilden eine abwechslungsreiche Reihe, bis 1875 ein Andreas Göldel aus Unterzaubach 24 eine Dorothea Meisel ehelicht. Er war Weber und Gärtner und heiratete in zweiter Ehe eine Margareta Sesselmann aus Schwand. Er hatte elf Kinder, wobei sein Sohn Christoph, ein Bäckermeister, (1890-1949, verehelicht mit einer Barbara Schneider aus der Hauptstraße 10) ein Geschäft führte.

Gegenüber, im Haus Staffel 4, findet sich ebenso eine lange Besitzerliste, die bis 1780 zurückgeht. Waas, Witzgall, Petzold, Kothenreuther, Geyer, Lorber, Hildner und Schneider tauchen dort auf, bis 1904 ein Schneidermeister Friedrich Lederer (1875-1951) eine Eva Schneider heiratet, die als Hebamme tätig ist. Im Jahre 1926 erfolgte ein Stockwerkaufbau. Deren Sohn Konrad, ebenfalls Schneider, mit seiner Ehefrau Margareta, geborene Buß, eine Damenschneiderin, hatten drei Söhne.

Auch beim Haus Staffel 5 lässt sich eine lange Namensreihe zurück bis 1566 nachweisen. Bei den Namen Rüger, Hertel, Schott, Sesselmann, Wietzgall, Pauerschmidt, Waas, Ördel, Morasch, Graß, Haier und Rotlauf sind einige in Stadtsteinach nicht zu finden.

Um 1850 wohnt dort eine Familie Behr (auch Bähr), in der Musiker waren und auch ein Oberpostrat in Bamberg. Aus dieser Familie heiratete eine Anna Bähr einen Matratzenfabrikanten Andreas Beer in Nürnberg.

Opernsänger in Bayreuth

Zu Berühmtheit gelang ihr Sohn Adolf Kaspar Wilhelm Hanns Beer (1894-1975), der Opernsänger bei den Wagnerfestspielen war. Im Haus Beer verkehrten Siegfried Wagner aus Bayreuth mit seiner Familie, der bekannte Pianist Baron von Gersdorf, der Wagnerkenner Professor Pellegrini aus Dresden und viele weitere Künstler, um dort Hauskonzerte zu veranstalten. Von ihren fünf Kindern sind alle weit verstreut, die Ereignisse in diesem Haus sind in Vergessenheit geraden. Im Heimatmuseum in Stadtsteinach ist ein Rahmen mit Bildern und Plakaten des angesehenen Künstlers zu finden.

Nachdem Schindler und Krauss in diesem Haus wohnten, kamen Johann Bayer und seine Frau Theresia Spörl als Eigentümer, deren Nachfahren noch im Besitz dieses Anwesens an der Staffel sind.

Im Haus Staffel 6, unten rechts, wechselten auch zurück bis 1820 die Besitzer. Mathes, Zehelein, Spindler, ehe 1904 Johann Hohner (1860-1936), ein Schuhmacher aus Triebenreuth, mit seiner Frau Anna, geborene Spindler, in dieses Haus zog.

Er vererbte seine Musikalität seinem Sohn Johann Hohner (1908-1972), der in Stadtsteinach das Musikleben in vielen Bereichen leitete. Mit seiner Ehefrau Elisabetha, geborene Pfreundner aus Römersreuth, hatte er drei Kinder.

Ob Tanzmusik, Kirchenmusik, Wallfahrten, Friedhof, Blasmusik oder Chor - Johann Hohner, mit Hausnamen Schuster, war überall der Motor und mit seiner Vielfältigkeit für Stadtsteinach über Jahrzehnte eine herausragende Persönlichkeit. Nebenbei unterrichtete Hohner in seinem Haus auch den musikalischen Nachwuchs von Stadtsteinach.